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Ordnung ins Chaos – Mobile Governance

Kategorie: Trends des Monats
Blend Images| © ThinkstockKennen Sie das? Die Mobile Strategy ist noch gar nicht abschließend formuliert und schon preschen die Fachabteilungen vor und realisieren ihre eigenen Projekte. Sie entwickeln Apps für Endkunden oder setzen Pilotprojekte für mobile Anwendungen der Vertriebsmitarbeiter auf. So viel Kreativität und Eigeninitiative ist natürlich lobenswert, verursacht aber auch eine ganze Reihe von Problemen.

So gibt es zum Beispiel findige Kollegen, die sich mit ihren privaten Endgeräten Zugang zum Unternehmensnetz verschaffen, obwohl es keine offizielle Bring your own Device-Richtlinie gibt. Gleichzeitig beauftragen Fachbereiche externe Entwickler mit mobilen Anwendungen. Die Prozesse oder Richtlinien, die dafür gelten, sind unklar. Heraus kommen Applikationen, die die IT-Abteilung nicht kennt und bei denen nicht geprüft wurde, ob sie den Sicherheitsvorgaben entsprechen. An anderer Stelle werden − angetrieben durch den Wettbewerb − Apps für Endkunden entwickelt, die sich meist nicht an den visuellen Standards orientieren, die für die anderen Customer Touchpoints wie Website, Print oder Ladengeschäft gelten. Die Kunden wiederum quittieren diese Bemühungen, in dem sie die Apps schlecht bewerten. Zu allem Unglück auch noch für alle transparent und öffentlich in den App Stores.

Der Kompass: Mobile Governance
Der Problemlöser in dieser verzwickten Situation ist Mobile Governance. Sie führt die klassische Governance fort, die für jedes IT-Projekt gilt. Nur dass dieses Mal die Aufgabe darin besteht, die mobile Welt (Apps und Endgeräte) zielgerichtet und gewinnbringend in die Unternehmens-IT zu integrieren.

Anbei einige Tipps, die die Umsetzung von Mobile Governance erleichtern:
  1. Finden Sie heraus, welche App-Projekte in ihrem Unternehmen bereits existieren. Setzen Sie sich mit den Fachbereichen an einen Tisch, um ihnen zu helfen, die Herausforderungen zu meistern. Erläutern Sie Ihre Strategie und wie Standards in Entwicklung und Test die Zeit bis zur Fertigstellung verkürzen. Führen Sie viele Gespräche, verstehen Sie das Business und involvieren Sie Ihre Kollegen.
     
  2. Lassen Sie Ihre Experten in den App-Projekten mitarbeiten und stellen Sie Ihre Standards und Werkzeuge zur Verfügung. Die Wiederverwendbarkeit von Code und Nutzung vorhandener Querschnitts-Komponenten zum Single-Sign-on oder Verschlüsselung der Apps reduziert die Kosten, erhöht die Codequalität und verkürzt die Projektlaufzeiten. Darüber hinaus erhöht sich die Aussicht auf Erfolg, wenn möglichst viele Ihrer IT-Mitarbeiter aufgrund ihrer Erfahrung und Expertise im Bereich Mobile von den Fachbereichen akzeptiert werden.
     
  3. Stellen Sie eine Übersicht über alle mobilen Apps für Endkunden und Mitarbeiter inklusive ihrer Funktionen und Nutzung dar. Dann wird das Portfolio und der Erfolg der einzelnen Apps transparent. Bieten Sie Ihren Fachbereichen neben reinen Download-Statistiken aussagekräftige Kennzahlen (z.B. Conversion Tracking) zur Überwachung der App-Performance an.   
     
  4. Legen Sie Ihre Endgerätestrategie und die entsprechenden Leitlinien für Ihre Mitarbeiter offen. Sorgen Sie für die Einhaltung der Sicherheitsrichtlinien, die Sie idealerweise so anlegen, dass sie sowohl Ihren Datensicherheitsregeln entsprechen als auch die Integration von Apps Dritter ermöglichen. Nutzen Sie Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge.
     
  5. Veröffentlichen Sie Ihr Wissen auf einer Plattform, die offen für Innovationen ist und den Dialog mit allen Anwendern im Unternehmen ermöglicht. Investieren Sie in die Verteilung aller Dokumente, die im Rahmen der Implementierung der Governance entstehen. Leben Sie Transparenz, denn nur so legen Sie die Basis für die erfolgreiche Integration der mobilen Welt in Ihr Unternehmen.

Die individuelle Reiseroute
Wie zu erwarten, ist der Weg durch das App-Neuland nicht für jedes Unternehmen gleich und variiert von Fall zu Fall. Die Bündelung der Governance-Aufgaben in der zentral aufgestellten Unternehmens-IT macht Sinn. Die Ausgestaltung der Organisation wird von der Größe des Unternehmens, der Anzahl der zu erwartenden Apps und der eigenen Fertigungstiefe (Make or Buy) bestimmt. Dabei sind von kleinen Expertengruppen bis zu einem Center of Excellence inklusive Innovations-Think-Tank alle Spielarten möglich.

Ein Patentrezept für die Governance von Mobile-Projekten gibt es aber nicht. Auch in diesem Fall gilt es, die richtigen Mitstreiter zu identifizieren, um sich Gehör im Unternehmen zu verschaffen und das Projekt zum Ziel zu führen.



Bildnachweis:  Blend Images| © Thinkstock

Über den Autor

Michael von Lepel
Michael von Lepel
Als Experte für mobile Lösungen befasst sich Michael von Lepel mit strategischen Herausforderungen, denen sich Unternehmen stellen müssen. Er findet, dass die Verfügbarkeit aller Informationen zu jeder Zeit und an jedem Ort faszinierende Möglichkeiten bietet – sowohl für Anbieter als auch für Nutzer. Bei Capgemini berät Michael von Lepel Automobilunternehmen und entwickelt innovative Lösungen für die Prozess- und IT-Optimierung im Bereich Mobile. Er ist Senior Consultant bei Capgemini Business Technology und Teil des Führungsteams für Mobile Solutions in Deutschland.“

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