IT-Trends-Blog

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Wie Business Partner denken

Kategorie: Trends des Monats

Ich verfolge die Diskussion um die Rolle des CIO schon seit einigen Jahren. Im Kern geht es darum, dass viele IT-Verantwortliche in Zukunft Business Partner des Managements sein wollen und ihre Funktion darin sehen, geschäftliche Probleme durch die Bereitstellung der richtigen IT-Services zu lösen. Diese Rolle beinhaltet in ihren Augen einen hohen Grad an Entscheidungsfreiheit und die Akzeptanz durch den Führungskreis als jemand, der das Geschäft genauso oder fast genauso gut versteht, wie er selbst.

IT als ausführendes Organ

Anspruch und Realität klaffen allerdings häufig weit auseinander. CIOs werden weitaus öfter als Dienstleister behandelt, als ihnen lieb ist. Relativ viele von ihnen sind lediglich dafür zuständig, bestimmte IT-Services möglichst kostengünstig zur Verfügung zu stellen, anstatt strategisch mitzudenken und für die Zukunft zu planen. Angesichts der steigenden Bedeutung von IT im Unternehmen ist das für die meisten IT-Verantwortlichen frustrierend. Sie sehen die Probleme, wenn Business und IT nicht optimal aufeinander abgestimmt sind, können aber nur wenig dagegen tun. Im Handel ist das anders. Die Quote der CIOs, die als Business Partner akzeptiert wird, ist höher als in anderen Industriezweigen. Woran liegt das?

Erfolgsmessung auf andere Art

CIOs von Unternehmen dieser Branche gehen offensichtlich anders mit IT um als ihre Kollegen. Ein Beispiel ist der Umgang mit Kennzahlen. Ein im Vergleich höherer Prozentsatz bewertet den Erfolg seiner Arbeit nicht vornehmlich anhand von IT-KPIs wie den Kosten pro Arbeitsplatz oder der Einhaltung der Service Level. Anstatt dessen nutzen sie geschäftliche Kennzahlen, wie beispielsweise den Beitrag der IT an Umsatz- und Gewinnsteigerung durch Produkt- oder Prozessverbesserungen oder die Erschließung von Umsatzpotenzialen durch die Bereitstellung von höherwertigen Informationen.

Ein relativ großer Anteil misst den Erfolg der IT sogar überhaupt nicht. Auf den ersten Blick mag das unklug erscheinen, auf den zweiten Blick ist es aber vielleicht gar nicht so falsch. Jede Zieldefinition führt zur Priorisierung von Entscheidungsparametern. Wenn die IT die Vorgabe bekommt, die Kosten pro Arbeitsplatz zu optimieren, wird möglicherweise die Softwarefunktionalität oder die Qualität des Service leiden. Solche Ziele sind zu eindimensional und führen am Ende meistens nicht zum gewünschten Effekt für das Unternehmen als Ganzes. Es ist aber sehr schwierig, gute, unternehmensübergreifende Zielsysteme zu entwickeln und sie permanent an sich verändernde Bedingungen anzupassen. Deshalb ist es manchmal vielleicht gar nicht so falsch, die IT-Ziele wegzulassen und einfach nur das Management bei der Umsetzung seiner Strategie zu unterstützen.

 

© 2012 Capgemini © 2012 Capgemini

 

 

Gegenseitiges Verstehen

Abgesehen vom anderen Umgang mit der Erfolgsmessung stellen CIOs von Handelsunternehmen auch höhere Ansprüche an ihr Verständnis der Geschäftstätigkeit des Unternehmens als die Kollegen anderer Branchen. Im Gegenzug erwarten sie von der Geschäftsleitung viel IT-Know-how. Sie legen also viel Wert darauf, dass der eine den anderen versteht. Ist es diese Art zu denken, die den CIOs von Handelsunternehmen die Akzeptanz als Business Partner sichert? Oder stellt der Handel so hohe Anforderungen an die IT-Funktion, dass alles andere als ein Business Partner-CIO nicht funktionieren würde? Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem. Sie hat auf jeden Fall dazu geführt, dass die CIOs im Handel ihrem Ziel schon wesentlich näher gekommen sind als andere IT-Verantwortliche.

 

© 2012 Capgemini © 2012 Capgemini

 

 

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.

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