IT-Trends-Blog

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Finanzdienstleister: Innovation ohne Fachabteilung?

Kategorie: Trends des Monats
Die derzeit schwierige Situation im Bankwesen spaltet die Branche in zwei Lager: Die einen investieren (42 Prozent), die anderen sparen (33 Prozent). Für lediglich 20 Prozent der in der IT-Trends-Studie befragten CIOs ändert sich in diesem Jahr nichts an den Ausgaben. Der Grund für den Sparzwang ist schnell gefunden: Nach der Finanzkrise 2008 standen alle Institute unter Druck, die IT-Kosten möglichst niedrig zu halten. Die Folge waren immer weiter veraltende IT-Systeme, die ihrerseits die Kosten für Betrieb und Wartung erhöhten. Diese veraltenden IT-Systeme als Folge des jahrelangen Sparens sind jetzt aber auch der Anlass dafür, dass so viele Institute investieren: Wenn es die finanzielle Situation zulässt, implementieren sie neue Technologien, um aufzuholen, was sie in den letzten Jahren verpasst haben.

Die Meinung der Fachabteilung spielt in diesem Zusammenhang allerdings keine große Rolle. In der Finanzdienstleistungsbranche ist das IT-Budget fest in der Hand des CIOs, zumindest im Vergleich zu anderen Branchen. Der Investitionsanteil der Fachabteilungen beträgt lediglich 16 Prozent, der Durchschnitt liegt bei 19 und im Handel sind es sogar 23 Prozent. Das hängt auch mit den hohen gesetzlichen Anforderungen an Finanzdienstleister zusammen und der Notwendigkeit, Kundendaten unbedingt vertraulich zu behandeln. Dementsprechend selten nutzen Fachabteilungen auf eigene Rechnung öffentliche Clouds. Interessanterweise realisieren sie auch keine Projekte, die die IT-Abteilung abgelehnt hat. Von solchen Alleingängen berichtet circa ein Viertel der CIOs aller anderen Branchen (ohne den öffentlichen Sektor).

Damit hat die Fachabteilung allerdings auch kaum Spielraum, Prozessinnovationen auf der Basis von IT selbst zu entwickeln oder Impulse zu geben, Stichwort Consumerization, Marketing und Vertrieb. Der CIO ist also viel mehr als anderswo auf sich selbst gestellt, wenn es um Prozessinnovation geht. Das kann sich langfristig zum Nachteil entwickeln, denn vor allem im Privatkundengeschäft wird Kundengewinnung und -bindung über elektronische Medien immer wichtiger, während die Filialen im Kundenkontakt an Bedeutung verlieren. Dementsprechend wird eine optisch ansprechende, leistungsfähige, nutzerfreundliche und serviceorientierte IT immer mehr zum Wettbewerbsvorteil und die lässt sich am besten mit den Menschen entwickeln, die sich in erster Linie um die Belange des Kunden kümmern, oder nicht?

Über den Autor

Markus Nenninger
Markus Nenninger
Markus Nenninger beschäftigt sich seit mehr als 10 Jahren mit IT für Banken und Finanzdienstleiter. Seit seinem Studium der Informatik interessiert er sich besonders für das Zusammenspiel von Business und Technologie. Weitere Schwerpunkte sind die Themen Softwareentwicklung, Prozess- und Qualitätsmanagement. Bei Capgemini Business Technology leitet er des Beratungsteam für Kernbank und Zahlungsverkehr.

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