IT-Trends-Blog

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Die App alleine reicht nicht mehr

Kategorie: Trends am Horizont
Betriebssystem-Updates für mein Smartphone lösen bei mir immer gemischte Gefühle aus: Einerseits fürchte ich, dass danach nicht mehr alle Apps laufen. Andererseits will ich die aktuellste Betriebssystemversion auf meinem Handy wissen, allein schon aus Gründen der Sicherheit. Da sind sicherlich diverse Lücken geschlossen worden und neue Features bringt es bestimmt auch mit. Insofern kann ich schlecht nein sagen. Dennoch ist es immer ein bisschen wie ein Spiel Russisch Roulette. Ich hatte natürlich auch schon mal Pech: Ich musste darauf warten, dass ein Immobilienportal seine Anwendung an die neue Betriebssystemversion anpasste, damit sie wieder voll einsatzfähig war. Gut, dass es nur zwei Tage dauerte, umso ärgerlicher, wenn es sich hinzieht. Das finde selbst ich als Nicht-Poweruser unprofessionell und wechsele dann möglicherweise den Anbieter. Haben Sie bei der Entwicklung Ihrer Apps schon einmal über diese Faktoren nachgedacht?

Apps werden komplexer
War es in den 90ern für ein Unternehmen hipp, einen Internetauftritt zu besitzen, so ist es heute die App, die einfach unverzichtbar geworden ist. Aber genau wie Webseiten entwickeln sich auch Apps vom reinen Informationsmedium zur komplexen Anwendung weiter. Der Kunde sucht auch mobil nach Mehrwert und will mit dem Anbieter interagieren und kommunizieren. Die Erwartungen an App-Anbieter sind dementsprechend hoch: Es reicht nicht, die Software einmal zu entwickeln und zu veröffentlichen, es geht auch um Time-to-Market bei den Updates und die Wartbarkeit.

Die richtige Plattform finden
Um diese Faktoren sicher zu stellen, benötigt jedes Unternehmen eine Strategie. Welche Betriebssysteme möchte ich unterstützen, wie steht es um die Themen Sicherheit, Backend-Integration, Offline-Fähigkeit und Synchronisierung? Möchte ich ein SAP-System anbinden oder gibt es Webservices, die mobil verwendet werden sollen? Gibt es bereits Sicherheitsrichtlinien für meine Anwendungslandschaft oder möchte ich für meine neuen mobilen Services alles aus einer Hand neu aufsetzen? Möchte ich native Apps anbieten oder eher eine webbasierte Lösung, mit all ihren Vor- und Nachteilen? All das muss bedacht werden, damit der Grundstein für ein zukunftssicheres, langlebiges Mobilangebot gelegt werden kann, das auch in einem Jahr noch trägt. Bevor daher überhastet „irgendwelche“ Apps produziert werden, sollte im Rahmen der Strategie auch die richtige Entwicklungs-Plattform selektiert werden, die den eigenen Anforderungen gerecht wird.

Setzt man beispielsweise auf einen Cross-Plattform-Ansatz, der auf HTML5 basiert und nativ die Hardware ansteuern kann, mag es je nach eingesetztem Tool Abstriche in der User Experience geben. Dafür ist es sehr leicht, sein Mobilangebot mit dieser webbasierten Lösung zu aktualisieren. Bevorzugt man eine voll native Entwicklung, freut sich der Anwender über die exzellente Usability. Dafür kann sich aber jedes Problem der Smartphone-Betriebssysteme auch auf meine App auswirken. Außerdem müssen neue Features und Updates immer mehrfach entwickelt werden.

Liegt die Zukunft zwischen der App und dem Betriebssystem?
Vielleicht geht es aber in Zukunft nicht mehr nur darum, wie die verschiedenen Betriebssysteme unterstützt werden. Mit „Facebook Home“ hat Marc Zuckerberg eine Lösung vorgestellt, die irgendwo zwischen App und Betriebssystem anzusiedeln ist. Der sogenannte Homescreen ist die zentrale Anlaufstelle für alle Aktivitäten des Benutzers und erscheint sogar, wenn das Gerät gesperrt ist. Wenn sich solche Anwendungen im B2C-Bereich durchsetzen, könnten Unternehmen damit eine viel stärkere Kundenbindung erzielen als mit einer einzelnen App. Man könnte diese Idee natürlich auch für den B2E-Bereich weiterentwickeln und für seine Mitarbeiter einen eigenen Homescreen erstellen, der alle unternehmensrelevanten Apps zusammenbringt. Die Daten der laufenden Prozesse werden permanent angezeigt. Damit entstehen neue Möglichkeiten und vielleicht sollten Sie darüber auch schon einmal nachdenken, wenn Sie Ihre Strategie entwickeln?



Bildnachweis: iStockphoto | © Thinkstock

Über den Autor

Stefan Pollack
Stefan Pollack
Stefan Pollack ist stets auf der Suche nach neuen Trends, vor allem im Bereich Internet und Mobilität. Als Nutzer der beiden großen mobilen Betriebssysteme spielt für ihn die Frage nach einer plattformübergreifenden Strategie auch persönlich eine zentrale Rolle. Bei Capgemini verantwortet er im Rahmen des deutschen Mobile Solutions Teams das Thema Mobile Platform und ist immer auf der Suche nach der besten Lösung für die Anwendungsszenarien seiner Kunden. Darüber hinaus übernimmt er bei Entwicklungsprojekten die Rolle des Projektleiters oder Anforderungsmanagers. Für die eigenen vier Wände interessiert er sich für Home-Entertainment-Lösungen, in die sich Smartphones optimal einbinden lassen.

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