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Was Digital Natives vom Staat der Zukunft erwarten

Kategorie: Trends am Horizont
Sie sind die selbsternannte Facebook-Generation, die sogenannten „Digital Natives“ oder auch Generation Y: junge Erwachsene, deren DNA scheinbar digital ist. Multitasking-Fähigkeit, der Hang zum Crowdsourcing, Kollaboration und Aufgeschlossenheit zeichnen sie aus. Sie verstehen wie keine Generation vor ihnen, selektiv große Massen an Informationen aus verschiedensten Medien zu verarbeiten. Die Generation Y steht längst nicht mehr vor der Tür, sie ist bereits angekommen und wir sollten von ihr lernen.

Im Rahmen der expedITtion 2013 unter dem Motto „Think Twice! Technology meets Business“ haben wir diese junge Generation mit spannenden und anspruchsvollen Aufgaben aus dem Berateralltag konfrontiert, um ihre Zukunftsvisionen und Anforderungen an die moderne öffentliche Verwaltung zu ergründen.

Staat als Dienstleister
Wie stellt sich die Generation Y ihren Staat im Jahr 2030 vor? Eins ist sicher, eine verstaubte, starre öffentliche Verwaltung wird sie nicht begeistern. Digital Natives wünschen sich einen dynamischen, vorausdenkenden und bürgernahen Dienstleister, mit dessen Mitarbeitern sie vorzugsweise über ihr mobiles Gerät kommunizieren, am besten von Angesicht zu Angesicht per Hologramm.

Mobilität, Effektivität und Zeitersparnis sind wichtig. Der Bürger der Zukunft möchte nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden, sondern an wichtigen politischen Entscheidungen partizipieren. Seine kostbare Freizeit will er nicht mit langwierigen, unverständlichen und sich wiederholenden Prozessen verschwenden. Da er selbst dank Facebook nicht hundert, sondern hunderte Bekanntschaften weltweit pflegt und über Social Media stark vernetzt ist, erwartet er dasselbe von Behörden. Der Wunsch nach einem kundenorientierten, kommunikativen Verwaltungsdienstleister, der 24x7 Beratung über verschiedene Kanäle in Echtzeit bietet und an wichtige Termine erinnert, ist groß.

Komfort und Datenschutz haben hohen Stellenwert
Ein weiteres wichtiges Kriterium ist Komfort in Form von intuitiv bedienbaren Services, am besten integriert in einer App, auf die der Nutzer jederzeit von jedem Ort aus zugreifen kann. Denn der Alltag der Generation Y wird 2030 durch die Nutzung von mobilen Hologramm-fähigen Geräten beherrscht. Papierdokumente verschwinden und werden durch digitale ersetzt, so dass sich der Bürger in Zukunft zum Beispiel per Handy ausweisen kann.

Digital Natives sind einerseits sehr sensibel, was den Datenschutz angeht, grundlegende Prinzipien in Bezug auf den personenbezogenen Datenschutz und vertrauliche Informationen sollten nicht nur gesetzlich definiert sondern auch strikt eingehalten werden um zukünftig eine vernetzte Informationsnutzung durch Behörden für nutzerorientierte Dienstleistungen zu optimieren. Andererseits ist Generation Y bereit persönliche Daten freizugeben, um Bürokratieprozesse zu beschleunigen. Sie möchten die Verwaltung in die Lage versetzen, vorausgefüllte Formulare bereitzustellen und durch Vernetzung mit anderen Behörden alle benötigten Informationen selbst zusammenzustellen.

Bürgerportal statt Amtsstube
Damit die Verwaltung diesen hohen Anforderungen gerecht werden kann, ist die Facebook-Generation bereit, sich vom „deutschen Bürger“ zum internationalen und vernetzten „e-Bürger“ zu entwickeln. Die Voraussetzung dafür ist zusätzlicher Nutzen, beispielsweise durch schnellere Prozessabwicklung, Automatisierung und Abnahme der Bürokratie. Eine moderne, vernetzte „e-Bürger“-Plattform soll 2030 der Single Point of Contact sein und ermöglichen, alle Behördengänge online abzuwickeln. Vom BAföG-Antrag über die Adressenänderung erledigt das e-Bürgerportal mit Hilfe von personalisierten Accounts und dem Login per eID Prozesse eigenständig und benötigt lediglich die Genehmigung des Nutzers, um Informationen anderer Behörden verwenden zu dürfen.

Einige dieser Aspekte wirken aus heutiger Sicht etwas futuristisch, die deutsche Verwaltung ist aber bereits im Umbruch und schafft beispielsweise mit der nationalen eGovernment-Strategie die Grundlage für diese Vision. Wie sieht es mit der Wirtschaft aus? Wenn sie von der Entwicklung profitieren will, muss sie dafür sorgen, dass sich ihre Leistungen nahtlos in solche Prozessketten integrieren lassen. Dazu gehört auch der Umgang mit elektronischen Ausweispapieren und die Akzeptanz von eIDs. 

Über den Autor

Sven Roth
Sven Roth
Dr. Sven L. Roth bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Business und Technologie. Die Grundlage für das Know-how in beiden Disziplinen legte er mit seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre und der Promotion in Informatik. Seitdem interessieren ihn die neusten Trends in der IT unter dem Gesichtspunkt, welche Businesstrends daraus entstehen könnten. Bei Capgemini verantwortet er als Vice President den Aufbau und die Ausgestaltung des Bereichs Business Technology in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Ich denke, das grundlegendste, das wir vom Staat erwarten ist: Veränderung.

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