IT-Trends-Blog

IT-Trends-Blog

Opinions expressed on this blog reflect the writer’s views and not the position of the Capgemini Group

Warum hat ausgerechnet der öffentliche Sektor bei Agile die Nase vorn?

Kategorie: Trends des Monats
iStockphoto | © ThinkstockAgile Methoden sind in Europa längst etabliert. Die agile Welle schwappte zu Anfang des neuen Jahrtausends von Amerika nach Europa und überflutete zuerst Großbritannien und die Niederlande und später auch Skandinavien und die Schweiz. Was von dieser Welle übrig blieb, erreichte schließlich auch Deutschland mit dem Resultat, dass wir dem übrigen Europa bei der Verbreitung agiler Methoden noch immer hinterherhinken. Während die Durchdringungsrate anderswo regelmäßig über 50 Prozent liegt, erreicht sie in Deutschland im Schnitt gerade einmal etwas mehr als 25 Prozent (vgl. SwissQ: Agil 2013)
 
Interessanterweise hat in Deutschland laut den Ergebnissen der Capgemini IT-Trends-Studie 2013 der öffentliche Sektor bei der Anwendung agiler Methoden bei IT-Projekten die Nase vorn.

© 2013 Capgemini

Warum gerade der öffentliche Bereich? Gründe dafür gibt es genug.
  1. Die Einführung von E-Government macht eine grundlegende Umstrukturierung der öffentlichen Verwaltung erforderlich, nämlich den Wandel von der reinen Ablauforganisation zur Prozessorganisation. Damit einher geht die Notwendigkeit anders zusammenzuarbeiten, was durch agile Vorgehensweisen unterstützt wird. Der durch den demografischen Wandel auf dem öffentlichen Sektor lastende Kostendruck mag ein weiterer Faktor sein, denn agile Projekte erlauben durch die Aufteilung in Iterationen die Realisierung von nutzbarer Funktionalität auch bei begrenzten Mitteln. Falls agile Projekte doch scheitern, sind die finanziellen Verluste meist geringer, weil durch höhere Transparenz und erfahrbaren Fortschritt Probleme früher adressiert werden. (vgl. World Quality Report 2010-11).
     
  2. Der öffentliche Sektor wird künftig über Investitionen noch stärker wie privatwirtschaftliche Unternehmen entscheiden. Nur wenn der zu erwartende Nutzen einer Funktionalität oder eines Prozesses den  Aufwand rechtfertigt, wird diese auch umgesetzt. Agile Methoden mit ihrer nutzenorientierten Priorisierung unterstützen diese Steuerung wirksam.
     
  3. In der öffentlichen Verwaltung gestalten nach wie vor die IT-Abteilungen die Prozesse. Auf die sich schnell ändernden gesetzlichen Anforderungen auf der einen Seite und lange Release-Zyklen und Vorlaufzeiten für die Produktivsetzung auf der anderen Seite reagieren sie immer häufiger mit dem Einsatz agiler Methoden, die kurze Iterationen und Lieferzyklen, frühes Feedback und Bereitschaft zur Veränderung fördern und fordern. Während im technischen Betrieb Methoden wie Software-Kanban angewandt werden, setzen IT-Abteilungen in der Software-Entwicklung Methoden wie Scrum oder Feature Driven Development ein.
Schien der Einführung agiler Methoden besonders in großen Projekten mit dem V-Modell XT eine unüberwindliche Hürde im Weg zu stehen, hat der öffentliche Sektor gelernt, dass agile Praktiken auch im Rahmen von klassischen Entwicklungsprozessen machbar und hilfreich sind. Wo agile Arbeitsweisen nicht in Reinform anwendbar waren, entstanden hybride Methoden, die klassisches Projektmanagement mit agilen Ansätzen verschmolzen. Diese Projekte gewannen an Flexibilität, die es ermöglichte, kurzfristig auf Veränderung zu reagieren.
 
Ausblick:
Die Anwendung hybrider Methoden kann für den öffentlichen Sektor aber nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu Agilität in allen Bereichen sein. Ausgehend von der IT sollten sich langfristig alle Prozesse auf agile Methoden stützen, denn auch wenn die Studie gezeigt hat, dass der öffentliche Sektor weiter ist als andere Branchen, ist er noch lange nicht angekommen. Es kommt also darauf an, den eingeschlagenen Weg konsequent weiter zu verfolgen.



Bildnachweis für das Foto: iStockphoto | © Thinkstock
Bildnachweis für die Grafik: © 2013 Capgemini

Über den Autor

Stefan Sack

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem * gekennzeichnet.