Europäische Postunternehmen müssen Geschäftsmodelle radikal überdenken - 40 Prozent der bisherigen Umsätze bedroht

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Studie

European Postal Perspective

Facing the challenge from low-cost posts

Berlin, 11. Dezember 2007

Die alteingesessenen europäischen Postunternehmen müssen bis zum Jahr 2015 mit Umsatzverlusten in Höhe von 35 bis 40 Prozent gemessen am heutigen Niveau rechnen. Das zeigt ein Geschäftsszenario unter der Annahme einer – sehr wahrscheinlichen – Liberalisierung der nationalen Postmärkte bis zum Jahr 2011. Die wichtigsten Faktoren dabei stellen der Eintritt von neuen Wettbewerbern und ein damit einhergehendes Sinken der Preise dar. Die Berechnungen wurden von der Strategie- und Managementberatung Capgemini Consulting im Rahmen der Studie „European Postal Perspective – Facing the challenge from low-cost posts“ angestellt. Dr. Martin Raab, Vice President Supply Chain Management bei Capgemini Consulting: „Die Postbranche steht vor einer ähnlichen Transformation wie vor einigen Jahren die Passagierluftfahrt. Sie muss ihr Geschäftsmodell radikal überdenken, um die Herausforderungen der Billiganbieter annehmen zu können.“

Veränderte Briefstrukturen bedingen flexible Geschäftsmodelle

Sollten, wie derzeit von der Europäischen Union geplant, die nationalen Briefmärkte bis spätestens 2011 komplett für den Wettbewerb geöffnet sein – in Deutschland und die Niederlanden schon ab 2008 – wird dies die bisherigen komfortablen Margen und Umsätze der etablierten Postdienstleister gehörig unter Druck setzen. In der Studie geht Capgemini Consulting davon aus, dass die neuen Wettbewerber einen Marktanteil von etwa 20 Prozent erreichen werden. Hinzu kommt ein zu erwartender deutlicher Preisverfall speziell im hochprofitablen Segment der Zustellungen innerhalb eines Tages. Lag im Jahr 2007 der Anteil dieser teuren Briefart bei etwa 47 Prozent, wird er bis zum Jahr 2015 unter Berücksichtigung von veränderten Kundenbedürfnissen auf 10 bis 15 Prozent sinken. Gleichzeitig nimmt die Menge der nicht-zeitkritischen Zustellungen von etwa 50 Prozent auf über 85 Prozent zu. Da für letztere – bedingt durch den Eintritt der neuen Wettbewerber – ein deutlich niedrigeres Preisniveau zu erwarten ist, wird auch dies einen negativen Einfluss von etwa 20 Prozent auf das durchschnittliche Preisniveau haben. „Die Billiganbieter spielen gekonnt ihren Vorteil aus, dass sie sich vollständig auf die Zustellung von nicht-zeitkritischer Post konzentrieren können. Die durch gesetzliche Verpflichtungen auf eine tagesaktuelle Zustellung gebundenen Postdienstleister müssen daher ein hybrides Modell entwickeln um im Markt bestehen zu können“, so Martin Raab.

Hybrides Postmodell als Ausweg

Das hybride Postmodell setzt auf die Trennung von zeitkritischen und zeitunkritischen Postsendungen. Danach werden zeitunkritische Sendungen nur noch zweimal pro Woche zugestellt. Die etablierten Postanbieter können auf diese Weise mit den neuen Wettbewerbern konkurrieren und zu niedrigeren Kosten produzieren. Allerdings wird dies mit weiteren Arbeitsplatzverlusten bei den etablierten Postunternehmen verbunden sein. Dr. Alexander Faber, Leiter des Capgemini Consulting Logistik- und Transport-Sektors: „Die Umstellung auf ein hybrides Modell verlangt von den etablierten Postunternehmen eine umfangreiche innerbetriebliche Transformation.“

Preissenkungen sind unter diesem Modell vor allem für die großen Geschäftskunden wie Telekommunikationsunternehmen oder Banken zu erwarten. Wie schnell auch Privatkunden von dem neuen Wettbewerb profitieren werden, ist fraglich. „Die etablierten Postunternehmen sollten die Attraktivität des Niedrigpreisangebots auch für Privatkunden prüfen – im Gegenzug müsste dann die Preis- und Qualitätsregulierung für die Briefe gelockert werden.“ so Alexander Faber.

Innovative Wachstumsoptionen wahrnehmen

Das hybride Postmodell nimmt die Herausforderung der Billiganbieter an und bewahrt die Wettbewerbsfähigkeit der alteingesessenen Postunternehmen. Raab: „Doch um letztlich die sinkenden Umsätze aus dem traditionellen Postgeschäft aufzufangen, müssen die Postunternehmen innovative Wachstumsstrategien entwickeln mit denen sie die neuen Anbieter aktiv attackieren können.“ Entsprechend den Ergebnissen der Capgemini Consulting Studie könnte dies auf drei Feldern geschehen. Die Postunternehmen können die nationalen Grenzen überschreiten. Unternehmen wie die Deutsche Post, TNT, Swiss Post oder auch die norwegische Post sind hier die Vorreiter. Hier kommt die Billiganbieter-Strategie für den Markteintritt in anderen Ländern in Frage wie es TNT in Deutschland bzw. die Deutsche Post in den Niederlanden macht. Ein zweites Feld ist das Geschäft mit der Zustellung von Päckchen und Paketen. Bedingt durch das Online-Shopping ist dies ein boomendes Marktsegment, das allerdings durch harten Wettbewerb geprägt ist. Als drittes Feld bleiben den Postunternehmen Zusatzdienstleistungen wie Direktmarketing oder auch die Abwicklung von kompletten Rechnungs- und Bezahlprozessen für Geschäftskunden.

„Postdienstleister sind als Großunternehmen schwer bewegliche Tanker. Deshalb müssen Führungskräfte der etablierten Anbieter frühzeitig die Weichen für die Transformation ihrer Unternehmen stellen. Dann werden sie auch als Sieger aus dem nun beginnenden Wettbewerb hervorgehen“, fasst Martin Raab zusammen.

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