IT-Trends-Blog

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Social Software schafft ein Paralleluniversum

Kategorie: Trends des Monats

Im ersten Teil meiner Social-Media-Reihe habe ich erläutert, warum die IT meiner Meinung nach nicht mehr lange an dem Thema Social Software vorbeikommt. Anstatt „top-down“ von der IT gesteuert, wird Social Software oft durch einen „bottom-up“-gelebten Ansatz im Unternehmen etabliert, was die Gefahr des IT-Wildwuchses mit sich bringt. In diesem Beitrag gehe ich noch einen Schritt weiter, denn ich sehe nicht nur die Gefahr des Wildwuchses, sondern behaupte, dass Social Software auf lange Sicht sogar disruptiv ist.

Verstaubte Systeme

Um das zu erklären, muss ich aber erst einen Blick in den Rückspiegel der Geschichte werfen. In den 90er Jahren sprossen transaktionale Lösungen wie ERP und CRM wie Pilze aus dem Boden. Das große Ziel vieler Unternehmen war, standardisierte Geschäftsprozesse soweit wie möglich in Standardsoftware abzubilden, zur großen Freude von SAP & Co. Jahre später wurden die ersten unternehmensinternen Webanwendungen und ersten statischen Intranets geboren. Um zentral auf sie zugreifen zu können, implementierte man Portale als webbasierte Einstiegspunkte und Integrationsplattformen. Mit den Portalen kam die erste große Integrationswelle und der erste große Technologie-Shift. Im Kontext klassisch-hierarischer Organisationsstrukturen funktionierte alles wunderbar, denn die Menschen arbeiteten in starren Prozessen und Workflows und persönliches Netzwerken fand nur beim Abendessen statt.

Parallelwelten

Nun aber drängen Social Software-Lösungen ins Unternehmen. Plötzlich wollen Mitarbeiter freier agieren, ihre Netzwerke selbst aufbauen und pflegen und mehr Verantwortung übernehmen. Das Management wird nicht mehr als Führung, sondern als Moderator und Coach gesehen. Social Software verändert die Unternehmenskultur und macht diese Veränderung massentauglich. Das geschieht zwar nicht über Nacht, aber Social Software nimmt immer mehr Raum im Unternehmen ein, so dass nach und nach eine Parallelwelt entsteht. Und zwar nicht nur innerhalb des Unternehmens, sondern vor allen Dingen draußen vor der Tür: im Internet.

Kunden reden schon längst (negativ und positiv) über Produkte, Services und Marken, ob nun auf Facebook, Twitter oder in diversen Diskussionsforen. Auf das Unternehmen prasselt ununterbrochen Feedback ein, ohne dass es daraus Mehrwert generieren und die Daten für sich nutzbar machen könnte. Streng genommen ist das Social Web sogar eine dritte Welt.

Social Software ist disruptiv

Aber was passiert mit der ersten Welt? Welche Rolle werden Intranets und transaktionale Systeme in Zukunft spielen? Ich glaube, dass sie von Social Software unterwandert, zum Teil verdrängt und in den Grundzügen verändert werden. Einige werden jetzt sagen: „Na und? Dann werden die Intranets eben unterwandert, schaut doch ohnehin niemand rein!“ Darum geht es aber im Grunde genommen gar nicht. Der kulturelle Wandel, der durch die Nutzung von Social Software getrieben beziehungsweise begleitet wird, ist die Veränderung, die wirklich zählt. Sie wird die Unternehmenskultur, Prozesse und Geschäftsmodelle beeinflussen. Menschen haben heute völlig neue Anforderungen und Bedürfnisse an Kommunikation und Zusammenarbeit, die nur mehr schlecht als recht von den vorhandenen IT-Systemen erfüllt werden.

Gartner hat diese Entwicklung bereits 2008 vorherhergesagt und Social Software auf die Liste der 10 disruptiven Technologien für das Jahr 2012 gesetzt. Für die IT wäre dieses Jahr vielleicht ein guter Zeitpunkt, um Gartner zuvorzukommen und ihre eigene Liste zu machen; Projekte für die Zusammenführung der Parallelwelten zu planen, damit sie aus allen dreien Mehrwert generieren kann.

Über den Autor

Michael Ruckel
Michael Ruckel
Michael Ruckel untersucht als Experte für Social Media die Herausforderungen der neuen Medien für Mitarbeiter und Manager von Unternehmen. Sein persönliches Interesse ist, die „Zusammenarbeitsbedingungen“ innerhalb und zwischen Unternehmen durch die Verknüpfung von Technologien und Organisationen mit Social Media-Konzepten auf eine neue Ebene zu heben. Bei Capgemini Consulting arbeitete Michael Ruckel bis Ende 2012 als Senior Consultant im Team Project Innovation und halft seinen Kunden diese neuen technologischen und sozialen Entwicklungen als Erste zu verstehen und für sich zu nutzen.

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