IT-Trends-Blog

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Trendthema BPM: Wo geht die Reise hin?

Kategorie: Trends des Monats

Wenn ich geschäftlich unterwegs bin, nutze ich meistens verschiedene Verkehrsmittel: Zum Beispiel das Auto, um zum Park & Ride-Parkplatz zu kommen, anschließend den ICE oder das Flugzeug und am Zielort die U-Bahn oder ein Taxi. Das Flugzeug ist absolut gesehen am schnellsten, dafür landet es aber nur in der Nähe von großen Städten. Um ins Zentrum oder in eine abgelegene Stadt zu kommen, müssen alle Reisenden wieder auf kleinere Fortbewegungsmittel umsteigen. Die sind zwar nicht so schnell, dafür aber flexibler und individueller. Könnte man die Anwendungen eines Unternehmens nicht auch durch diese Brille betrachten, um das Business Process Management (BPM) besser in den Griff zu bekommen?

Herauskommen würde eine Einteilung in Train-, Bus-, Car- und Scooter-Apps. Um das Bild abzurunden, bräuchte man noch Bahnhöfe, an denen Reisende von einem Verkehrsmittel auf ein anderes umsteigen können bzw. Daten von einer Anwendung an eine andere übergeben werden, die sogenannten Hub-Apps.

Das Bild verdeutlicht, dass die Anwendungen analog der Verkehrsmittel für unterschiedliche Transaktionsvolumina ausgelegt sind und mehr oder weniger flexibel sein müssen: Während sich der Zug an einen Fahrplan hält, kann man mit dem Auto jederzeit fahren. Eine „Zug-App“ wäre in diesem Fall das ERP-System des Unternehmens. Es unterliegt periodischen Veränderungen, wird aber nicht jeden Tag neu angepasst. Das Auto wäre beispielsweise eine Portalanwendung, die vorhandene Dienste nutzt, oder eine Applikation aus der Cloud wie force.com. Sie sind flexibler als das ERP-System, aber langlebiger als die Scooter-Apps, die von den Mitarbeitern auch ohne IT-Kenntnisse schnell selbst zusammengestellt werden können, ganz nach Bedarf. Durch diese unterschiedlichen Arten von Anwendungen kann man die kurzlebigen Prozesse, die sich ständig ändern, von den langlebigen isolieren und den Änderungsaufwand insgesamt senken.

Damit alles zusammen funktioniert, braucht man einen Standard, analog dem Container im Güterverkehr, der sowohl auf Schiffe, Züge als auch auf LKWs passt. In der IT wäre das die Serviceorientierung. Das heißt nicht, dass immer ein Enterprise Service Bus (ESB) und eine vollständig serviceorientierte Architektur (SOA) benötigt werden, sondern nur, dass die angebotenen Dienste von Zug-, Bus- und Hub-Apps definierte, fachlich orientierte Service-Schnittstellen bereitstellen müssen.

 

© Capgemini, 2011

© Capgemini, 2011

Leider verlaufen Reisen ja nicht immer genau so wie geplant. Faktoren wie das Wetter und die Tageszeit beeinflussen das Verkehrsaufkommen und wenn ein Unfall passiert, bildet sich in der Regel erst einmal ein Stau. Um die Behinderungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren, wird der Verkehrsfluss nachgesteuert und optimiert. Über den Verkehrsleitstand können beispielsweise die Ampeln neu getaktet werden, um Staus zur Feierabendzeit zu vermeiden.

Die operative Feinsteuerung beim BPM ist einem Verkehrsleitstand sehr ähnlich. Nur wird dabei anstatt der Verkehrsströme Arbeitsvolumen gezielt auf andere Arbeitsplätze umgeleitet oder es wird Arbeitsvolumen reduziert, indem zum Beispiel die Freigabegrenzen für Kreditentscheidungen angehoben werden. Nicht nur das  Business kann operativ steuern, sondern auch die IT: Bei Staus werden Rechenkapazitäten umgeleite, zusätzliche freigeschaltet oder aus der Cloud abgerufen. Der Verkehrsleitstand wäre dann das Cockpit im Business Activity Monitoring.

Wenn die kurzfristigen Maßnahmen nicht ausreichen, muss mittel- bis langfristig etwas verändert werden. Das Business könnte mit diesem Modell mittelfristige Veränderungen und Prozessverbesserungen nun selbst durchführen, indem es Car-und Scooter-Apps beziehungsweise die Geschäftsregeln im Hub anpasst. Auf die IT ist es nur noch angewiesen, wenn es um die Anpassung von Bus- und Train-Apps geht.

Was halten Sie von diesem Konzept? Haben Sie schon einmal in diese Richtung gedacht? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

Weiterführende Links: Sven Roths Kolumne auf CIO.de:

http://www.cio.de/strategien/analysen/2275054/

Über den Autor

Sven Roth
Sven Roth
Dr. Sven L. Roth bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Business und Technologie. Die Grundlage für das Know-how in beiden Disziplinen legte er mit seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre und der Promotion in Informatik. Seitdem interessieren ihn die neusten Trends in der IT unter dem Gesichtspunkt, welche Businesstrends daraus entstehen könnten. Bei Capgemini verantwortet er als Vice President den Aufbau und die Ausgestaltung des Bereichs Business Technology in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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