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Soziale Netzwerke: Das Schweigen der CIOs

Kategorie: Trend-Anatomie

 

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CIOs fehlt die Kompetenz, soziale Kommunikations- und Kollaborationslösungen umzusetzen. Zu diesem Schluss kommt Harmon.ie, ein Anbieter von Collaboration-Lösungen. Das Unternehmen stützt sich auf eine Analyse, bei der es die Aktivitäten der CIOs der Fortune 250/Global 250-Unternehmen auf sozialen Plattformen untersucht hat. Das Ergebnis ist: Lediglich 10 Prozent dieser IT-Verantwortlichen sind aktiv, 90 Prozent schweigen oder engagieren sich nur mäßig.

In der Pressemitteilung des Unternehmens wird diese Aussage von einem Hinweis auf die Prognose des Analysten Gartner untermauert, der prophezeit, dass 2012 mehr als 70 Prozent der von der IT initiierten Social Media-Projekte scheitern werden. Das sind erschreckende Ergebnisse angesichts der Tatsache, dass es in vielen Unternehmen jetzt um die Implementierung von Social Media-Komponenten für die interne und externe Kommunikation geht. Sind CIOs wirklich nicht fit für das Zeitalter sozialer Kommunikation?

Ich glaube schon, zumindest liefert diese Analyse zu wenig stichhaltige Fakten, um das Gegenteil zu behaupten. Wenn man sich die Untersuchung und die jeweiligen Schlussfolgerungen genauer ansieht, werden viele Argumente entkräftet:

  • Erstens wurde der von Harmon.ie zitierte Gartner-Report im Februar 2010 veröffentlicht. Damals interessierte sich auch nach unseren Daten kaum ein CIO für Social Media und hätte die IT vor zwei Jahren solche Projekte initiiert, wären sie auch bestimmt nicht erfolgreich gewesen. Heute ist das Verständnis der CIOs in diesem Bereich ein anderes.
  • Zweitens untersuchte das Unternehmen ausschließlich die Nutzung öffentlicher Plattformen, während interne außen vor blieben. Da nicht jede Organisation gern sieht, wenn der CIO als CIO twittert, lässt sich aus diesen Daten auch nicht unbedingt ableiten, wer in diesem Bereich aktiv ist und wer nicht.
  • Drittens finde ich fraglich, ob ein CIO zwingend ein Social Media-Profi sein muss, um erfolgreich Social-Media-Technologie zu implementieren. Denn er soll ja in erster Linie den technologischen Teil abdecken und nicht den fachlichen. Für Letzteren arbeitet er mit dem Management und der Fachabteilung zusammen, die täglich mit den Zielgruppen des Unternehmens kommuniziert und dementsprechend viel Erfahrung hat oder haben sollte.
  • Viertens ist das Verhältnis von „Sprechern“ zu „Zuhörern“ auf sozialen Plattformen häufig 30:70 oder 20:80. Es ist also die Regel, dass die Mehrheit konsumiert, während eine Minderheit kreiert. Warum sollten gerade CIOs in diesem Bereich extrem aktiv sein? Das würde man doch eher von Kommunikations- und Marketingexperten erwarten.
  • Fünftens und letztens finde ich, dass das Thema Social Media und Collaboration nicht zwangsläufig vom CIO getrieben werden muss. Er sollte es verstehen und nach Bedarf für die von ihm verantwortete Anwendungslandschaft umsetzen können, aber er muss nicht unbedingt zu den Vorreitern gehören.
Wer trotzdem Vorreiter werden möchte, kann sich ein Beispiel an Oliver Bussmann nehmen, dem CIO von SAP. Er führt nicht nur die Top-25 Liste von Harmon.ie an, sondern hat auch das Thema in seinem Unternehmen stark vorangetrieben. Im Bezug auf seine Platzierung sollte man allerdings nicht vergessen, dass SAP Softwarelösungen verkauft und sich deshalb Oliver Bussmanns Zielgruppe in sozialen Medien zu weiten Teilen mit Kunden und Partnern des Unternehmens decken wird. Dementsprechend bekommt er viel mehr Aufmerksamkeit (oder Follower) als der CIO eines Backwaren- oder Elektrogeräteherstellers. Die können ihre Erfahrungen mit Twitter oder Facebook auch viel schlechter auf die Kundenkommunikation übertragen, weil sie mit der Zielgruppe des Unternehmens wahrscheinlich gar nichts zu tun haben werden.

 

Die vollständige Liste der Top-25 Social CIOs finden Sie übrigens hier. Tipps, wie Sie erfolgreich Social Media-Projekte umsetzen, auch wenn sie zu den oben genannten 90 Prozent gehören, finden Sie hier.

 

 

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.

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