IT-Trends-Blog

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Was der CEO vom CIO will

Kategorie: Trend-Anatomie

Etwas zu wollen ist laut Arbeitspsychologie die positivste und stärkste Motivation, um ein Ziel zu erreichen. Projekte, die man selbst ins Leben gerufen hat, verfolgt man mit wesentlich mehr Energie als Aufgaben, die einem von anderen übertragen wurden, an die man aber nicht wirklich glaubt. CIOs wollen Business Partner sein, und zwar laut den Daten der IT-Trends-Studie schon seit mindestens fünf Jahren. Sie wollen IT-Lösungen für (Business-) Probleme des Unternehmens finden und als gleichberechtigter Partner bei Management Meetings am Tisch sitzen. Bei jeder Umfrage sehen sie ihre Zukunft in der Rolle als Business Partner und müssen dann doch wieder angeben, dass ihre Gegenwart von Dienstleistung geprägt ist. An genügend Motivation, sich als Partner zu etablieren, scheint es nicht zu fehlen. Welche Faktoren verhindern diese Entwicklung dann? Ist es möglich, dass CEOs eventuell gar keinen Bedarf für einen CIO haben, der sich um mehr kümmert als um effiziente und kostengünstige IT-Services?

Fakt ist, dass in der Mehrheit (68 Prozent) der in die Studie einbezogenen Unternehmen der Erfolg der IT an IT-Kennzahlen gemessen wird - wie beispielsweise den Kosten pro Arbeitsplatz oder den Betriebskosten. Lediglich knapp 14 Prozent erheben geschäftliche Kennzahlen wie Umsatz- oder Gewinnsteigerung durch IT. Das ist zwar schwieriger als die Messung der IT-Kennzahlen, aber wenn es wirklich gewollt wäre, dass die IT geschäftlichen Mehrwert schafft, wäre es logisch, dass dieser auch gemessen wird. Wird er aber nicht.

Angenommen CEOs würden im CIO einen gleichberechtigten Partner suchen, dann würden sie wahrscheinlich dafür sorgen, dass die IT-Verantwortlichen an den Board Meetings teilnehmen. Das tun CIOs auch, die Mehrheit allerdings nur auf Abruf (22 Prozent „selten“, 24 Prozent „manchmal“) und damit sind sie abhängig von anderen Führungskräften, die sie einladen. Nur rund 35 Prozent der CIOs haben einen festen Platz am Tisch, das spricht nicht gerade für eine gleichberechtigte Partnerschaft zwischen Geschäft und IT.

In Bezug auf das geschäftliche Know-how, das CIOs mitbringen sollten, sind die Ansprüche der CEOs geringer als die Ansprüche der CIOs an sich selbst. Sprich – CEOs erwarten gar nicht unbedingt, dass der technisch Verantwortliche auch einen Harvard-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften hat. Im Gegenzug verlangen CEOs von sich selbst einiges an IT-Know-how und zwar mehr, als CIOs gemeinhin von ihnen fordern würden. Sind CEOs also der Meinung, dass sie die strategischen Fragen in Sachen IT eigentlich am besten selbst beurteilen können und die technischen Details und die Umsetzung dann dem Fachmann überlassen?

Die Vermutung erhärtet sich, wenn man die Visionen für die Unternehmens-IT vergleicht. Während die Mehrheit der CIOs davon ausgeht, dass es in zehn Jahren anstatt einer zwei IT-Abteilungen geben wird, nämlich eine für die Technik und eine für die Geschäftsprozesse, sind CEOs schon einen Schritt weiter: Sie glauben, dass in Zukunft die meisten IT-Services aus der Cloud oder von Drittanbietern eingekauft werden und der eigene IT-Bereich nur noch für die Integration der Services sorgt. Dafür benötigt man dann kein Allround-„Genie“ mehr, dass sowohl die geschäftsstrategische als auch die IT-strategische Seite beherrscht. Es würde genügen, wenn sich der IT-Verantwortliche gut mit Technologien, Governance und Dienstleister-Management auskennt.

Im Grunde genommen sind wir alle davon ausgegangen, dass die Bedeutung des CIOs in dem Maße zunimmt, in dem IT für Unternehmen wichtiger wird. Vielleicht ist das aber gar nicht der Fall, weil einerseits die Geschäftsbereiche selbst immer IT-affiner und –kompetenter werden und andererseits viele flexible dezentrale Lösungen im Business aufgesetzt werden (können) – die Integration in die Backbone-Systeme bleibt allerdings eine große IT-Aufgabe.

Dementsprechend hängt der Erfolg vieler strategisch wichtiger Entscheidungen in Zukunft eventuell nicht mehr zunehmend vom Grad des IT-Know-hows eines Unternehmens ab, sondern wie früher von anderen Faktoren wie Innovationsfähigkeit, Produktstrategie, Schnelligkeit im GoToMarket etc. Und diese sind, im Moment zumindest, nicht das Kerngeschäft des CIOs. Oder was ist Ihrer Meinung nach der Grund, warum der CIO nicht endlich Business Partner wird?

 

Über den Autor

Peter Lempp
Peter Lempp
Dr. Peter Lempp ist Chief Operating Officer (COO) in Deutschland, insbesondere verantwortlich für die – auch globale - Delivery des Beratungs-, Projekt- und Servicegeschäfts bei Capgemini. Abgesehen von Business Transformationsprojekten interessiert ihn das Außergewöhnliche, insbesondere die Rolle, die der CIO im Unternehmen spielt, und die Zusammenarbeit von Business & IT. Gemeinsam mit Dr. Uwe Dumslaff gibt er die jährlich erscheinende Studie IT-Trends heraus. Peter Lempp ist promovierter Ingenieur, studierte Elektrotechnik und Computer Science an der Universität Stuttgart und der Northwestern University (USA).

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