IT-Trends-Blog

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Ein schöner Traum mit Potenzial: Open Data

Kategorie: Trends am Horizont

Ich träume tief und fest. Und schön. Vom Leben im Jahr 2020. Ich träume davon, dass alle Daten, die für die Allgemeinheit von Interesse sind, frei zugänglich und von jedermann genutzt werden können – sprich, dass „Open Data“ Realität ist. Wie das wohl wäre? Vielleicht so:

Meine Familie sitzt vor ReLocateYourLife – mittlerweile eine der erfolgreichsten Umzugs-Apps aus dem oData-App-Store. Auf der Suche nach einem neuen Zuhause können wir jetzt auf sehr detailreiche Informationen zugreifen und nach Immobilien suchen, die unseren ganz persönlichen Wünschen, Vorlieben und Notwendigkeiten entsprechen. Dazu gehört zum Beispiel eine unverbaute Aussicht, die wir anhand der Katasterdaten herausfiltern. Wir können sehen, welche Bodenqualität der künftige Hobbygarten haben wird oder auch, ob uns der Heuschnupfen weiter plagen kann, weil uns die App Pollenflugdaten und Luftproben-Erhebungen zur Verfügung stellt. Die Faszination über die Möglichkeiten ist so groß, dass sich uns automatisch die Frage stellt: Wie haben die Leute früher ihre Immobilie gefunden, ohne ReLocateYourLife und all diese Informationen?

In meinem Traum lasse ich die Schlagzeilen der letzten Jahre an mir vorbeiziehen…

3/2012: Ein Wettbewerb mit dem Titel „Apps4Deutschland“ zeigt: Es gibt unzählige Ideen, was man aus den Daten von Behörden und Ämtern machen könnte. Außerdem zeigt sich, dass man am besten die Anwender bestimmen lässt, welche Daten für sinnvolle Anwendungen gebraucht werden. Die oft diskutierte Vorauswahl der Informationen ist vom Tisch.

6/2012: Der IT-Planungsrat trifft eine Grundsatzentscheidung: Alle Daten von öffentlichen Institutionen werden freigegeben und der Metadatenstandard OD-RDF wird verbindlich.

10/2012: Allen IT-Projekten soll der Open Data-Gedanke zugrunde gelegt werden und die europäische Union gründet www.odata.eu als zentrales Zugriffsportal.

12/2012: Laut Gartner wird Open Data immer erfolgreicher, der App-Markt wächst rapide.

3/2013: Open Data stagniert mangels Bereitschaft, für die Informationen zu zahlen. Die Einstiegshürde für mittelständische Unternehmen ist zu hoch.

6/2013: Nach dem Inkrafttreten eines neuen Gesetzes ist der Bezug von Rohdaten auf www.odata.eu kostenfrei.

11/2013: Gartner-Studie: Unternehmen veredeln und kombinieren zunehmend Daten aus unterschiedlichen Quellen und erzielen bereits Umsätze.

4/2014: Der IT-Planungsrat berichtet, dass die Menge an zur Verfügung stehenden Daten zu klein sei, da nur öffentlich zugängliche Informationen von Behörden und Ämtern freigegeben sind. Außerdem mehren sich die Diskussionen um die Verteilung der Erträge, um Lizenzkosten und um die  Übernahme der Betriebskosten für die Infrastruktur.

1/2015: Der deutsche Open Data-Verein DoData wird unter der Beteiligung von Bund, Ländern, Kommunen, Wirtschaft und Bürgervertretern gegründet.

4/2015: Der Open Data-Verein EUoData ist der neue Betreiber des europäischen Open Data-Portals.

5/2016: Ein neues Lizenz- und Verrechnungsmodell sorgt für den Durchbruch bei EUoData. 30 % aller Erträge gehen an den oData-App-Store. Im Gegenzug werden Infrastruktur, Weiterentwicklung und Forschungsprogramme finanziert und Daten von Unternehmen zugekauft.

7/2018: Ein gemeinsames Forschungsprogramm von EUoData und der Privatwirtschaft entwickelt den Open Data Anonymizer (ODA): Persönliche Daten werden automatisch anonymisiert und sind nicht rückverfolgbar. Dadruch wird der Datenschutz sichergestellt.

10/2018: Das Massachusetts Institute of Technology und der Chaos-Computer-Club bestätigen die 100 %ige Sicherheit von ODA und damit die Datenschutz-Konformität der öffentlich zugänglichen Informationen. Die Freigabe privater Daten explodiert. Die letzte Hürde fällt.

3/2019: Gartner vertritt die Ansicht, dass Open Data zu den wichtigsten Konjunkturtreibern der EU zählt, das Thema prägt die IT-Branche.

1/2020: Open Data finanziert sich inzwischen selbst. Im oData-App-Store gibt es 2.375.005 Apps, inzwischen wurden 1.524.425.354.987 Datensätze freigegeben und 126.498 Datenquellen registriert, Tendenz steigend.

Nur ein Traum? Nun, die kürzlich von EU-Kommissarin Neelie Kroes präsentierte EU Open Data Strategie zeigt, dass der Stein bereits rollt.

Über den Autor

Sven Roth
Sven Roth
Dr. Sven L. Roth bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Business und Technologie. Die Grundlage für das Know-how in beiden Disziplinen legte er mit seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre und der Promotion in Informatik. Seitdem interessieren ihn die neusten Trends in der IT unter dem Gesichtspunkt, welche Businesstrends daraus entstehen könnten. Bei Capgemini verantwortet er als Vice President den Aufbau und die Ausgestaltung des Bereichs Business Technology in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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