IT-Trends-Blog

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Was die IT nicht entscheiden kann

Kategorie: Trends des Monats

Vor einiger Zeit erzählte mir ein Kunde von einem interessanten Projekt. Er hatte fast den gesamten Betrieb nach Indien ausgelagert, um die Kosten zu senken und das war ihm auch gelungen. Im Laufe der Jahre stiegen die Kosten aber schnell wieder an, so dass er im Grunde wieder von vorn anfangen musste. Deshalb wollte er zusätzlich den Aufwand für das Application Management reduzieren. Sein Plan dazu war gut: Er hatte bereits die Anwendungen herausgesucht, die auf veralteter Technologie basierten, schwer zu verändern waren und hohe Wartungskosten verursachten. Darüber hinaus gab es einige Anwendungen, deren Funktionalitäten redundant abgebildet waren und die man konsolidieren könnte. Für die Erstellung des Business Case bat er mich um Hilfe. Ich sagte gleich, dass die IT-Abteilung den nicht erstellen könne. Er würde sich nicht rechnen. Die Kosten für die Modernisierung würden die IT-Einsparungen übersteigen, egal, wie man es anging. Er reagierte zunächst erstaunt, nach einem halbstündigen Gespräch waren wir uns dann aber einig, wie wir das Projekt angehen könnten.

Meiner Meinung nach kann die IT so einen Business Case nicht allein kalkulieren, weil eine ganz entscheidende Komponente fehlt: der Geschäftsprozess. Wenn beispielsweise die Anzahl der Anfragen von der Fach- an die IT-Abteilung durch die Modernisierung einer Software um 30 Prozent reduziert werden, hat die IT-Abteilung eine Menge Ressourcen gespart, der Business Case rechnet sich aber trotzdem nicht. Er geht erst dann auf, wenn die Zeitersparnis und die Effizienzerhöhung in den Geschäftsprozessen in die Kalkulation einfließen. Deren Business Value kennt aber meistens nur die Fachseite und deshalb würden meiner Meinung nach viele Konsolidierungs- und IT-Kostensenkungsprogramme schneller auf den Weg geschickt, wenn man einen Weg finden könnte, wie man solche Projekte routinemäßig gemeinsam zu planen. Vielleicht in Form eines strategischen Modernisierungsforums?

Über den Autor

Alfred Aue
Alfred Aue
Dr. Alfred Aue beschäftigt sich mit dem Lebenszyklus von Anwendungen und wie man ihn optimal gestaltet. Dabei interessiert ihn vor allem, wie man nicht nur die Kosten senkt, sondern vor allem den geschäftlichen Mehrwert erhöht. Bei Capgemini ist Alfred Aue Head of Sales der Application Lifecycle Service in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Seine Arbeit basiert auf langjähriger Erfahrung, unter anderem bei Siemens Nixdorf, debis Systemhaus und T-Systems.

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