expedITion Blog

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Polnisch lernen ganz nebenbei

Wenn morgens mein Kollege Krystian anruft, um Details zu unserem aktuellen Projekt zu besprechen, begrüße ich ihn häufig mit den Worten: „Cześć“, oder manchmal auch “Dzień dobry“. Das ist polnisch für „Hallo“ und „Guten Morgen“. Dass ich so einmal ein Telefonat beginnen oder überhaupt ein paar Worte Polnisch lernen würde, hätte ich nicht erwartet, als ich vor gut zweieinhalb Jahren zu Capgemini gekommen bin.

Dabei ist das bei Capgemini gar keine Seltenheit. Seit mehr als 10 Jahren arbeiten wir in Deutschland eng mit unserem Nearshore-Center in Wrocław in Polen zusammen. Dort waren im letzten Jahr 550 polnische Kollegen in Projekten für deutsche Kunden beschäftigt, Tendenz steigend. In Bezug auf die Sprache sind uns unsere polnischen Kollegen übrigens weit voraus, unterstützt durch vielfältige Weiterbildungen meistern sie die Unterstützung bei Kundenprojekten in Deutschland in einer zugegebenermaßen alles andere als leichten Fremdsprache.

Heutzutage ist in den meisten Unternehmen eine Zusammenarbeit in Teams über Ländergrenzen hinweg nicht nur keine Seltenheit mehr, sondern stellt oftmals die Regel dar. Es ist also mehr als wahrscheinlich, dass auch Du mit einer solchen Projektsituation in deinem Arbeitsleben einmal konfrontiert sein wirst.

Aber was bedeutet dieses Konzept über Länder- und Sprachgrenzen hinweg dann für das  tägliche Projektgeschäft?

Als ich bei meinem Start bei Capgemini direkt in ein großes Projekt mit Kollegen aus Wrocław kam, war das schon eine besondere Situation für mich. Denn gerade am Anfang ist die Barriere hoch, in einem neuen Umfeld sowieso, aber noch höher, wenn das Projektteam auch noch über Standorte und Länder hinaus verteilt ist. Gerade die polnischen Kollegen sieht man am Anfang höchstens über wenige Videokonferenzen und verständigt sich mehr über Telefon und E-Mail. Das bedeutet natürlich auch mehr Raum für Missverständnisse und wenig Raum für das persönliche Kennenlernen mit dem Gegenüber. Man kann sich noch nicht einmal schnell auf einen Kaffee treffen, was bei Capgemini eine gelebte Kultur für den persönlichen Kontakt darstellt.

Apropos Kultur - von der geographischen Distanz her liegen Deutschland und Polen zwar gar nicht so weit auseinander und doch habe ich hier in meinem Projektalltag und in Gesprächen mit Kollegen einige interessante und lustige Unterschiede feststellen können. So meinte mein polnischer Kollege Krystian letztens in einem Gespräch, dass unsere deutsche Arbeitsweise sehr konzentriert und leise sei, mit etwas weniger Humor im Büroalltag. Die Deutschen sprechen gerne über die Arbeit, planen viele Meetings, sind also sehr durchorganisiert. In Polen könne es dagegen schon etwas lauter im Büro zugehen, viele Leute sprechen durcheinander, es ist lustig, man lacht viel, bespricht Arbeitsthemen eher spontan und setzt dann die Aufgaben direkt um. Im letzten Jahr konnte ich mich bei einem Aufenthalt in Wrocław selbst von dieser Einschätzung überzeugen und ich muss sagen, dass sie gar nicht so weit hergeholt ist. Aber dass auch wir Deutschen sehr viel Humor haben, konnten wir nicht zuletzt auf den zahlreichen Teamevents unter Beweis stellen. Das letzte führte uns sogar auf die Zugspitze, wo wir gemeinsam einen tollen Tag verbringen konnten.



Auf welche Punkte sollte man also achten, damit ein guter Einstieg in ein internationales Projekt gelingt?

Wichtig ist auf jeden Fall authentisch und ehrlich zu sein. Auch, wenn man mal einen Fehler gemacht hat, bzw. etwas beim Gegenüber nicht so gut fand, so sollte man das auf eine passende Art offen ansprechen, denn nur so lässt sich Vertrauen aufbauen. Gerade, wenn man auch einmal schwierige Zeiten zusammen durchsteht, schweißt das zusammen. Hierfür reicht es nicht, nur miteinander zu telefonieren oder immer nur E-Mails zu schreiben,  ein regelmäßiger persönlicher Kontakt ist gerade in internationalen Projekten wichtig und wenn man sich dann auch einmal wirklich gegenüber steht, hat man schon ein ganz anderes Verhältnis zueinander.

Darüber hinaus sollte man dem Gegenüber zeigen, dass man sich persönlich mit ihm beschäftigt und sich nicht immer nur über geschäftliche Themen unterhalten möchte. Wenn man dem anderen signalisiert, dass man sich auch für seine Kultur interessiert, baut das ein ganz anderes Verhältnis auf und schafft eine viel lockere und persönlichere Arbeitsatmosphäre. So kam es dann auch, dass ich ein paar Worte Polnisch gelernt habe und es werden bestimmt noch weitere dazukommen!

Schließlich empfinde ich die Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen als sehr bereichernd. Man erweitert dabei auf jeden Fall seinen Horizont. Lernt die Gepflogenheiten, das tägliche Leben von anderen Kulturen kennen. Man übt sich darin, sich aus eingefahrenen Denkmustern zu lösen und sich in den Gegenüber hineinzuversetzen. Gerade diese Fähigkeit stellt doch die zentrale Kernkompetenz im Beratergeschäft, wie man es bspw. bei Capgemini vorfindet, dar. Es ist irgendwie auch ein besonderes Gefühl, wenn man täglich im Stand-up Meeting steht und weiß, dass dort Menschen in einem anderen Teil der Welt sind, die gemeinsam mit mir an den gleichen Herausforderungen arbeiten und die erarbeiteten Erfolge teilen. Letztendlich können daraus sogar Freundschaften entstehen und man erinnert sich gern an gemeinsam erlebte Projekte zurück. 

Ich würde gerne noch mehr erzählen, aber Krystian ruft gerade an…

Krystian G.
Krystian (31) begann seine Karriere als Spiele-Programmierer und hatte schon immer Interesse an Automotive-IT. So gelangte er direkt nach seinem Studium vor 8 Jahren zu Capgemini. Er lebt in Wrocław, ist ein leidenschaftlicher Motorradfahrer und Heavy-Metal-Fan mit einer künstlerischen Seele.

Über den Autor

Lars S.
Lars S.
Lars (30) wollte nach 4 Jahren im IT Service Management-Umfeld unabhängige IT-Beratung in den Kernprozessen der Kunden machen und kam so zu Capgemini, wo er seit 2012 als Business Analyst im „Automotive“-Team unterwegs ist. Heute lebt er in München, genießt das abwechslungsreiche Stadtleben und versucht gerade die perfekte Balance zwischen Boxen und Yoga zu finden.

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