IT-Trends-Blog

IT-Trends-Blog

Opinions expressed on this blog reflect the writer’s views and not the position of the Capgemini Group

Was macht den Trend zum Trend?

Kategorie: Trend-Anatomie

Sobald man sich intensiver mit Trends und Trendforschung auseinandersetzt, stellt man fest, dass es sehr unterschiedliche Definitionen gibt. Das Wort Trend bedeutet:

Trend, der

Substantiv, maskulin - (über einen gewissen Zeitraum zu beobachtende, statistisch erfassbare) Entwicklung[stendenz]

Synonyme: Bewegung, Entwicklung, [Entwicklungs]tendenz, Mode, Richtung, Strömung, Welle; (umgangssprachlich) Kult

Eine „zu beobachtende, statistisch erfassbare Entwicklung“ klingt relativ unspektakulär. In Wirklichkeit sind Trends eine aufregende Sache – sie verändern häufig unser Leben. Wenn die Forschung ein Thema zum Trend gekürt hat, ist es ständig in den Medien und wird wieder und wieder von Experten kommentiert. Bis dahin ist es allerdings ein langer Weg, wie ein Artikel auf BR-online für gesellschaftliche Trends beschreibt: Zunächst analysieren die Spezialisten viele Daten, um potenzielle Trends zu identifizieren. Anschließend muss die Hypothese durch Studien bewiesen werden. Erweist sich das Phänomen schließlich als Trend (dauerhafte Entwicklung) und nicht nur als Hype (kurzfristige Tendenz), ist der Sprung geschafft.

Hype, der

Substantiv, maskulin - aus Gründen der Publicity inszenierte Täuschung, Welle oberflächlicher Begeisterung, Rummel

Innovationen machen noch keinen Trend

In der IT hat man das Gefühl, dass jede Woche ein neuer Trend ausgerufen wird, bei näherem Hinsehen erweisen sich allerdings viele als Hype. Denn so manche spannende neue Technologie verschwindet ebenso schnell wieder in der Versenkung, wie sie aufgetaucht ist. Die Gründe dafür sind vielfältig: Häufiger als gedacht sind Endanwender und Unternehmen noch nicht bereit für eine neue Technologie, oder die Kosten sind zu hoch, das technologische Umfeld fehlt, der Hersteller findet nicht die richtigen Kooperationspartner oder hat nicht genügend Geld, um das Produkt auf breiter Basis zu vermarkten. Die Technologie für das Bezahlen per Handy (M-Payment) gibt es beispielsweise schon seit zehn Jahren, wirklich genutzt wird sie erst seit 2009.

Wie IT-Trends entstehen

Gesellschaftliche Trends entstehen relativ autonom und werden in hohem Maße vom Endverbraucher geprägt. Der Auslöser für einen neuen Trend ist zwar wie in der IT oft eine neue Erfindung, die Nutzung dieser Erfindung geht aber manchmal in eine ganz andere Richtung, als der Hersteller dachte. Filesharing-Plattformen entwickelten sich beispielsweise zu Musiktauschbörsen, was wiederum die Musikindustrie dazu brachte, über den Verkauf von mp3-Files nachzudenken. Rucksäcke wurden ursprünglich für das Wandern konzipiert, was entstand war der Rucksacktourismus.

Im Gegensatz dazu werden in der IT viel mehr Trends von Analysten bestimmt. Sie evaluieren die Anwendungsszenarien und Potenziale neuer Technologien und geben ihre Empfehlungen ab, die dann über die Medien verbreitet werden. Das geschieht häufig in einem Stadium, in dem es noch keine oder wenig praktische Erfahrung gibt. Nach der entsprechenden Evangelisierung der CIOs nutzen mehr und mehr Unternehmen die Technologie und machen den Trend streng genommen damit erst zu einem „echten“ Trend.

Der Unterschied zwischen Trend- und Zukunftsforschung

Die Prognosen von Analysten gehören eigentlich nicht zur Trendforschung, sondern zur Zukunftsforschung. Die Zukunftsforschung nutzt Erfahrungen aus der Vergangenheit, fügt Variablen für die zu erwartenden Veränderungen hinzu und extrapoliert die Daten in die Zukunft. Mit Daten von gestern lässt sich (valide) aber nur die Vergangenheit vorhersagen, eine Tatsache, die viele moderne Planungstools an ihre Grenzen führt. Trendforschung dagegen beschäftigt sich mit der Gegenwart und analysiert und interpretiert die Gegebenheiten.

„Trendforschung ist die Analyse der Wandlungsprozesse der Gegenwart. Zukunftsforschung dagegen analysiert die möglichen Auswirkungen von Trends.“ Matthias Horx, Zukunftsforscher

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem * gekennzeichnet.