IT-Trends-Blog

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Ausflug in den Anwendungs-Zoo

Kategorie: Trends des Monats

Manche Leute züchten mit Leidenschaft IT-Chaos oder zumindest erscheint es manchmal so, wenn man sich die Anwendungslandschaften genauer anschaut. Sie besteht aus hunderten von Applikationen, deren Funktionalitäten sich bei genauerem Hinsehen überschneiden, auf unterschiedlichen Plattformen basieren und dementsprechend Daten in Silos einsperren.

Man fragt sich immer wieder, wie es dazu kommt. Im Grunde genommen ist die Erklärung aber einfach. Sie liegt in der gefühlten Langsamkeit der IT-Abteilung, Änderungswünsche der Fachabteilungen umzusetzen. In der Regel läuft das so: Die Fachabteilung braucht neue Funktionalitäten für eine Anwendung. Da die Applikation alt ist, ist es sehr aufwändig, die gewünschten Features zu implementieren und dauert dementsprechend etwas „länger“. So lange kann die Fachabteilung aber nicht warten und deshalb vergisst sie alle Höflichkeit den Kollegen gegenüber und lässt extern eine Lösung entwickeln, die die neuen Funktionalitäten bietet. Das Ganze noch innerhalb einiger Monate. „Geht doch“, sagt sie anschließend, wenn sie die Anwendung an die IT-Abteilung übergibt, damit sie den Regelbetrieb übernimmt. „Geht nicht“, wird der zuständige IT-Kollege sagen. Erstens sei die Hälfte der Funktionen gegenüber anderen Anwendungen redundant, zweitens passe die Technologie nicht ins Architektur-Konzept und drittens hätte das Unternehmen gar keine Mitarbeiter, die sich mit dieser Software auskennen. Und schon ist der Zoo um eine exotische Tierart reicher geworden und die Betriebskosten der IT sind erneut gestiegen.

Der CIO schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, der CEO wundert sich, dass man ständig neue Anwendungen braucht, obwohl man schon so viele hat, und die Fachabteilungen gehen fröhlich ihrer Arbeit nach und generieren Umsatz.

In 90 Prozent der Fälle müsste es aber gar nicht so weit kommen. Wenn die IT-Abteilung wüsste, was die Fachabteilungen in den nächsten Monaten und längerfristig vorhaben, könnte man vorausschauender planen: Man könnte Applikationen von vornherein auf zukünftige Anforderungen auslegen, die IT-Landschaft gezielt konsolidieren und früher mit der Entwicklung neuer Funktionalitäten beginnen. Das alles setzt natürlich voraus, dass die IT von vornherein mit ins Boot geholt wird, idealerweise über den CIO, der als Partner des Managements an Board-Meetings teilnimmt. Das passiert allerdings immer noch recht selten. Laut den Zahlen der IT-Trends 2012 haben nur 35 Prozent der befragten IT-Verantwortlichen einen festen Platz im Führungskreis, der Rest muss auf eine Einladung hoffen. Wie sieht es bei Ihnen aus? Sind Sie regelmäßig dabei?

Über den Autor

Alfred Aue
Alfred Aue
Dr. Alfred Aue beschäftigt sich mit dem Lebenszyklus von Anwendungen und wie man ihn optimal gestaltet. Dabei interessiert ihn vor allem, wie man nicht nur die Kosten senkt, sondern vor allem den geschäftlichen Mehrwert erhöht. Bei Capgemini ist Alfred Aue Head of Sales der Application Lifecycle Service in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Seine Arbeit basiert auf langjähriger Erfahrung, unter anderem bei Siemens Nixdorf, debis Systemhaus und T-Systems.

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