expedITion Blog

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The power to make a point – Ein Plädoyer für einen verantwortungsvollen Umgang mit Präsentationswerkzeugen

In der heutigen Zeit ist Powerpoint aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Bei kaum einem Treffen, bei dem Informationen ausgetauscht werden, fehlt die passende Präsentation. Sei es die Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft, der tägliche Jour Fixe, die Mathematikvorlesung oder Tante Ernas Urlaubsbilder. Meist haben all diese unterschiedlichen Anlässe eines gemein: den geneigten Zuhörer solange mit Folien zu bombardieren, bis das Gehirn nur noch damit beschäftigt ist, Signale an die Augenlider zu senden, damit diese nicht zufallen.
 
Eine Präsentation war dann erfolgreich, wenn das Publikum am Ende noch genauso aufmerksam ist wie am Anfang. Schaffe ich es nicht, den Zuhörer in den ersten Minuten für mich zu gewinnen, so werde ich das Ruder im Verlauf meines Vortrages nicht mehr herumreißen können. Das bedeutet, ich muss den Spannungsbogen halten. Um das zu erreichen, muss ich die größten Nervtöter von meinem Vortrag fernhalten.


1. Das bloße Ablesen von Text von der Folie
Dann brauche ich keinen Vortragenden, sondern kann mir die Informationen selber schneller besorgen.
 
2. Zu viel Text in zu kleiner oder zu schnörkeliger Schrift
Mein Gehirn verspürt dann immer diesen Drang, doch alles lesen zu wollen, und aufgrund meiner genetisch bedingten Multitasking-Schwäche höre ich kein Wort mehr von dem, was der Vortragende auf der Tonspur vermitteln möchte.
 
3. Animationen und Sound
Sollte man möglichst vermeiden. Simple ist sexy – mit allem anderen erreicht man nur, dass die Aufmerksamkeit vom Vortragenden abgelenkt wird.


In meiner Laufbahn als Berater habe ich schon viele Präsentationen halten dürfen und noch mehr als Zuhörer miterlebt. Darunter war alles vertreten, von Präsentationen die einen absoluten Wow-Effekt erzeugten (an diese erinnert man sich noch heute), bis hin zu solchen, die derart unstrukturiert und wirr waren, dass selbst ein charismatischer Vortragender nicht mehr viel retten konnte. Wer fesselnd präsentieren möchte, für den gilt: der Vortragende steht im Mittelpunkt! Auf ihn sollte sich die ganze Aufmerksamkeit konzentrieren. Alles Andere ist nur ein Mittel zur Unterstützung des Vortrags. Wenn ich die Informationsübermittlung meinen Hilfsmitteln überlasse, dann kann ich eigentlich auch gleich zu Hause bleiben. Es wird sich schon jemand finden, der die Präsentation startet. 
 
Wozu brauche ich dann überhaupt eine Präsentation?
Diese Frage ist häufig durchaus berechtigt. Präsentationen können sehr gut genutzt werden, um mit Bildern die Informationen des Vortragenden zu untermauern. Wir merken uns Details besser, wenn wir sie mit einem bestimmten Bild verknüpfen. Auf der Folie ist das Bild mächtiger als das Wort. Dazu gehört aber auch, dass nicht jede Minute eine neue Folie gezeigt wird. Wenn die Präsentation zum Daumenkino wird, dann ist der Effekt der Informationsverknüpfung ganz schnell passé.
Die Folien sollten auch stilistisch einen roten Faden haben. Wenn jede Folie einen anderen Schrifttyp oder ein anderes Farbschema aufweist, führt das leicht zu dem Schluss, dass Informationen schnell zusammen kopiert wurden. Im Umkehrschluss bedeutet es, dass der Vortragende wohl nicht sehr tief im Thema steckt. Nach dieser Erkenntnis fällt es einem oft schwer, dem Vortrag noch aufmerksam zu folgen. 
 
Exzellente Beispiele für fesselnde Präsentationen waren die Vorträge von Steve Jobs. Er zog sein Publikum in seinen Bann und bediente sich dabei des wohldosierten Einsatzes von Hilfsmitteln. Seine Folien zeigten meist einzelne Bilder oder sehr, sehr wenig Text. Dazu gebrauchte er eine einfache Sprache und vermied typische Geschäftsfloskeln oder Abkürzungen.
Zu Recht darf jetzt eingeworfen werden, dass die Präsentation eines iPhone nicht mit einem Vortrag vor Kommilitonen der Studiengruppe zu vergleichen ist, aber die Quintessenz ist die gleiche: Weniger ist meist mehr.

Über den Autor

Cornelius G.
Cornelius G.
Cornelius arbeitet seit vielen Jahren bei Capgemini, erst als Berater im Bereich SAP Middleware und jetzt im Business Development. Seine Leidenschaft zum Präsentieren wurde schon früh durch die kanadischen Hochschulen, und deren Fokus auf knappe und präzise Darstellung von Ergebnissen, geprägt. Privat zieht es ihn regelmäßig in die Ferne.

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