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IT-Trends Studie 2012
Informationstechnologie wird immer mehr zu einer geschäftskritischen Komponente im Unternehmen und dementsprechend verändern sich die Anforderungen an den CIO. Die IT-Funktion ist im Umbruch. Die Prioritäten verschieben sich von der Technologie zum Geschäftsprozess und viele Studienteilnehmer glauben, dass es deshalb in Zukunft zwei IT-Abteilungen geben wird: eine für den technischen Betrieb und eine, die sich um die Geschäftsprozesse kümmert.
IT-Trends 2012 - Business-IT-Alignment sichert die Zukunft
Dr. Peter Lempp, Mitglied der Geschäftsführung Capgemini Deutschland, und Dr. Uwe Dumslaff, Chief Technology Officer von Capgemini in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sprechen über die wichtigsten Ergebnisse der IT-Trends 2012. Im Fokus stehen dabei die Tops & Flops in Sachen Trendthemen auf den Agenden der IT-Verantwortlichen.
Budgets
Nachdem im vergangenen Jahr viele CIOs mehr Budget bekommen haben, gibt es in diesem Jahr deutlich weniger Erhöhungen, aber auch weniger Kürzungen. Die Mehrzahl der Befragten (39 Prozent, Vorjahr 28 Prozent) geht davon aus, dass ihnen im Jahr 2011 genauso viel Geld zur Verfügung stehen wird wie 2010. Trotz der relativ entspannten Lage fürchten wieder mehr CIOs negative Auswirkungen auf das Tagesgeschäft und die Wettbewerbsfähigkeit, falls die Budgets gekürzt werden.
Innovation
Innovation durch IT ist in diesem Jahr ein wichtiges Thema. Nachdem die entsprechenden Budgets lange Zeit kontinuierlich gekürzt wurden, erhöhen zentraleuropäische Unternehmen 2011 um fast 2 Prozentpunkte. Die Ausgaben steigen von 14,6 Prozent des Gesamtbudgets auf 16,3 Prozent. Investiert wird vor allem in neue Software: Durchschnittlich implementiert jedes Unternehmen 6,7 innovative Anwendungen pro Jahr, bei Hardware und IT-Services sind es jeweils etwa die Hälfte. Unternehmen mit 500 Millionen bis 5 Milliarden Euro Umsatz sind am produktivsten, sie entwickeln pro Jahr etwas mehr als 13 Neuerungen. Konzerne mit mehr als 5 Milliarden Euro Umsatz schaffen lediglich etwas mehr als 11. Kleinere Unternehmen mit bis zu 500 Millio nen Euro Umsatz liegen im Mittelfeld und schöpfen ihre Budgets damit sehr effektiv aus. Bei ihnen bescheinigt der IT-Leiter der Geschäftsleitung ein gutes Technologieverständnis und behauptet von sich selbst, viel vom Markt und vom wirtschaftlichen Umfeld zu wissen. Die Nähe von Business und IT scheint einer der Erfolgsfaktoren für eine innovative IT-Abteilung zu sein.
IT-Organisation
Die IT-Abteilungen werden in diesem Jahr stärker vom Vorstand unterstützt. Außerdem hat sich die Kommunikation mit der Fachabteilung verbessert und insgesamt wird weniger Politik gemacht. Zum ersten Mal seit langem ist die Anzahl der CIOs gestiegen, die mangelndes Know-how und technische Probleme bei der Umsetzung von Projekten beklagen – ein Indikator dafür, dass der Fachkräftemangel spürbar zugenommen hat.
Die Aufgabe der IT-Abteilung ist in diesem Jahr zweigeteilt: Zum einen soll sie kostengünstig und flexibel die Standardservices erbringen, zum anderen innovativ sein. Innovationen sollen die Primärprozesse verbessern und die Infrastruktur flexibilisieren, aber auch zu neuen Services und Produkten des Unternehmens führen, die direkt Umsatz generieren. Um diesen Beitrag leisten zu können, müssen IT und Geschäft eng zusammenarbeiten. Im Bereich Geschäftsstrategieentwicklung klappt das gut, die Mehrheit der IT-Verantwortlichen ist entweder direkt oder sehr früh eingebunden. Darüber hinaus scheint die Zusammenarbeit schwierig, denn CIOs halten nicht viel von der IT-Kompetenz ihrer Geschäftsleitung. Sich selbst bescheinigen dagegen 79 Prozent der Befragten ein gutes Verständnis des Wettbewerbsumfeldes des Unternehmens. Interessanterweise ist die Diskrepanz zwischen dem sich selbst und dem der Business-Seite attestierten Know-how in Konzernen wesentlich größer als in kleinen Unternehmen.
Industrialisierung
Nachdem viele Unternehmen angesichts der Finanzkrise und der unsicheren wirtschaftlichen Lage ihre Eigenleistung Ende 2009 drastisch gesenkt hatten, teilweise um bis zu 20 Prozentpunkte, hat sich dieser Trend Ende 2010 wieder umgekehrt: Die Eigenleistung wurde erhöht, wenn auch im Infrastructure und Application Management nur leicht (2 Prozentpunkte). Die unternehmensinterne Softwareentwicklung zog kräftig an, sie stieg im Schnitt im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozentpunkte. Gleichzeitig sank der Automatisierungs- und Standardisierungsgrad der IT-Prozesse, während Hard- und Software weiter vereinheitlicht wurden. In der Softwarearchitektur sind die Schichten Präsentation, Logik und Datenhaltung in vielen Unternehmen noch eng miteinander verwoben, so dass neue Anwendungen oder Services nur mit großen Schwierigkeiten integriert werden können.
Trotz leicht gestiegener Eigenleistung lagern Unternehmen nach wie vor viele Arbeiten aus. Der größte Teil der Aufträge (im Schnitt 65 Prozent) geht an Auftragnehmer in Zentraleuropa. Indische Dienstleister erhalten nur etwa 15 Prozent des Gesamtvolumens, darunter überproportional viele Softwareentwicklungsprojekte.
Leader und Follower
Unternehmen mit wenig Eigenleistung und einem hohen Grad an Standardisierung, Automatisierung und Modularisierung der Softwarearchitektur werden im Index als Industrialisierungs-Leader eingestuft. Ihr Pendant am anderen Ende der Skala sind Industrialisierungs-Follower. Die IT-Abteilung von Leadern ist in der Regel klein, da ein großer Teil der Arbeiten von Partnern erledigt wird (mehr als 60 Prozent). Bei IT-Innovationen konzentrieren sie sich auf die Primärprozesse und auf die Entwicklung neuer Endprodukte und Services für ihr Unternehmen. Leader treiben den größten Teil der technischen Innovationen selbst, investieren mehr Zeit und Budget als Follower und haben einen höheren Innovations-Output. Da die IT von Leadern generell schlank und flexibel aufgestellt ist, machen sie sich weniger Sorgen um negative Folgen von Budgetkürzungen als ihre Kollegen, deren Abteilungen weniger stark industrialisiert sind. Da rüber hinaus sind in Leaderunternehmen Geschäfts- und IT-Seite eng miteinander verzahnt.
Follower haben große IT-Abteilungen und lagern nur etwas mehr als 40 Prozent der Leistungen aus. Sie investieren weniger Geld in IT-Innovationen als Leader, dieses Verhältnis war vor 12 Monaten noch umgekehrt. Follower konzentrieren sich auf Neuentwicklungen für Kernanwendungen und werden in Sachen Innovation stark von der Fachabteilung getrieben. CIOs von Follower-Unternehmen schreiben anders als Leader ihrer Geschäftsleitung ein geringeres Maß an technologischem Know-how zu und sich selbst auch weniger Wissen über die Geschäftstätigkeit des Unternehmens. In Bezug auf den Beitrag, den die IT für die Wertschöpfung im Unternehmen und zu Kostensenkungen leistet, hat sich die Einstellung der CIOs der beiden Gruppen über die letzten beiden Jahre angeglichen.
Tops und Flops
Die fünf wichtigsten Themen des Jahres sind Virtualisierung, Integration von Standard- und Individualanwendungen, Risikomanagement sowie Master Data und Data Quality Management. Die Teilnehmer wählten ihre Favoriten aus einer Liste von 32 Themen. Danach haben in diesem Jahr Mashup-Integration, unternehmensinterne Blogs, Social CRM, Google Apps und unternehmensinternes Microblogging die geringste Bedeutung. Gearbeitet wird in den kommenden 12 Monaten daran, das Nutzungserlebnis auf Portalen und für Web-Applikationen zu verbessern und damit den Außenauftritt und den Kundenservice zu optimieren. Darüber hinaus werden mit Hochdruck Applikationen für mobile Endgeräte entwickelt.
CIOs gehen davon aus, dass Web 2.0 in den kommenden beiden Jahren an Bedeutung gewinnt, vor allem Social CRM, Unternehmens-Wikis, -Blogs, Rich Internet Applications, Foren und internes Microblogging. Am stärksten überschätzt wurde die Bedeutung von Plattformen für die Einbindung von Kunden in die Produktentwicklung. Die Auswertung unstrukturierter Daten, Green IT, Shared Services, Application Service Providing und Semantic Web haben gegenüber der Einschätzung im letzten Jahr an Priorität verloren.
Angesichts dieser Veränderungen ist Business-IT-Alignment ein wichtiges Thema. Die Mehrheit der CIOs sieht darin den Schlüssel, um die Zukunft ihres Unternehmens zu sichern. Bei der Umsetzung stoßen sie jedoch häufig an Grenzen, weil viele Unternehmen derzeit weder organisatorisch noch kulturell in der Lage sind, mit dem CIO als Business Partner zusammenzuarbeiten. Anstatt dessen verharren sie in der gewohnten Auftraggebermentalität.
Dementsprechend stehen nach einem Jahr voller Innovationen jetzt wieder Effizienz und Kosten im Vordergrund. Darüber hinaus sollen Daten erschlossen und nutzbar gemacht sowie Social Media-Systeme in die Anwendungslandschaft integriert werden. Nach langem Reden über Cloud Services folgen jetzt Taten, die allerdings anders aussehen als von vielen Analysten prophezeit. Mehr dazu und zu vielen weiteren Ergebnissen lesen Sie in der IT-Trends-Studie 2012.
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