IT-Trends-Blog

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Social Media im Unternehmen – Ende des Dornröschenschlafes?

Kategorie: Trends des Monats

Die Social-Media-Welle rollt: Was bedeutet das für den CIO?

Die dynamische Entwicklung von Social Media, gepaart mit einer hitzigen Debatte über den eigentlichen Mehrwert für Unternehmen, führt zu Skepsis und Unsicherheit, manchmal sogar zu einer gewissen Angst, die die erfolgreiche Einführung von Social Media behindern kann. So jedenfalls habe ich es bereits in mehreren Projekten erlebt. Dass Social Media-relevante Themen zumindest im letzten Jahr für CIOs kaum Bedeutung hatten, zeigten die Ergebnisse der IT-Trends-Studie. Sie bewerteten sie überwiegend als „Flops“. Ob sich diese Einschätzung in diesem Jahr ändert oder nicht, bleibt abzuwarten, aber CIOs werden sich früher oder später mit dem Thema auseinandersetzen müssen, denn die Social Media-Welle rollt.

Warum eigentlich?

Mitarbeiter werden privat tagtäglich mit Social Media in Form von Facebook, Twitter & Co. konfrontiert, was eine gewisse Erwartungshaltung an den Arbeitgeber weckt. Das was privat in aller Munde ist, möchte man gerne auch im Arbeitsalltag nutzen. Unternehmen reagieren darauf mit Skepsis und Zurückhaltung, was dazu führen kann, dass die Mitarbeiter auf eigene Faust beginnen, Lösungen für Blogs, Wikis oder zum Austausch von Dokumenten aufzusetzen. Viele Lösungen sind heute als Open Source oder sogar Freeware verfügbar. Auch „Software as a Service“-Lösungen wie Yammer erfreuen sich großer Beliebtheit. Solche Systeme lassen sich verhältnismäßig einfach ausrollen und vorbei an den Grenzen der unternehmenseigenen IT einführen. Desweiteren wird die Nutzung von Systemen, die für die tägliche Arbeit benötigt werden, häufig von den Fachabteilungen getrieben und durch kollaborative Add-ons erweitert, um sie dann mit dem Stempel „social“ zu versehen und einen Platz auf der Liste der schützenswerten Biotope zu ergattern. Aber es ist nicht überall „social“ drin, wo „social“ draufsteht.

Vorsicht Wildwuchs!

Dieser „bottom-up“-gelebte Ansatz birgt altbekannte Gefahren: Nämlich Wildwuchs in der IT-Landschaft und den Aufbau neuer Wissenssilos. Der Wildwuchs muss später wieder aufwändig und vor allem kostenintensiv konsolidiert werden, wie es bei den Intranet- und Portalllandschaften gerade passiert. Um ähnliche Phänomene für Social Media-Systeme zu verhindern, muss der CIO das Thema bewusst steuern und eine klare Strategie in Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen definieren.

Die Swiss Re hatte schon 2008 eine Strategie und hat deshalb jetzt weitaus weniger Sorgen in dieser Hinsicht: Während der Finanzkrise wurde die Entscheidung getroffen, mit Jive Social Business Software eine Social Business Plattform nach dem Vorbild von Facebook aufzubauen, weil die Nachfrage nach Rückversicherungsverträgen stark gestiegen war. Die Komplexität dieser Verträge erfordert das Zusammentragen von Informationen und das Vernetzen von Experten weltweit, um die Risiken richtig einschätzen und bepreisen zu können. Der Chief Operating Officer der Swiss Re kommentierte die Entscheidung so:"Um wettbewerbsfähig zu sein, ist es notwendig, alle zeitlichen und räumlichen Barrieren zwischen unseren global verstreuten Teams abzubauen.“ Mit der Einführung dieser Plattform wurde unter anderem der Email-Verkehr reduziert, Reisezeiten und Reisekosten gesenkt und die Produktivität der Zusammenarbeit verbessert.

Verändern Social Media die Geschäftsprozesse?

Ein Grund dafür, warum Fachabteilungen Social Media lieben ist, dass sie Geschäftsprozesse „sozialisieren“. Von Haus aus sind Geschäftsprozesse eher starre Gebilde, die nach einem vorgefertigten Schema ablaufen und ausgeführt werden. Sie sind nicht wirklich auf Interaktionen ausgelegt. Aber mit der Social Media-Komponente können Unternehmen in dynamischen Märkten flexibel und schnell auf Marktgegebenheiten und Kundenanforderungen reagieren. Der Prozess wird agiler.

SAP sozial!

Sozialisierte Geschäftsprozesse lassen sich beispielsweise mit SAP StreamWork organisieren, einer On-demand-Softwarelösung der SAP zur Unterstützung kollaborativer Entscheidungsprozesse, z.B. im Kontext von SAP-Transaktionen. Das Ziel von StreamWork ist einer gewissen Anzahl von Experten für einen begrenzten Zeitraum einen virtuellen Raum zur Verfügung zu stellen, um basierend auf den Daten aus dem SAP-Backend schnell und kollaborativ Entscheidungen treffen zu können. Auf diese Weise verknüpft SAP die Geschäftsprozesse aus dem Backend (z.B. CRM, BI) gezielt mit Social Media. Anwender können aus den SAP-Systemen heraus an bestimmten Stellen im Prozess Aktivitäten in StreamWork starten und diese zusammen mit Kollegen abarbeiten. Das Management von Bewerbungsprozessen, die kollaborative Erstellung von Angeboten oder die Diskussion der aktuellen Absatzzahlen sind nur einige der zahlreichen Einsatzmöglichkeiten.

Fazit?

Egal ob man mit dem Big Bang startet oder sich erst einmal vorsichtig an das Thema herantastet und mit einzelnen Prozessen wie Collaborative Sourcing anfängt – ich glaube, lange kommt die IT an dem Thema Social Media nicht mehr vorbei. Tatsächlich kann der frühe Einstieg auch Vorteile haben, denn die IT kann mit recht geringem Aufwand sehr gezielt und konkret zum Geschäftserfolg beitragen. Und wer seine Projekte bereits strukturiert und eine Strategie entwickelt hat, kann später besser steuern, anstatt gesteuert zu werden.

Über den Autor

Michael Ruckel
Michael Ruckel
Michael Ruckel untersucht als Experte für Social Media die Herausforderungen der neuen Medien für Mitarbeiter und Manager von Unternehmen. Sein persönliches Interesse ist, die „Zusammenarbeitsbedingungen“ innerhalb und zwischen Unternehmen durch die Verknüpfung von Technologien und Organisationen mit Social Media-Konzepten auf eine neue Ebene zu heben. Bei Capgemini Consulting arbeitete Michael Ruckel bis Ende 2012 als Senior Consultant im Team Project Innovation und halft seinen Kunden diese neuen technologischen und sozialen Entwicklungen als Erste zu verstehen und für sich zu nutzen.

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