IT-Trends-Blog

IT-Trends-Blog

Opinions expressed on this blog reflect the writer’s views and not the position of the Capgemini Group

Outsourcing – verschwendetes Potenzial?

Kategorie: Trend-Wende

Industrialisierung der IT – sprich Automatisierung, Standardisierung und Modularisierung sind seit Jahren ein Dauerthema unter CIOs. Das Ziel ist, die Services möglichst kostengünstig und effizient zu erbringen und dabei noch flexibel zu bleiben, um schnell auf die geschäftlichen Anforderungen des Unternehmens reagieren zu können. Eine niedrige Eigenleistungstiefe sprich ein hoher Grad an Auslagerung ist eines der wichtigsten Mittel, um dieses Ziel zu erreichen. Unternehmen gehen allerdings ganz unterschiedlich mit ihren Outsourcingpartnern um. Je nachdem, welchen Industrialisierungsgrad sie bereits erreicht haben, verfolgen sie verschiedene Strategien, wie die Daten der IT-Trends-Studie 2012 zeigen.

Sie unterteilt die Stichprobe in vier Industrialisierungstypen: Leader (IT stark industrialisiert und hochgesteckte Ziele für die Zukunft), Follower (IT wenig industrialisiert und wenig Ambitionen), Challenger (derzeit wenig industrialisiert, aber hochgesteckte Ziele) und De-Industrialisierer (IT stark industrialisiert, das hohe Niveau wird auf lange Sicht im Vergleich zu den Zielen anderer Unternehmen aber nicht gehalten).

Alle vier Industrialisierungs-Typen nutzen ihren Auftragnehmer in erster Linie als Dienstleister, der nichts anderes tut, als Standardleistungen abzuwickeln. Am ausgeprägtesten ist dieses Verhalten bei den Challengern. Der Grund ist, dass sie ihre Eigenleistungstiefe in kurzer Zeit dramatisch absenken wollen und um dieses Ziel zu erreichen, müssen sie schnell viel auslagern. Dabei vergessen sie aber möglicherweise, dass Externe auch als Innovationspartner fungieren können. Dieses Potenzial nutzen vor allem Industrialisierungs-Leader, also die Unternehmen, deren IT bereits auf höchstem Niveau standardisiert, automatisiert und modularisiert ist und die darüber hinaus eine geringe Eigenleistungstiefe haben. Ist Innovation per Outsourcing-Partner also der Königsweg?

Nicht unbedingt. Leader haben deshalb einen höheren Bedarf an Entwicklungspartnern, weil ihre eigene IT-Einheit sehr klein ist und ihnen dementsprechend intern wenig Ressourcen zur Verfügung stehen. Darüber hinaus sind die IT-Fachleute von Leadern hauptsächlich damit beschäftigt, die Dienstleister zu betreuen und zu steuern. Follower und Challenger, deren IT-Einheiten größer sind, lagern aus, um selbst wieder innovativ sein zu können.

Die auf dem Industrialisierungspfad am weitesten entwickelte Gruppe, die De-Industrialisierer, fahren eine ganz andere Strategie: Da ihre IT-Abteilung klein ist, brauchen sie ebenso wie die Leader viele Dienstleiter, die die IT-Services erbringen. Aber sie achten bei der Auftragsvergabe nicht nur auf das Verhältnis von Kosten und Leistung und die Einhaltung von Service Leveln. De-Industrialisierer gehen mit ihren Outsourcing-Partnern häufig Verträge ein, bei denen der Dienstleister an Erfolg und Misserfolg der Unternehmens-IT beteiligt wird. Damit lagern sie im Prinzip ihre eigene Rolle aus und gehen eine symbiotische Beziehung mit ihrem Partner ein. Wenn Ihnen dieses Modell bekannt vorkommt, liegen Sie richtig: In der Automobilindustrie ist das Verhältnis zwischen OEM und Zulieferer sehr ähnlich definiert. Der Unterschied ist vielleicht, dass die Autoindustrie mehr Erfahrung hat. Bedeutet dieses Ergebnis, dass am Ende eines langen Reifeprozesses in Sachen Industrialisierung Outsourcing 3.0 steht? Also der gleichberechtigte Umgang mit dem Dienstleister? Ich denke nicht, dass dieses Modell für jedes Unternehmen passt. Aber ich glaube, dass große Organisationen, für die eine effiziente und leistungsfähige IT eine große Rolle spielt, diesen Weg früher oder später einschlagen werden. So wie sie angefangen haben, ihre IT zu industrialisieren. Ich denke außerdem, dass diese Entwicklung nicht nur für die IT gilt, sondern auch für viele andere Funktionen im Unternehmen. Was glauben Sie?

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem * gekennzeichnet.