IT-Trends-Blog

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Was rote Ampeln mit BPM zu tun haben

Kategorie: Trends des Monats

Laut Gartner wird es mit dem Business Process Management langsam ernst: In seiner Anfang des Jahres veröffentlichten Studie prophezeit das Analystenhaus, dass diejenigen, die die Trends verschlafen, von der Zukunft nichts Gutes erwarten können. Business Process Management (BPM) sei jetzt Pflichtprogramm und die Kluft zwischen in dieser Hinsicht führenden und weniger professionellen Unternehmen werde bis Ende 2014 immer größer.

John Foxx / Stockbyte / © Thinkstock

BPM ist für viele ein Frustthema 

Dass CIOs BPM ernst nehmen, zeigen auch die Ergebnisse der IT-Trends-Studie. Die Zahl derjenigen, die sich selbst als Optimierer von Geschäftsprozessen sehen, stieg im Vergleich zum Vorjahr von 25 auf 35 Prozent. Knapp 60 Prozent haben sich vorgenommen, sich in Zukunft intensiver mit diesem Thema zu beschäftigen.

Trotz des guten Willens ist der Frust häufig groß: Die Projekte dauern zu lange, die Prozesse sind nicht flexibel genug und wenn dann ein neuer eingeführt wird, ist er zum Launch-Termin schon wieder veraltet, weil sich die Anforderungen der Fachabteilung geändert haben. Effizientes Management scheint unter diesen Bedingungen so gut wie unmöglich, weil die Komplexität so hoch ist und die Strukturen historisch gewachsen sind. Darüber hinaus gibt es die verschiedenen Interessensgruppen im Unternehmen, die unterschiedliche Ziele verfolgen.

Die Ampeln sind jetzt öfter grün

Auf der Fahrt zur Arbeit ist mir aufgefallen, dass es den Verkehrsplanern eigentlich genauso geht: Sie werden permanent mit neuen Anforderungen konfrontiert, müssen kurzfristig reagieren und für die Beseitigung von Staus mit dem arbeiten, was sie haben. Denn der Bau einer neuen Straße oder einer neuen Spur dauert Monate oder Jahre und ist außerdem unendlich teuer. Und sie scheinen in letzter Zeit ihre Vorgehensweisen optimiert zu haben, denn trotz stetig steigendem Verkehrsaufkommen und nur langsamem Ausbau der Straßen oder des Schienennetzes geht es selbst in den Ballungszentren und im Berufsverkehr (meistens) vorwärts. Vielleicht könnte man etwas von ihnen lernen?

„Verkehrsplaner wissen: neu bauen ist teuer und dauert ewig“

BPM-Projektleiter wissen das auch, bauen aber trotzdem häufig neu. Eventuell könnte man das umgehen, indem man Vorhandenes besser optimiert. In der Verkehrsplanung wird beispielsweise der Nahverkehr unterschiedlich getaktet, Standstreifen im Berufsverkehr als Fahrspur freigegeben oder die Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn begrenzt, um den Durchfluss zu erhöhen.

Die Nutzung solcher Methoden wäre auch für BPM-Projekte gut. Dazu müsste man allerdings zuerst die Prozesse katalogisieren: Welche verarbeiten hohe Transaktionsvolumina, ähnlich wie der Güterfernverkehr, und welche müssen in erster Linie flexibel sein, so wie der Personennahverkehr. Oder geht es vielleicht um die Einbindung neuer Geschäftsbereiche in die Anwendungslandschaft, ähnlich wie bei der Entstehung eines neuen Gewerbegebietes?

Planung: Wie viel Detail muss sein?

Ein weiterer BPM-Mangel ist die analytische Tiefgründigkeit. Viel zu häufig werden zu Beginn von BPM-Projekten erst einmal die Ist-Prozesse umfassend modelliert. Das Ergebnis sind dann riesige Prozess-Portale oder -Bibliotheken – aufwändig erstellt, selten genutzt und bei echtem Bedarf entweder schon wieder veraltet oder der Wartungsaufwand steht in keinem Verhältnis mehr zum Nutzen. Auch hier könnte ein Blick zur Verkehrsinfrastruktur den BPM-Machern helfen, sich zu verbessern.

Ich frage mich immer zuerst, wie viel Dokumentation überhaupt nötig ist und komme meistens zu dem Schluss, dass grobe Übersichten für den Anfang ausreichen. Die Verkehrsplaner nutzen Flur- oder Straßenkarten, die alle wichtigen Informationen enthalten und beispielsweise Auskunft über die Eigentumsverhältnisse geben. Detailvermessungen werden erst dann gemacht, wenn das Projekt konkret wird. So kann auch sichergestellt werden, dass alle zwischenzeitlich entstandenen Änderungen en detail in die Planung einfließen.

Wenn Sie schon Ernst gemacht haben mit BPM oder es dieses Jahr tun wollen, hilft Ihnen die Sicht der Verkehrsplaner vielleicht Frust-Projekte zu vermeiden.

Weiterführende Links: Sven Roths Kolummne auf CIO.de:

http://www.cio.de/strategien/analysen/2275054/

Über den Autor

Sven Roth
Sven Roth
Dr. Sven L. Roth bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Business und Technologie. Die Grundlage für das Know-how in beiden Disziplinen legte er mit seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre und der Promotion in Informatik. Seitdem interessieren ihn die neusten Trends in der IT unter dem Gesichtspunkt, welche Businesstrends daraus entstehen könnten. Bei Capgemini verantwortet er als Vice President den Aufbau und die Ausgestaltung des Bereichs Business Technology in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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