IT-Trends-Blog

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Aus eins mach zwei: Wie entwickelt sich die Rolle des CIO?

Kategorie: Trends am Horizont

Die Nutzung von Informationstechnik ist längst nicht mehr einer Elite von Experten vorbehalten. Inzwischen hat die IT den Kontext der Arbeit verlassen und unseren Alltag erobert. Weder Autos noch Waschmaschinen kommen heute ohne Embedded Software aus und der Einkauf bei Amazon oder das Abschließen einer Versicherungspolice im Netz sind für uns genauso normal geworden wie der Umgang mit einem Smartphone.

Und wie geht es weiter? In zehn Jahren wird Technologie wahrscheinlich so allgegenwärtig sein, dass jeder – vom Kleinkind bis zum Großvater – sie nutzt, ohne noch groß darüber nachzudenken. Sie wird weitere Lebensbereiche erobern und oft nicht mehr als IT wahrgenommen werden, so wie die Software, die in der Waschmaschine steckt.

IT-Verständnis wird zum Basisrepertoire von Führungskräften

Wenn IT so allgegenwärtig geworden ist, wird auch die Rolle des CIOs – wie wir sie heute kennen – passé sein. Das glaube ich aus zwei Gründen: Erstens, weil eine einzelne technologiegeprägte CxO-Rolle im Unternehmen nicht mehr ausreichen wird. Schon heute sind so gut wie alle Prozesse IT-gestützt – angefangen von der Produktionssteuerung über die Integration von Lieferanten bis hin zu Marketing, Vertrieb und HR. Es wird künftig nicht mehr genügen, dass der CIO der einzige ist, der technische Zusammenhänge versteht. Heute mag das noch funktionieren, aber in zehn Jahren wird, meiner Ansicht nach, Technologieverständnis genauso zum Repertoire von Führungskräften gehören wie Kenntnisse der Betriebswirtschaft.

Das Aufgabenspektrum des CIO wird täglich breiter

Den zweiten Grund sehe ich darin, dass sich die Rolle des CIOs ausdifferenzieren wird, und zwar in dem Maße, in dem IT für immer mehr Zwecke eingesetzt wird. Schauen wir noch einmal zurück: Vor zehn Jahren war der CIO dafür zuständig, ein neues SAP-System in fünf Ländern in einem angemessenen Zeitraum und zu angemessenen Kosten einzuführen und zu betreiben. Im Laufe der vergangenen Jahre musste er sich dann zusätzlich immer tiefer in die Geschäftsprozesse einarbeiten – sich mit der Produktion auseinandersetzen, verstehen, wie der Vertrieb arbeitet und wie das Contact Center funktioniert, um die richtigen Anwendungen einzukaufen und die IT-Landschaft in die richtige Richtung zu entwickeln. Heute soll der CIO zusätzlich eine Nase dafür haben, mit welchen neuen iPhone-Apps sein Unternehmen Kunden gewinnen könnte, wie die Anwendung am Ende aussehen sollte und wie sie technisch mit der vorhandenen IT-Landschaft oder über Cloud Services bereitgestellt werden könnte. Habe ich die Berechnung des Business Case vergessen?

Das letzte Beispiel ist vielleicht ein wenig überzogen, aber es verdeutlicht, dass die Anzahl der Aufgabengebiete des CIOs proportional zur Durchdringungsrate von IT steigt. Je mehr Prozesse von Technologie gestützt werden, desto breiter wird sein Aufgabengebiet. Kundenbindung fällt zwar nicht in sein Ressort, aber da iPhone-Apps relativ neu und außerdem Software sind, erwartet die Fachseite, dass der CIO sich damit auskennt.

Ist der Fachbereichs-CIO die Lösung?

Problematisch an dieser Entwicklung ist, dass in Zukunft mehr oder weniger alles mit IT zu tun haben wird. Und kein CIO wird sich mit allen Fachgebieten auskennen können, in denen sein Unternehmen IT einsetzt. Dementsprechend muss sich seine Rolle weiterentwickeln und ich gehe davon aus, dass sie künftig in unterschiedliche Aufgabengebiete geteilt wird.

Was denken Sie? Wie stellen Sie sich die Rolle des CIO der Zukunft vor? Glauben Sie dan das duale Modell, in dem es einen Chief Technology Officer und Chief Process Officer geben wird? Oder denken Sie, dass die Differenzierung noch weiter geht und es in Zukunft sogar einen Technologie-Verantwortlichen für jede Fachabteilung des Unternehmens wie Produktion, Vertrieb und Marketing et cetera geben wird? Ich freue mich auf Ihr Feedback.

Dieser Artikel erschien in ähnlicher Form zum zehnjährigen Jubiläum des CIO-Magazins

Über den Autor

Peter Lempp
Peter Lempp
Dr. Peter Lempp ist Chief Operating Officer (COO) in Deutschland, insbesondere verantwortlich für die – auch globale - Delivery des Beratungs-, Projekt- und Servicegeschäfts bei Capgemini. Abgesehen von Business Transformationsprojekten interessiert ihn das Außergewöhnliche, insbesondere die Rolle, die der CIO im Unternehmen spielt, und die Zusammenarbeit von Business & IT. Gemeinsam mit Dr. Uwe Dumslaff gibt er die jährlich erscheinende Studie IT-Trends heraus. Peter Lempp ist promovierter Ingenieur, studierte Elektrotechnik und Computer Science an der Universität Stuttgart und der Northwestern University (USA).

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