IT-Trends-Blog

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CIO als Business Partner – nur ein schöner Traum?

Kategorie: Trends des Monats
Der Ruf nach CIOs, die sich nicht mehr ausschließlich um die IT kümmern, wird lauter. Gesucht werden IT-Verantwortliche, die Wettbewerbsvorteile durch Technologie generieren, Kosten senken und technische Lösungen für geschäftliche Probleme finden: Der CIO soll und will Business Partner werden. Diese Forderung ist alles andere als neu, wir verfolgen sie seit mehr als fünf Jahren in der IT-Trends-Studie. Und die Zahlen zeigen, dass sich kaum etwas tut: Während sich 2008 42 Prozent der befragten CIOs als Business Partner bezeichneten, sind es heute nur unwesentlich mehr, nämlich 49 Prozent. Lediglich der Wunsch, in Zukunft die Rolle des Business Partners zu übernehmen, hat unter den CIOs stark zugenommen. Warum hat sich in den letzten Jahren so wenig bewegt?
 
Nicht jede Branche braucht Business Partner
Es gibt immer noch sehr viele Industriezweige, in denen der CIO die klassischen IT-Aufgaben  übernimmt und auch kaum Bedarf für Veränderung besteht. Er sorgt für eine leistungsfähige IT und treibt Innovationen voran, hat aber keinen festen Platz im Führungsgremium des Unternehmens oder löst Umsatz- oder Gewinnprobleme mit Technologie. Solche CIOs arbeiten häufig im BtoB-Bereich.
 
Konzernstrukturen sind zu komplex
Der Bedarf nach Business Partnern ist aber nicht nur branchenabhängig, sondern hat auch etwas mit der Unternehmensgröße zu tun. In Konzernen mit vielen verschiedenen Abteilungen gibt es häufig Bereichs-CIOs, die in erster Linie für die Bereitstellung einer reibungslos laufenden IT sorgen und den Bedarf der Fachabteilungen abdecken. Sie werden lediglich bei Bedarf zu den Treffen der Geschäftsleitung gebeten, haben aber keinen festen Platz im Führungsgremium. Veränderungen von Geschäftsprozessen werden oft an anderer Stelle entschieden und die IT ist ausführendes Organ.
 
Business Partner arbeiten im Mittelstand  
Dagegen scheinen die Strukturen in kleineren Unternehmen optimal für diese Rolle und der Bedarf hoch: Knapp 60 Prozent der IT-Verantwortlichen im Mittelstand mit 500 Millionen bis 5 Milliarden Umsatz bezeichnen sich als Partner der Geschäftsleitung. Sie nehmen regelmäßig an Board Meetings teil und sind sehr ambitioniert, die IT-Erfolge in Zukunft nicht an IT-KPIs, sondern an Business-KPIs zu messen. Darüber hinaus stellen diese CIOs hohe Ansprüche an sich selbst, was ihr geschäftliches Know-how angeht.
 
Ähnlich eng arbeiten die IT-Verantwortlichen von kleineren Unternehmen bis 500 Millionen Umsatz mit der Geschäftsleitung zusammen und viele von ihnen (54 Prozent) definieren ihre Rolle ebenfalls als Business Partner. Es ist also nicht unbedingt eine Frage der Vision, sondern der Strukturen und des Bedarfs, die den Business Partner zum Ideal erheben. Und da der Bedarf in den letzten fünf Jahren kaum gestiegen ist, stellt sich die Frage, ob CIOs den falschen Traum träumen. Werden sie in absehbarer Zukunft wieder auf die Technik-Rolle reduziert und jemand anderes übernimmt die Schnittstelle zwischen Geschäft und IT?

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.

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