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Machen Echtzeitanalysen Unternehmen zwangsläufig wettbewerbsfähiger?

Kategorie: Trends des Monats

Eigentlich ist es ja ein Segen, dass die Auswertung von Daten immer besser, schneller und effizienter wird. Dank neuer Technologien sind Berichte über Absatz, Aufträge und Vorräte immer aktueller, teilweise bis hin zu Informationen in Echtzeit. Das bringt viele Vorteile, da Entscheidungen auf der Basis von aktuellen Informationen getroffen werden und Unternehmen auf diese Weise schneller reagieren können. So zumindest die Theorie. Aber stimmt das auch?

Stellen Sie sich vor, sie sitzen in einem Meeting zur Produktionsplanung der nächsten Wochen und als Basis nutzen sie Echtzeitinformationen über den Absatz des Produktes, um das es geht. In den letzten Wochen ist er permanent gestiegen und die Prognose zeigt, dass das aller Wahrscheinlichkeit nach auch so weitergehen wird. Im Laufe des mehrstündigen Meetings sinken die Absatzzahlen weltweit dramatisch, der Grund ist unbekannt. Alle Phänomene, die den Verkauf üblicherweise beeinflussen, wie Tageszeit, Wetter oder andere Rahmenbedingungen, scheiden als Ursache aus. Was tun Sie jetzt?

Theoretisch müssten Sie die Produktion sofort stoppen. Sie haben bereits so viel Überschuss hergestellt, dass die Lagerkapazitäten in den kommenden Tagen knapp werden könnten. Das Problem ist leider, dass sich die Anlage nicht so schnell herunterfahren lässt, wie Sie es gerne hätten. Deshalb sitzen Sie da und schauen zu, wie die Katastrophe über Sie hereinbricht. Tun können Sie leider nichts.

So ähnlich wird es auch diversen Fachabteilungen gehen, die dank der neuen Echtzeitanalysen des Kundenverhaltens einen neuen Trend entdecken. Den möchten sie vertrieblich nutzen und fragen deshalb in der IT-Abteilung nach, wie lange es dauern würde, diesen oder jenen Prozess aufzusetzen. Die Antwort ist ernüchternd. Selbst wenn es schnell ginge, würde es zwei Monate dauern. Zu diesem Zeitpunkt sind die Kunden wahrscheinlich schon wieder auf einen ganz anderen Zug aufgesprungen und das Projekt wird beerdigt.

Dieses Szenario ähnelt ein bisschen der Möglichkeit, Krankheiten zu diagnostizieren, die man noch nicht heilen kann. Denn während sich Echtzeitanalyse immer weiter verbreitet, sind die meisten Anwendungslandschaften auf die Konsequenzen noch gar nicht vorbereitet. Es gibt keine oder fast keine Komponenten, die sich schnell verändern lassen, um dem Tagesgeschehen Rechnung zu tragen. Die vielleicht von der Fachabteilung angepasst werden können, ohne die IT-Fachleute damit zu behelligen (wie so eine Anwendungslandschaft aussehen könnte, hat mein Kollege Sven Roth an dieser Stelle beschrieben).

Sprich: Krisen werden mit Echtzeitanalysen zwar zeitnah erkannt, möglicherweise kann das Unternehmen aber gar nicht darauf reagieren, weil die entsprechenden Prozesse nicht schnell genug umgesetzt werden können. Das kostet Nerven und erhöht den Druck auf die IT noch mehr, flexibler zu reagieren. Deshalb sollten CIOs darauf achten, dass sie die Analysemöglichkeiten in ähnlichem Maße ausbauen, wie sie die Anwendungslandschaft flexibilisieren, damit das Unternehmen durch Echtzeitanalyse am Ende nicht nur schnell informiert ist, sondern auch schnell handeln kann.

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.

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