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Warum M-Payment in Deutschland nicht durchstartet

Kategorie: Trends des Monats
iStockphoto | © ThinkstockAls ich vor kurzem den neuen World Payment Report in Händen hielt, fiel mir eine Aussage besonders ins Auge: „Mobile Payment wächst weltweit exponentiell und schneller als vor einem Jahr im World Payment Report prognostiziert“.

Warum gibt es dann in Deutschland praktisch noch kein M-Payment? Im Vergleich zu Ländern wie Kenia ist Deutschland ein Entwicklungsland im Bezug auf M-Payment. In Kenia erfolgen heute 80 Prozent aller Zahlungsvorgänge im B2C-Bereich mobil (siehe M-PESA). Zum Vergleich: In Deutschland wird in 53 Prozent der Fälle mit Bargeld, in 28 Prozent mit EC-Karte und in 7 mit Kreditkarte bezahlt, wie eine Studie der Bundesbank herausfand. Und M-Payment?

Zwar gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Initiativen, die sind aber entweder noch im Versuchsstadium oder derzeit nur im Ausland verfügbar, beispielsweise:

Warum tut sich Deutschland so schwer mit mobilem Bezahlen? Sind wir etwa Technikmuffel, Bedenkenträger oder zu bürokratisch? Im Gegenteil! Die Hauptursache, warum es so langsam voran geht, liegt an zwei Besonderheiten des deutschen Marktes.

Zum einen ist der Markt gesättigt mit effizienten elektronischen Zahlungsmitteln. Wo in anderen Ländern für den bargeldlosen Zahlungsverkehr bisher nur Kreditkarten und Schecks zur Verfügung standen, gibt es in Deutschland mit Girocard, elektronischem Lastschriftverfahren (ELV), Kreditkarte und Geldkarte ein sehr breites und vor allem kostengünstiges Angebot.

Zum anderen ist der deutsche Handel extrem kostensensitiv, vor allem wegen des guten Angebotes. Ein Bezahlvorgang mit Girocard oder Geldkarte kostet den Händler nur 0,3%, mit ELV ist es sogar noch günstiger.

Jeder Anbieter von M-Payment, der in diesem Markt Anteile gewinnen will, muss unter einer Umsatzgebühr von 0,3% bleiben, sonst machen die Händler einfach nicht mit. Dieser Kuchen von 0,3% ist verdammt klein. Damit alle Beteiligten (Banken, Mobilfunkanbieter, Payment Provider) des M-Payment-Ökosystems statt zu bekommen, ist unglaublich schwer. In diesem Geschäftsmodell braucht der M-Payment-Anbieter einen enorm langen Atem, bis er über Skaleneffekte genug Umsatz machen und die Investitionen und Fixkosten decken kann. Gibt es überhaupt einen Weg aus diesem Dilemma?

Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Geschäftsmodell. Wer M-Payment isoliert als reinen Ersatz für Bargeld betrachtet, denkt zu kurz. Ausschließlich für die Zahlungsdienstleistung zahlt kein Händler mehr als 0,3% Gebühr. Aber was wäre, wenn M-Payment dem Händler zusätzlichen Umsatz brächte, ihm neue Kunden zuführen würde? Dafür wären sehr viele Händler auch bereit, mehr als 3% des Umsatzes an den Payment-Anbieter zu zahlen. Aber wie verschafft M-Payment dem teilnehmenden Händler zusätzlichen Umsatz?

Am besten lässt sich die Verbindung aus Umsatz und Mobile Payment am Beispiel erläutern:

Sie sind beim Einkaufsbummel in der Hamburger City unterwegs und möchten sich neue Laufschuhe kaufen. Sie suchen mit Hilfe Ihres Smartphones alle Läden in der näheren Umgebung, die Laufschuhe anbieten. Einer der Händler bietet Ihnen einen Rabatt von 5%, wenn Sie JETZT beim ihm kaufen und die Ware mit Mobile Payment bezahlen. Sie nehmen das Angebot an, suchen sich bei diesem Händler die passenden Schuhe aus und begleichen die Rechnung mobil mit Ihrem Smartphone. Danach setzen Sie sich in ein Café und buchen, während Sie Kaffee trinken, online einen Kurzurlaub in Berlin, den sie über das gleiche Verfahren bezahlen.

Der Payment Provider weiß nun, dass Sie gerne laufen und gerne Städtereisen machen. Sie gehen weiter durch die Innenstadt. Die Payment-App Ihres Smartphones meldet sich plötzlich und informiert Sie, dass das Reisebüro 200 Meter die Straße rauf weltbekannte City-Marathons im Programm hat und derzeit attraktive Frühbucherrabatte gewährt − wenn Sie mobil bezahlen. Das Angebot klingt doch sehr verlockend. Wirklich smart, Ihr Phone!

Mobile Payment schafft dann Mehrwert für den Handel, wenn es eine Brücke bildet zwischen

  1. Werbung und Geschäftsabschluss
  2. konventionellem Handel und Online-Handel

Für diesen Mehrwert werden die Händler, insbesondere in margenstarken Segmenten, gerne mehr als 0,3% zahlen.


© 2012 Capgemini


Bildnachweis Foto: iStockphoto | © Thinkstock
Bildnachweis Grafik: © 2012 Capgemini

Über den Autor

Markus Nenninger
Markus Nenninger
Markus Nenninger beschäftigt sich seit mehr als 10 Jahren mit IT für Banken und Finanzdienstleiter. Seit seinem Studium der Informatik interessiert er sich besonders für das Zusammenspiel von Business und Technologie. Weitere Schwerpunkte sind die Themen Softwareentwicklung, Prozess- und Qualitätsmanagement. Bei Capgemini Business Technology leitet er des Beratungsteam für Kernbank und Zahlungsverkehr.

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