IT-Trends-Blog

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Zu kurz gedacht: Der ROI von Softwarestandardisierung

Kategorie: Trend-Wende

Wenn CIOs unter Kostendruck stehen – und das tun sie eigentlich immer – ist die Standardisierung der Software ein gutes Mittel, um die Ausgaben zu senken. Darüber hinaus löst Standardisierung aber auch noch andere Probleme: Endlich kehrt wieder Ordnung ein, die Systeme können weiterentwickelt werden und das Unternehmen gewinnt Flexibilität. Trotz all dieser Vorteile scheitern Standardisierungsprojekte laut der IT-Trends-Studie 2012 immer wieder an der Erstinvestition: Entweder sind die Kosten für die Abschaltung der Altsysteme zu hoch und beziehungsweise oder die Standardisierung bringt keinen unmittelbaren ROI. Dementsprechend gibt es keinen Business Case und das Vorhaben wird vertagt.

Diese Argumente verhindern überall Standardisierungsprojekte, vor allem aber in der Finanzdienstleistungsbranche. Knapp 47 Prozent der CIOs von Banken und Versicherungen gaben an, dass die Kosten für die Abschaltung der Altsysteme zu hoch seien. In der Industrie und der Automobilbranche waren es knapp 28 Prozent. Ähnlich ist die Situation bezogen auf den ROI. Unter den Banken- und Versicherungs-CIOs sehen ihn fast 47 Prozent als nicht unmittelbar gegeben, in der Industrie und Automobilbranche sind es sogar fast 59 Prozent der Befragten.

Ganz anders die CIOs von Handelsunternehmen: Lediglich knapp 29 Prozent lassen sich vom fehlenden ROI und 14 Prozent von hohen Ausmusterungskosten von der Standardisierung abhalten. Die Branche scheint von den Vorzügen standardisierter Software so überzeugt zu sein, dass sie weder Kosten noch Mühen scheut. Ein Grund  dafür ist, dass die Margen im Handel relativ gering sind und höhere Gewinne entweder durch kostengünstige Einkäufe oder durchoptimierte Prozesse erzielt werden können, sei es in der Logistik, im Kundenservice oder der Verkaufsabwicklung. Ein anderer Grund ist die Systemlandschaft, die jetzt immer mehr Probleme verursacht: Viele Unternehmen haben mit dem stationären Handel angefangen. Die IT-Lösungen für e- und m-Commerce kamen später dazu, wurden separat implementiert und kaum mit den übrigen Vertriebskanälen integriert. Die Fragmentierung verhindert jetzt Kundenservice und Markenauftritt aus einem Guss, was die Kunden verärgert und zu schlechten Bewertungen führt.

Die Kosten scheinen also am Ende gar nicht das ausschlaggebende Argument für oder gegen ein Standardisierungsprojekt zu sein, sondern der tatsächliche oder gefühlte Mehrwert, der wiederum durch die Wettbewerbssituation bestimmt wird. Es ist allerdings schon abzusehen, dass sich die Anzahl der Wettbewerbsfaktoren in einer globalisierten Welt reduziert und am Ende wahrscheinlich zwei den Erfolg oder Misserfolg von Unternehmen bestimmen werden: Erstens die Qualität des Kundenservices und zweitens die Güte der Prozesse, da sie in weiten Teilen die Preise sowie die Liefer- und Innovationsfähigkeit bestimmen. Ist es da nicht etwas zu kurz gedacht, Standardisierungsprojekte an der Anfangsinvestition scheitern zu lassen?

 

 

 

Über den Autor

Frank Pototzki
Frank Pototzki
Frank Pototzki ist Spezialist für den Handel und interessiert sich vor allem dafür, wie Unternehmen aus dem Einkauf ein Erlebnis machen und ihre Marke überall – sei es im Ladengeschäft, im Internet , per mobiler App oder in sozialen Medien – stimmig präsentieren können. Die Trends in der Branche verfolgt er seit mehr als zehn Jahren. Bei Capgemini betreut er große Unternehmen aus dem Handel und der Konsumgüterbranche und leitet die All-Channel Initiative der Capgemini in Deutschland.

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