IT-Trends-Blog

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Alles automatisch: Chancen und Risiken

Kategorie: Trends am Horizont

Laut der aktuellen Studie „The Deciding Factor: Big Data & Decision Making“ werden Daten heutzutage vor allem für eins eingesetzt: Um Führungskräfte bei Entscheidungen zu unterstützen, zum Beispiel mit Marktdaten und Leistungskennzahlen. Es gibt aber noch einen anderen Bereich, den Big Data beflügelt, und das ist die Automatisierung von Entscheidungen. Wenn es darum geht, ob ein Kredit vergeben oder wann das Lager wieder aufgestockt wird, machen automatisierte Entscheidungen anhand von Daten ein Unternehmen schneller und effizienter. Aber wo ist die Grenze? Wann wird Automatisierung riskant?

Laut Studie unterstützen Erkenntnisse aus Big Data heute in 58 Prozent der Fälle menschliche Entscheidungen und in 29 Prozent der Fälle automatisierte Entscheidungen. Im letztgenannten Einsatzgebiet gibt es aber noch Luft nach oben: Mehr als 60 Prozent der Studienteilnehmer sind der Meinung, dass in Ihrem Unternehmen noch viel mehr Entscheidungen automatisiert werden könnten.

Die entsprechende Software dafür hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Sie ist weit über einfache wenn-dann-Operationen wie zum Beispiel „wenn Kreditwürdigkeit = AAA, dann bewilligen, sonst ablehnen“ hinausgekommen. Inzwischen handelt es sich bei den Lösungen um hochspezialisierte Systeme mit künstlicher Intelligenz, die aus Erfolgen und Misserfolgen lernen können. Je besser diese Tools werden, desto mehr Entscheidungen lassen sich automatisieren.

Man kann zum Beispiel Leistungsdaten von Maschinen sammeln und diese mit den Umweltbedingungen und dem Energieverbrauch in Verbindung setzen. Auf diese Weise hat GE den Treibstoffverbrauch von Güterzügen optimiert. Sobald Abweichungen vom üblichen Leistungsmuster der Lokomotiven auftreten, entscheidet eine Software über die bestmöglich Korrektur – oder alarmiert einen Menschen.

Bei der Kreditvergabe sind Fehler durch automatisierte Entscheidungen kaum ein Problem, so lange es sich um kleine Summen handelt. Wenn das System beispielsweise einen Privatkredit ablehnt, obwohl er gewährt werden sollte, kann man das meistens mit einem Anruf korrigieren. Im Geschäftskundenbereich ist das schon schwieriger. Wird bei der Zahlung der Hafengebühren eine Fehlentscheidung getroffen und ein Schiff mit verderblicher Fracht kann nicht ablegen, geht der Schaden schnell in die Millionen.

Automatisierte Entscheidungen bergen noch eine andere Gefahr. Die so „in Stein gemeißelten“ Geschäftsregeln können nämlich nicht kurzfristig angepasst werden, wenn sich die äußeren Bedingungen ändern. Es reicht nicht, allen Mitarbeitern eine E-Mail zu schreiben. Anstatt dessen muss der Code geändert werden und das kann aufwändig und teuer sein. Nicht nur das, die Änderung dauert möglicherweise auch Tage oder Wochen. Wer entscheidet in der Zwischenzeit?

Es steht außer Frage, dass automatisierte Entscheidungen Unternehmen schneller und effizienter machen. Da die Technologie aber noch ganz am Anfang steht, muss man sich sehr gut überlegen, welche Entscheidungsmechanismen man automatisieren kann und will: Sind die äußeren Bedingungen in diesem Bereich stabil? Haben die Geschäftsregeln lange Bestand oder werden sie häufig verändert? Wie hoch könnte der Schaden sein, wenn eine Fehlentscheidung getroffen wird?

 

© 2012 Capgemini
© 2012 Capgemini

 

 

 

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.

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