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Chancen und Risiken der Cloud systematisch bewerten

Kategorie: Trends des Monats
Wenn Banken und Versicherungen Daten und Prozesse in die Cloud eines Anbieters verlagern wollen, geht es bei der Entscheidung dafür oder dagegen häufig nur um zwei Dinge: Um die Kosten und um den Datenschutz. Bei näherem Hinsehen reichen diese beiden Kriterien aber nicht aus, um die Situation zu bewerten, denn es gibt noch viel mehr Faktoren, die für oder gegen die Cloud sprechen. Darüber hinaus beeinflusst jedes Risiko die Eigenkapitalunterlegung nach Basel II.

Verlust von Know-how und Abhängigkeiten
Risiken entstehen zum Beispiel auf Grund der Tatsache, dass dienstleistungsintensive Unternehmen viele ihrer Prozesse als geschäftskritisch erachten und diese bei der Verlagerung in die Cloud einem Dritten zugänglich machen. Ferner wächst die Abhängigkeit vom Anbieter, da mit dem Transfer des technischen Wissens auch die Weiterentwicklung des eigenen Know-hows fehlt.
Abgesehen davon können alte Hostsysteme nicht in der Cloud abgebildet werden, weil es die Hardware nicht mehr gibt. Ähnlich verhält es sich häufig mit der mittleren Datentechnik und veralteter Software. Diese Lösungen müssten – sofern sie in die Cloud migriert werden sollen – neu aufgesetzt werden, was nicht nur Kosten verursacht, sondern auch Gefahren mit sich bringt.

Innovationen können Risiken mindern
Es könnte sich allerdings auch lohnen, denn diese Systeme verursachen aufgrund ihres Alters per se schon ein hohes Ausfallrisiko, das bei der Abwägung der Vor- und Nachteile berücksichtigt werden muss. Was passiert beispielsweise, wenn ein Gerät aufgrund eines kritischen Hardwarefehlers ersetzt werden müsste? Oder was wäre, wenn ein Softwarefehler auftritt, der nicht zügig behoben werden kann, weil es kaum noch Mitarbeiter im Unternehmen gibt, die die entsprechende Lösung beherrschen? Außerdem lassen sich mit veralteten Anwendungen kaum neue Anforderungen wie beispielsweise Mobile Banking umsetzen, von daher würde sich eine schrittweise Erneuerung vielleicht ohnehin lohnen.

Keine personenbezogenen Daten in die Cloud
Aber Vorsicht bei der Auslagerung von Kundendaten: Bei Drittanbietern greifen nach herrschender Meinung erhöhte Anforderungen an die IT-Systeme und insbesondere an die Datensicherheit. Das muss bei der Risikobewertung berücksichtigt werden. Dieses Problem hat man nicht, wenn man die Cloud zum Beispiel als Testumgebung nutzt. Compliance-sicheres Testdatenmanagement kann dabei helfen, die Cloud in Teilen für den Test von Einzelsystemen nutzbar zu machen und gleichzeitig das Betriebsrisiko mindern.

Wie Sie sehen, ist die Entscheidung für oder gegen die Cloud nicht so eindimensional, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Man sollte vor allem daran denken, dass höhere Risiken die geforderte Eigenkapitalunterlegung nach Basel II steigern. Da sich die Bankenregulierung mit Basel III weiter ausweiten dürfte, wird die Risikobewertung wirtschaftlich gesehen in Zukunft ein immer wichtigerer Gesichtspunkt. Deshalb lohnt sich der Aufwand, die Risiken aller IT-Prozesse systematisch im Gesamtkontext unter operativen und strategischen Gesichtspunkten zu bewerten, um eine Entscheidung für oder gegen die Cloud auf eine solide Basis zu stellen.

Bildnachweis: iStockphoto | © Thinkstock

Über den Autor

Rüdiger Plasil
Rüdiger Plasil
Rüdiger Plasils Welt ist das Projekt- und Testmanagement. Für ihn kommt es nicht nur darauf an, Tests zu planen und durchzuführen, sondern gleichzeitig die IT- Organisation des Unternehmens zu verbessern. Seine Leidenschaft gehört der Erschließung neuer Ansätze zur Integration des Testens in die Organisation und ihre Auswirkungen auf die Unternehmensziele. In das Thema bringt er mehr als 15 Jahre Erfahrung ein. Bei Sogeti Deutschland beschäftigt sich Rüdiger Plasil mit Testframeworks für Banken und Versicherungen sowie ihrer Integration in beispielsweise ITIL. Er berät Unternehmen bei der Weiterentwicklung ihrer Test-Organisation und -Services und führt Testprojekte durch.

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