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Deutscher Datenschutz – hat er das Zeug zum Exportschlager?

Kategorie: Trends des Monats

Die Forderungen des schleswig-holsteinischen Datenschutzbeauftragten Dr. Thilo Weichert stoßen in der Wirtschaft weitgehend auf Ablehnung. Nach Abmahnungen und der Androhung von Bußgeldern will Weichert im November nun gerichtlich gegen öffentliche und private Stellen mit Facebook-Fanseiten oder einem "Gefällt mir"-Button auf der Internetseite vorgehen. Deutsche Unternehmen sehen die Nutzung von Social Media – unter anderem auch von Facebook – als wichtigen Bestandteil ihrer Unternehmenskommunikation und als Mittel zur Kundenbindung. Sollten Nutzungsmöglichkeiten eingeschränkt oder die Facebook-Fanpage vollständig untersagt werden, könnten deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich Wettbewerbsnachteile haben. Möglicherweise ist das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein mit seinem Vorstoß über das Ziel hinaus geschossen. Dennoch – Datenschutz ist ein geschäftskritisches Thema. Und Deutschland kann hier die Vorreiterrolle spielen und beispielsweise neue Impulse zur Entwicklung des Datenschutzes im Kontext von Social Media in das EU-Recht einbringen.

iStockphoto / (C) Thinkstock

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Für Unternehmen werden Informationen immer wichtiger. Neben der unternehmensübergreifenden und (teil-)automatisierten Zusammenarbeit geht es vor allen Dingen darum, Bedürfnisse und Wünsche der Kunden zu verstehen. Dafür eignen sich Instrumente des Social-Media-Marketings besonders gut, auch deswegen, weil sie ermöglichen mit dem Kunden zu kommunizieren. Unternehmen können so beispielsweise Feedback erhalten, auch wenn sie ausschließlich indirekt, also über Händler, vertreiben. Nähe zum Kunden und das Verstehen seiner Bedürfnisse sind wichtig, um die richtigen Angebote zu entwickeln – Stichwort „Big Data“.

Beim Sammeln von Daten kommen wir allerdings in ein Dilemma. Die freiwillig oder unfreiwillig von Kunden produzierten Daten (Cookies, Social Media etc.) können mit neuen Technologien wie Social CRM und der Auswertung unstrukturierter Daten miteinander verknüpft und analysiert werden. Durch die Verknüpfung von personenbezogenen Daten wie Name, Adresse aber auch die IP-Adresse mit Aktivitäten (Einkäufe, Reisen, Beteiligung an Diskussionsforen etc.) lassen sich Profile erstellen, aus denen Unternehmen ablesen können, was eine bestimmte Person zum Beispiel für Hobbies hat, was sie kauft, wie viel Geld sie ausgibt und was sie gerne isst. Der Kunde wird gläsern – und zwar ohne seine Einwilligung.

Ein Ausweg aus dem Dilemma kann der Verzicht auf die Nutzung bzw. Verknüpfung mit personenbezogenen Daten sein. Ein Unternehmen sollte auch so genügend Informationen zur Entscheidungsfindung erhalten. Ob und warum ein Produkt vom Verbraucher angenommen wird, kann man auch aus statistischen Daten ableiten und gleichzeitig wäre die Privatsphäre gesichert. Außerdem ist es ja nicht so, als ob Kunden personalisierte Angebote nicht schätzten, solange die Verknüpfung zwischen individuellen Interessen und Klarname fehlt.

Ich bin überzeugt, dass es sich lohnt, in dieser Hinsicht die Vorreiterrolle zu übernehmen und auf die Verknüpfung bzw. Nutzung personenbezogener Daten zu verzichten. Das kann sich  sowohl für das Unternehmen, als auch für das Land positiv auswirken. Für Unternehmen kann der Qualitätsstempel bzgl. Datenschutz zum Wettbewerbs- und Imagevorteil werden. Gerade vor dem Hintergrund der derzeit geführten Debatte um Cloud und XaaS ist der sensible Umgang mit Daten ein wichtiger Baustein. Deutsche Unternehmen können sich in diesem Kontext mit fortschrittlichem und modernem Datenschutz positionieren und ein wesentliches Asset in die globalisierte IT-Welt einbringen. So lässt sich gemeinsam mit den deutschen Datenschützern ein Alleinstellungsmerkmal im Markt platzieren.

Über den Autor

Michael Ruckel
Michael Ruckel
Michael Ruckel untersucht als Experte für Social Media die Herausforderungen der neuen Medien für Mitarbeiter und Manager von Unternehmen. Sein persönliches Interesse ist, die „Zusammenarbeitsbedingungen“ innerhalb und zwischen Unternehmen durch die Verknüpfung von Technologien und Organisationen mit Social Media-Konzepten auf eine neue Ebene zu heben. Bei Capgemini Consulting arbeitete Michael Ruckel bis Ende 2012 als Senior Consultant im Team Project Innovation und halft seinen Kunden diese neuen technologischen und sozialen Entwicklungen als Erste zu verstehen und für sich zu nutzen.

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