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Warum die Bedenken gegenüber Cloud und BYOD in Deutschland so hoch sind

Kategorie: Trends des Monats
Es gibt ein paar internationale Trends, die in Deutschland nicht so richtig zünden: Der eine ist Bring your own Device, der andere ist die Nutzung von Cloud Services. Beiden stehen deutsche Entscheider skeptisch gegenüber und zwar in erster Linie, weil sie neue Sicherheitsrisiken fürchten. Sind die Führungskräfte hierzulande etwa übervorsichtig? Oder dient das Sicherheitsargument nur als Vorwand, um sich nicht mit ungeliebten Phänomenen auseinanderzusetzen?

Eine unserer eigenen Studien bestätigte Ende November, dass deutsche IT- und Business-Entscheider von der Cloud nicht gerade begeistert sind. Im internationalen Vergleich machen sie sich die größten Sorgen im Bezug auf Sicherheitslücken und sehen darin das entscheidende Hindernis für Cloud-Projekte. Ähnlich kritisch ist die Einstellung deutscher CIOs gegenüber der Nutzung privater mobiler Endgeräte (BYOD) für die Arbeit. Lediglich 52 Prozent von ihnen betrachten das Phänomen laut einer Studie von Cisco IBSG als eine positive Entwicklung für ihre Abteilung, außerhalb Europas sind es 80 Prozent. Als Grund für die Ablehnung von BYOD in Deutschland nennt die Studie Risiken für die Sicherheit des Unternehmensnetzwerks, die mit BYOD in Verbindung gebracht werden. Skepsis und ein hohes Sicherheitsbewusstsein scheinen also europäische und speziell deutsche Phänomene zu sein. Was ist der Grund?

Eine Antwort liefert eine Studie des Ponemon Institutes, die herausfand, dass deutsche Unternehmen besonders häufig von Cybercrime betroffen sind, also durch Viren, Trojaner und Würmer sowie Denial of Service-Attacken und Social Engineering-Angriffe bedroht werden. Mit durchschnittlich 82 Attacken pro Woche werden deutsche Organisationen am häufigsten von den in der Studie untersuchten Ländern USA, Großbritannien, Deutschland, Brasilien und Hong Kong angegriffen und darüber hinaus sind die Kosten für die Beseitigung der Schäden am höchsten. Ponemon beziffert den Aufwand für die Untersuchung des Vorfalls, die Wiederherstellung des Rufes sowie die technische Aufrüstung nach jedem Vorfall in Deutschland auf 298.359 US-Dollar, während es in Brasilien lediglich 106.904 US-Dollar sind.

Das hohe Sicherheitsbewusstsein hierzulande kommt also nicht von ungefähr. Einen weiteren interessanten Aspekt liefert eine Studie von IBM, die den Einfluss von IT auf den Ruf eines Unternehmens untersuchte. Demnach verursachen die Verletzung des Datenschutzes (61 Prozent), Systemausfälle (44 Prozent) und Datenverlust (37 Prozent) von allen Image-bezogenen IT-Risiken die größten Schäden und verringern darüber hinaus die Kundenzufriedenheit.  Bei den meisten IT-Problemen wie dem Ausfall einer Webseite, Datenverlust oder schlechten Notfallplänen dauert es mindestens sechs, wenn nicht zwölf Monate, bis der Ruf eines Unternehmens einigermaßen wiederhergestellt ist. Leider liefert die Studie keine länderspezifischen Daten, aber ich könnte mir vorstellen, dass Deutsche mehr Wert auf Datenschutz und Datensicherheit legen als Verbraucher anderer Länder und dass die Entscheider hierzulande deshalb ein höheres Sicherheitsbewusstsein haben als anderswo.
 
Allerdings überschätzen sie die Güte ihrer Sicherheitsmaßnahmen auch leider viel zu häufig, wie die oben genannte IBM-Studie herausfand: Während zwischen 70 und 76 Prozent der Befragten davon ausgehen, dass sie gut gegen Verletzungen des Datenschutzes, Systemausfälle und Datenverlust gewappnet sind, sieht die Realität anders aus. Lediglich 32 Prozent haben Zugang zu aktuellen Bedrohungsanalysen, 52 Prozent können Systemausfälle durch Support rund um die Uhr begegnen und nur 45 Prozent untersuchen, ob es überhaupt  zu Datenverlusten - beispielsweise in den Fachabteilungen- kommt.

Bild: Stockbyte | © Thinkstock

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.
Kann es sein, dass wir in Deutschland allgemein ein Problem haben, von irgendwem ausspioniert zu werden?

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