Konkurrenz oder Symbiose? Microblogging versus E-Mail
Die E-Mail ist nach wie vor das wichtigste (elektronische) Kommunikationsmedium im Unternehmen und wie ich in meinem letzten Blogbeitrag dargestellt habe, wird sich das so schnell wahrscheinlich auch nicht ändern. Trotzdem hat der Austausch per E-Mail seine Grenzen, zum Beispiel bei der Projektarbeit und bei Problemlösungsprozessen. In diesen Fällen bewährt sich unternehmensinternes Microblogging in immer mehr Unternehmen.
Microblogging ermöglicht seinen Nutzern, kurze Nachrichten zu veröffentlichen. Beim wohl bekanntesten öffentlichen Kurznachrichtendienst Twitter beispielsweise sind sie auf 140 Zeichen beschränkt. Nutzer können die Meldungen anderer Mitglieder der Plattform gezielt abonnieren, indem sie ihnen „folgen“. Auf diese Weise entsteht ein für jeden Anwender personalisierter Nachrichtenstrom. Darüber hinaus können sie sich in Gruppen organisieren oder Nachrichten mit bestimmten Inhalten (Tags) abonnieren. Wir selbst nutzen übrigens „Connect“ das wir auf der Basis von BlueKiwi aufgebaut haben. Darüber hinaus gibt es für Unternehmen beispielsweise noch Yammer oder IBM Lotus Connections.
Wozu Microblogging?
Es gibt bereits eine Reihe von Fallstudien zum Microblogging im Unternehmen. Eine davon ist von Communardo Software GmbH, die exemplarisch für viele andere stehen kann. Das Unternehmen ist in den letzten Jahren stark gewachsen und hatte zunehmend Probleme mit dem Informationsaustausch. Deshalb entwickelte es bereits 2008 seine eigene Microblogging-Plattform „Communote“ und führte sie erfolgreich ein. Communardo berichtet von folgenden Erfahrungen:
„Das interne Microblogging-Werkzeug Communote bildete nach wenigen Monaten der Nutzung den zentralen Informations- und Kommunikationskanal innerhalb des Unternehmens und hat sich in der internen Kommunikation als effiziente Alternative zur E-Mail etabliert. Der erwartete positive Nutzen von Microblogging hat sich damit bei Communardo bestätigt. Es ist jedoch zu beobachten, dass durch das Aufkommen eines neuen, weiteren Kommunikationsmediums gelegentlich Irritationen entstehen, welches Medium für welchen Zweck genutzt werden sollte. Dabei sind in der täglichen Praxis folgende Beobachtungen gemacht worden:
• Die Nutzung von Microblogs erfolgt nicht immer gleich, sondern durchaus unterschiedlich zwischen den einzelnen Projekten oder Abteilungen.
• Generell werden Microblogs im Wesentlichen für den Austausch informeller Ad-hoc-Informationen genutzt. Für strukturierte Dokumentationen (z. B. zur Weitergabe von Wissen) werden Wikis, für formale Dokumente der Projektraum genutzt.
• Die Nutzung der E-Mail für informellen Informationsaustausch im Team (insb. über Verteilerlisten) nimmt deutlich ab. Die E-Mail wird zumeist für bilaterale und eher förmliche Kommunikation genutzt.
• Die Mitarbeiter äußern die klare Anforderung, die Microblogs in die gewohnte Arbeitsumgebung (Wikis, Projektraum, Intranet) zu integrieren.
Abschließend ist anzumerken, dass die Mitarbeiter großen Wert auf die durchgängige Verfügbarkeit des Microblogging-Dienstes legen, was die Bedeutung für die tägliche Arbeit unterstreicht.“
Ein interessanter Fall, vor allem weil Communardo sehr früh auf Microblogging setzte. Die Vorteile, die Unternehmen aus dieser Art von Kommunikation ziehen, sind übrigens häufig sehr ähnlich, obwohl die Motivation für den Einsatz unterschiedlich ist. Die meisten beobachten eine höhere Produktivität, besseren Informationsaustausch, insbesondere in größeren oder verteilt arbeitenden Unternehmen, und die bessere Nutzung des im Unternehmen vorhandenen Wissens. Microblogging ist also eine gute Ergänzung zur E-Mail und nicht etwa ein Konkurrent. Weitere Erfahrungsberichte über den Einsatz von Web 2.0-Tools im Unternehmen finden Sie übrigens unter http://www.e20cases.org.





Auch die Kollegen vom IT-Trends-Blog haben sich mit dem Thema beschäftigt: http://www.de.capgemini.com/it-trends-blog/2012/02/yammern-bringt-nichts-oder-doch/
Eine weitere interessante Fallstudie zu Microblogging ist derzeit Siemens, Building Technologies.
Die Fallstudie ist unter anderem im Journal of Universal Computer Science publiziert und kann dort kostenlos heruntergeladen werden:
http://www.jucs.org/jucs_17_4/enterprise_microblogging_for_advanced
Wer die Inhalte lieber auf Deutsch lesen möchte, findet sie auch im Journal HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik: http://hmd.dpunkt.de/277/04.php mehr dazu
Viele Grüße,
Alexander Stocker
Danke für die Erwähnung der Fallstudie zur Communote und dem Einsatz bei Communardo. Unsere Erfahrungen auch bei unseren Kunden wie z.B. das Trendbüro zeigen dass Communote mehr als nur als ‘Twitter’ oder ‘Facebook’ im Unternehmen eingesetzt wird.
Ich möchte gerne auf unsere aktuell veröffentlichte Infografik zum Thema: “Die neue Art der Zusammenarbeit” hinweisen. Diese fasst das Thema Microblogging im Unternehmen sehr schön zusammen: http://bit.ly/communote_infografik.
Wichtig ist, und dass zeigen ja alle Fallstudien und Untersuchungen, der richtige Mix der eingesetzten Kommunikationsmittel. Microblogging alleine ist kein Allheilmittel für die interne Kommunikation, kann sie aber die Kommunikation beschleunigen und verbessern.