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Fit for Mobile – Die zweite Trainingseinheit

Kategorie: Trends des Monats

iStockphoto | © ThinkstockWer fit sein will, muss erst einmal trainieren – das gilt für die Fußball EM genauso wie im Arbeitsleben. Alle Mannschaften haben sich gründlich vorbereitet und jetzt kommt es darauf an, wer die bessere Kondition und die ausgefeiltere Taktik hat. Wenn Sie Ihr Unternehmen gerade fit für Mobility machen, haben Sie die ersten beiden Trainingsstationen bereits absolviert und haben bereits eine gute Grundlage geschaffen. Ich hoffe, dass eventueller Muskelkater inzwischen verebbt ist, denn es wird Zeit, das Training fortzusetzen.

Station 3: App-Einsatz – Welche Apps brauchen die mobilen Nutzer (oder welche Sportgeräte werden benötigt)?

Ihre Mitarbeiter verfügen jetzt über moderne und zentral gemanagte mobile Geräte. Welche Apps soll die Organisation nun bereitstellen? Um diese Frage zu beantworten, kann man die Apps in vier Gruppen einteilen: Apps für die Bereitstellung externen Wissens (Google, Nachrichten), Kommunikationsanwendungen (Mail, Kalender, Kontakte, Social Media), Apps für die Zusammenarbeit (Dokumentation, Wikis) und Fachanwendungen. Der Zugriff auf externes Wissen erfolgt meist über einen Browser oder über Standard-Apps aus dem App-Store. Die Kommunikationstechnologie für das Personal Information Management wie Mail, Kalender und Kontakte ist auf den Geräten in der Regel schon vorhanden, was fehlt ist nur noch die Anbindung an die entsprechenden Server.

Die richtige App für die Zusammenarbeit zu finden ist da schon schwieriger. Nicht in Bezug auf die Apps – hier gibt es viele Lösungen wie iCloud, Skydrive, Dropbox etc. – sondern in Bezug auf den sicheren Zugriff auf sensible Informationen.

Noch anspruchsvoller wird es bei den Fachanwendungen, denn hier geht es um spezifische Prozesse und Daten. Da es an dieser Stelle schnell kostenintensiv wird, zum Beispiel wenn man die klassischen Notebooks durch Tablets ersetzen will, ist die Erstellung eines Business Cases notwendig. Manche Fachanwendung erfordert sehr leistungsfähige Endgeräte mit vielen Schnittstellen und ihre Portierung in eine mobile Umgebung kann aufwändig werden. Daher sollten nur die Apps durchgängig mobil unterstützt werden, die ein signifikantes Ertrags- oder Kostensenkungspotenzial versprechen.

Station 4: App-Design – Welche Funktionen bringe ich wie auf das mobile Gerät (oder wie gestalte ich meine Kür)?

Erst einmal muss man wissen, wer an dieser Station der Trainingspartner sein soll: Endkunden (B2C), Mitarbeiter (B2E) oder Geschäftspartner (B2B)? Im B2C-Bereich sollen in der Regel neue Geschäftsmodelle umgesetzt und neue Kundengruppen angesprochen werden. Innovative Apps können dabei einen nicht zu unterschätzenden Werbe- und Imageeffekt erzielen. Aber auch die Anbindung anderer Smart Devices wie Sensoren in der Gebäudetechnik (Stichwort: Internet of Things) bieten Ansätze für neue Geschäftsmodelle. Im B2E-Bereich sollte die Organisation nach einer Steigerung der Mitarbeiterproduktivität streben. Beispiele sind die schnellere Bereitstellung von Informationen oder eine qualitative und quantitative Verbesserung der Datenerfassung. In der Interaktion mit Geschäftspartnern (B2B) lassen sich durch mobile Applikationen insbesondere die Prozesse flexibilisieren (erhöhte Interaktionsfrequenz).

Beim Entwurf der mobilen Applikation muss man dann noch die folgenden vier Aspekte beachten:

  1. Funktionalität: Welchen Geschäftswert generiert die App im Sinne von Prozessverbesserungen, direkten oder indirekten Einnahmen? Bietet die App einen Mix aus Kernfunktionalität und (im B2C-Bereich) innovativen Funktionen sowie Personalisierungs- und Kommunikationsmöglichkeiten?
  2. Design und Usability: Es ist zu entscheiden, ob und wie die speziellen Eigenheiten mobiler Geräte wie zum Beispiel Ortungsdienste und Kameras genutzt werden sollen. Außerdem muss man überlegen, ob man native Apps oder plattformübergreifende Technologien verwenden will. Native Apps kann man leichter an das gewünschte Design anpassen, verursachen aber einen höheren Entwicklungsaufwand für die Unterstützung verschiedener Plattformen. Bei plattformübergreifenden Technologien muss man Abstriche im Hinblick auf die Usability machen.
  3. Vertrauen und Schutz der Privatsphäre: Werden die Daten des Nutzers ausreichend geschützt und keine unnötigen Informationen übertragen, die eventuell missbräuchlich verwendet werden könnten?
  4. Verfügbarkeit: Ist die App auf den gängigen Plattformen, auf populären App-Marktplätzen, in verschiedenen Sprachen und unter Umständen mit länderspezifischen Inhalten verfügbar?
So - die Hälfte ist geschafft! Kurz durchatmen und dann auf zur nächsten Station.

 

Station 5: Mobile Architektur – Wie gestalte ich den Zugriff von mobilen Geräten auf die Anwendungslandschaft (oder welches Yacht-Design bringt den entscheidenden Vorsprung)?

Bei dieser Übung geht es darum, die in der letzten Trainingseinheit identifizierten Funktionen über die eigene Geschäftsarchitektur zum mobilen Nutzer zu bringen. Dazu muss man zuerst entscheiden, ob ein vorhandenes Portal um einen mobilen Kanal erweitert werden soll (mobile Website) oder ob ein neuer Zugriffsweg für „echte“ Apps mit einer reicheren Funktionalität geschaffen werden soll. Für den zweiten Fall bietet sich die Verwendung einer sogenannten MEAP (Mobile Enterprise Application Platform – nach Gartner) an.

Eine MEAP hat typischerweise folgende Eigenschaften: Auf Client-Seite werden zum Beispiel Offline-Fähigkeit oder Synchronisationsmechanismen unterstützt. Auf der Server-Seite wird der Zugriff auf die Dienste der Backend-Systeme realisiert. Sie setzt die für mobile Anwendungsfälle benötigten Querschnittfunktionen um, wie zum Beispiel Authentifizierung oder Monitoring. Im B2E-Bereich ist die Geräteverwaltungs-Komponente wichtig, um den Lebenszyklus zu steuern und organisationsweite Sicherheitsstandards umzusetzen.

Für die Zugriffsschicht und die Geräteverwaltung sind bereits etliche Produkte auf dem Markt wie zum Beispiel die Sybase Unwired Platform und das Afaria Device Management von SAP. Für die Produktauswahl empfiehlt es sich, mithilfe einer Referenzarchitektur die Anforderungsabdeckung der Produkte systematisch abzuklopfen.

Sehr gut! Sie absolvieren die Stationen hervorragend. Wenn Sie diese Disziplinen beherrschen, kann Ihre Organisation im Wettkampf bestehen. Aber Sie wollen mehr als nur bestehen, oder? Nach einer kurzen Erholungspause geht es weiter mit den Königsdisziplinen: Industrialisierung, Sicherheit und Strategie. Wenn Sie bis zum nächsten Beitrag Fragen haben, freue ich mich über Ihre Kommentare!



Bildnachweis Foto: iStockphoto | © Thinkstock
Bildnachweis Grafik: © 2012 Capgemini

Über den Autor

Sven Roth
Sven Roth
Dr. Sven L. Roth bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Business und Technologie. Die Grundlage für das Know-how in beiden Disziplinen legte er mit seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre und der Promotion in Informatik. Seitdem interessieren ihn die neusten Trends in der IT unter dem Gesichtspunkt, welche Businesstrends daraus entstehen könnten. Bei Capgemini verantwortet er als Vice President den Aufbau und die Ausgestaltung des Bereichs Business Technology in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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