IT-Trends-Blog

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Daten – das digitale Gold

Kategorie: Trends des Monats

Daten sind die Ressource für digitale Wertschöpfung und Antrieb der Wirtschaft. Heute sind sie das, was im Zeitalter der Industrialisierung Elektrizität war. Was macht das Thema so interessant?

Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass die ausgetauschte Datenmenge in der digitalisierten Welt seit Jahren exponentiell wächst (siehe z.B. den Artikel Explosion des Cyberspace in der Süddeutschen Zeitung, Studie Big Data von McKinsey, Mai 2011). Betrug die Menge der gespeicherten Daten im Jahr 2007 beispielsweise 295 Exabyte, so erwartet IDC bis Ende 2011 bereits 1.800 Exabyte – also mehr als das 6-fache. Und viele dieser Daten stehen dank Internet und Social Media öffentlich bereit.

Die Entwicklung zur vernetzten Welt war rasant. Rechne ich mein Studium mit, bin ich inzwischen seit 25 Jahren in der Datenverarbeitung oder, wie man heute sagt, in der Informationstechnologie tätig. In meiner Anfangszeit habe ich lokal und mit wenigen Daten gearbeitet. Rechner waren so gut wie gar nicht miteinander vernetzt, aber es wurde Programm-Code erstellt, um Arbeitsabläufe zu automatisieren und Daten zu sammeln. Aufgrund der fehlenden Vernetzung fand der Austausch dieser Daten über tragbare Speichermedien statt. Gott sei Dank gab es damals bereits Disketten (5¼ Zoll), die später auf 3½ Zoll verkleinert und schließlich durch die CD, DVD und durch den USB-Stick ersetzt wurden.

Die Daten waren in Silos abgelegt, das heißt in geschlossenen Bereichen, auf die nur bestimmte Anwendungen zugreifen konnten. Bei Banken beispielsweise gab es Silos für das Aktiv- und das Passivgeschäft, aber keine Gesamtsicht auf alle Services, die der Kunde nutzt. Dieser Mangel wurde durch die Integration der Anwendungssilos behoben und der Fachbereich bekam wertvolle Informationen für seine Arbeit.

Heute sieht das Bild anders aus. Durch das Internet sind wir alle miteinander vernetzt – Unternehmen mit Unternehmen, Unternehmen mit Konsumenten und Privatpersonen mit anderen Personen. Und alle geben bereitwillig Daten preis - oftmals öffentlich. Via Twitter werden Nachrichten verbreitet, auf Facebook unterhalten wir uns mit Fans und Freunden, wir teilen Fotos, über XING vernetzen wir uns im geschäftlichen Kontext und als Teil von Lieferketten werden wir Bestandteil von Unternehmensprozessen. Jeden Tag generieren wir eine Unmenge neuer Daten.

Die Datenflut ist Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite entsteht viel Datenmüll und die Suche nach den richtigen Informationen nimmt eine Menge Zeit in Anspruch – das ist unwirtschaftlich. Auf der anderen Seite erhalten Unternehmen Daten, die sie zur Kundenbewertung, für die Entwicklung neuer Geschäftsideen und für andere Zwecke nutzen können und werden.

Außerdem haben sie die Möglichkeit direkt mit dem Endverbraucher in Kontakt zu treten. Während beispielsweise Mode-Label früher ausnahmslos mit dem Handel kommunizierten, können sie heute via Internet, Online-Shop, Twitter und Facebook direkt mit dem Konsumenten sprechen.

Aber was kann man aus diesen Daten noch herausholen?

Beispiele dafür gab es auf der diesjährigen next11, die unter das Motto „Data Love“ gestellt wurde. Ein weiteres  liefert  Klaus Hardy Mühleck, Konzern-CIO der Volkswagen AG, in seiner Wette „Das Auto wird zum mobilen Endgerät“. Er sieht ein Auto in Zukunft nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern auch als mobiles Endgerät. Das ermöglicht zum einen, Verkehrsströme auf der Basis von Realtime-Daten aus den Fahrzeugen zu steuern, zum anderen können Informationen für Fahrer und Beifahrer bereitgestellt werden, zum Beispiel durch die Verknüpfung von Geodaten, Nutzerfeedbacks und Konzepten zur Erweiterung von Realitätswahrnehmung (Augmented Reality). Diese Informationen kann man zueinander in Beziehung setzen, mit dem aktuellen Standort des Fahrzeuges verknüpfen und auf diese Weise kontextrelevante Informationen zur Verfügung stellen.

Ein Vertriebsmitarbeiter bekommt beispielsweise vor einem Kundentermin Informationen über seinen Gesprächspartner im Head-up-Display seines Fahrzeugs auf dem Parkplatz angezeigt. Unternehmenseigene Daten (die letzten Bestellungen, der Verlauf der letzten Treffen, seine Ansprechpartner etc.) werden mit frei zugänglichen Daten über den Kunden aus dem Internet verknüpft (Geschäftsberichte, Vorträge, ein Video des CEO etc.). Auf dem Weg zum Abendessen teilt das Informationssystem dem Vertriebsmitarbeiter mit, dass sein Kunde gerade erfolgreich eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen hat.

Wer solche Daten zum richtigen Zeitpunkt erhält und sie durch Vernetzung zu brauchbaren Informationen verarbeitet, kann sich große Vorteile verschaffen. Viele Unternehmen realisieren gerade erst, wie viel mehr sie aus ihren eigenen Daten in Verbindung mit öffentlich zugänglichen Informationen herausholen könnten und welchen Vorsprung ihnen mehr Wissen verschaffen wird. Daten werden damit zur „Währung der Zukunft“ und der frühe bzw. schnelle Vogel fängt den Wurm.

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.

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