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Zu viel des Guten: Warum unstrukturierte Daten viele Unternehmen nicht weiterbringen

Kategorie: Trends des Monats

Für Big Data braucht man vor allem eins: viele Daten. Lange Zeit eine knappe Ressource gibt es inzwischen genug davon, denn jetzt können unstrukturierte Informationen ausgewertet werden wie beispielsweise Videos, Audio-Dateien, E-Mails, Office-Dokumente oder Unterhaltungen in sozialen Medien und in Foren im Web. So zumindest die Theorie. In der Praxis scheint die unendliche Informationsfülle viele Unternehmen nicht weiterzubringen. In der Studie „The Deciding Factor: Big Data & Decision Making“ gaben fast 40 Prozent der befragten Führungskräfte an, dass sie zu viele unstrukturierte Daten hätten, um Entscheidungsprozesse zu unterstützen. Wurde das Potenzial von Big Data überschätzt?

Möglicherweise ja oder zumindest in Teilen. In der Studie gaben 42 Prozent der Befragten an, dass unstrukturierte Inhalte zu schwer zu interpretieren seien. Das liegt zum einen daran, dass sie vollkommen anders ausgewertet werden als strukturierte Informationen. Anstatt eine konkrete Frage zu stellen, ist die Auswertung unstrukturierter Daten eher intuitiv. Man aggregiert Informationen zu einem bestimmten Sachverhalt und schaut dann, welche weiteren Verknüpfungen das System hervorbringt. Häufig bekommt man bei der Auswertung Antworten auf Fragen, die man gar nicht gestellt hat. Mit dieser vollkommen neuen Herangehensweise sind viele Datenanalysten und Führungskräfte nicht vertraut. Sie sind gewohnt zu wissen, welche Informationen vorhanden sind und finden dann einen Weg, um sie zu korrelieren und weitere Erkenntnisse daraus zu ziehen.

© 2012, Capgemini
© 2012, Capgemini

Darüber hinaus wurden die klassischen Business Intelligence-Anwendungen nicht für die Auswertung umstrukturierter Daten gemacht und die dafür geeignete Software kann häufig nicht viel mehr als Informationen auffinden. Der Markt für professionelle Lösungen ist noch relativ jung und die Hersteller oft unbekannt. Aufgrund all dieser Faktoren ist es also nicht verwunderlich, dass vielen Unternehmen die Auswertung unstrukturierter Daten schwer fällt.

Der Grad variiert allerdings von Branche zu Branche: Für den Konsumgüterhandel beispielsweise dienen Unterhaltungen in sozialen Medien immer häufiger als Entscheidungsgrundlage. Wenn beispielsweise ein neuer Tarif nicht gut ankommt oder ein Produkt schlechte Kritiken erntet, überarbeiten sie es oder nehmen es vom Markt. Geschwindigkeit ist in diesen Fällen häufig der entscheidende Faktor – je schneller sie auf die Kundenmeinungen reagieren, desto besser stehen sie insgesamt dar. Dementsprechend wichtig ist die Auswertung unstrukturierter Daten für diese Unternehmen und sie betreiben viel Aufwand, um sie zu optimieren. Im Gegensatz dazu halten die meisten anderen Branchen Informationen zum Absatz, Einkauf und den Kosten für die wichtigste Grundlage, um Entscheidungen fällen zu können. Das alles sind klassische Geschäftsdaten, die in strukturierter Form erhoben und analysiert werden. Warum also sollten sie viel Geld und Zeit investieren, um an Erkenntnisse zu gelangen, die sie ihrer Meinung nach gar nicht benötigen?

© 2012, Capgemini
© 2012, Capgemini

 

 

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.

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