IT-Trends-Blog

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Wie IT-Trends Unternehmen beeinflussen - Interview mit Trendforscher Peter Wippermann

Kategorie: Trend-Anatomie
© TrendbüroPeter Wippermann, Gründer des Trendbüros und Professor für Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität der Künste in Essen, beschäftigt sich intensiv mit Trends. Ich habe die Gelegenheit ergriffen und mich mit ihm über Trends in der IT und ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen unterhalten. Dabei ging es auch darum, wie die zunehmende Vernetzung die Rolle des CIOs verändert.
 
Herr Wippermann, was ist ein Trend im eigentlichen Sinne und wie entstehen Trends?
Peter Wippermann: „Ein Trend kennzeichnet den Unterschied zweier Messpunkte. In der Trendforschung versteht man unter einem Trend eine Dynamik in der Entwicklung der Gesellschaft. Trends entstehen durch sozialen, technologischen, ökonomischen und kulturellen Wandel. Sie entwickeln sich in Nischen der Gesellschaft, verbreiten sich oder verschwinden wieder. Hat ein Trend die Mitte der Gesellschaft erreicht, verliert er seine Bedeutung. Trends sind Bindungsangebote ohne Institutionen: man folgt ihnen oder lehnt sie ab. Das erklärt das Entstehen von Trends und Gegentrends. Zukunft kann man nicht prognostizieren, sie wird verhandelt. Als Trendforscher analysiert man die Anpassungsgeschwindigkeit bzw. -trägheit von Trends und zeichnet daraus Szenarien für Übermorgen.“
 
Welchen Einfluss haben Ihrer Meinung nach Medien auf die Entstehung von Trends?
„Medien können keine Trends machen. Sie können sie aber aufgreifen und verstärken oder ignorieren und dadurch schwächen. Durch das Internet ist der Einfluss von Massenmedien wie Radio, Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften geschwunden. Das Internet demokratisiert durch Personal Media wie Smartphones oder Tablets den Austausch von Informationen. Dialoge verdrängen mehr und mehr die Monologe.“

Wir beschäftigen uns mit IT-Trends, die für Unternehmen relevant sind. In den 80er und 90er Jahren gewann IT für Unternehmen so stark an Bedeutung, dass die Position des „Chief Information Officers“ geschaffen wurde. Glauben Sie, dass sich die Rolle weiter ausdifferenzieren wird, je stärker IT Einzug in den Alltag der Menschen hält?
„IT-Netzwerke verändern die Gesellschaft und Unternehmen. Das Internet verbindet Kommunikation, Transaktion und Produktion in einem Kanal. Die Einbindung der Kunden und Konsumenten als aktive Teilnehmer in der Wertschöpfungskette führt zu neuen effizienteren Organisationsstrukturen von Firmen. Aus Arbeitsteilung wird Zusammenarbeit. Aus Silodenken wird Networking. Aus dem "Chief Information Officer wird ein "Chief Communication Officer". Ohne Anschluss von Menschen und Maschinen an das globale IT-Netzwerk, lässt sich die Zukunft kaum mehr vorstellen. Denn nach M2M folgt das Internet der Dinge. Das Internetprotokoll Version Sechs (IPV6) macht es mit 600 Billiarden Internetadressen pro Quadratmillimeter der Erdoberfläche möglich, dass jedes Produkt von der Entstehung bis zum Recycling verfolgt und gemanaged werden kann.“
 
Wie haben sich Ihrer Meinung nach die Anforderungen an CIOs in den letzten fünf Jahren verändert?
„Die geschlossenen firmeninternen IT-Dienste haben durch das Internet eine Öffnung vollziehen müssen. Cloud Computing, Big Data und BYOD sind wesentliche Innovationen in dieser Entwicklung. Die Öffnung zieht gleichzeitig ein neues Sicherheitsbedürfnis in der Unternehmens-IT nach sich.“
 
Die Informationsflut steigt weiter und das bereitet vielen CIOs Probleme. Muss ein Unternehmen alles wissen und alles auswerten?
„Big Data ist nicht nur eine technologische, sondern auch eine kulturelle Herausforderung. Denn Daten sind noch kein Wissen. Erst wenn die richtigen Fragen gestellt und die richtigen Verknüpfungen installiert werden, entstehen aus Daten vorteilhafte Erkenntnisse. Für das Management bedeutet es vor allem, dass Fakten-basiertes Entscheiden effizienter sein wird als das Managen auf Basis von Erfahrungswissen.“
 
Was können CIOs tun, damit ihr Unternehmen schneller auf Unvorhergesehenes reagieren kann?
„Wir befinden uns seit mehr als zwanzig Jahren in einem ähnlich dramatischen Strukturwandel wie wir es aus dem Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft kennen. In der Netzwerkgesellschaft wird es zur Aufgabe von CIOs neue Organisationsformen technologisch zu ermöglichen. Mitarbeiter und Maschinen werden mit den Kunden und Konsumenten vernetzt. Öffnung bei gleichzeitiger Sicherheit wird ihre Herausforderung. CIOs werden zukünftig mehr sein als interne Dienstleister. Sie werden die neuen Organisationstrukturen und Arbeitsabläufe eines Unternehmens aktiver mitgestalten.“



Bildnachweis: © Trendbüro

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.
2 Kommentare Kommentar hinterlassen
The trend is your friend. Wow künstler und it trends, da kennt sich jemand richtig gut aus!!!! Als langjähriger IT Berater im hochinnovativen Automotive und HIGH TECH Umfeld bin ich einigermaßen im bilde. In meiner jetzigen rolle als systemischer coach und berater achte ich in den gesprächen mit meinen klienten darauf, raum und möglichkeit zum gestalten zu geben. Wachstum und entwicklung enstehen nicht mit, sondern gerade auch gegen den trend. Nicht mitschwimmen bei dingen, die nicht die eigenen sind und über kurz oder lang untergehen steht an. Den eigenen weg finden. Bereit sein ihn zu gehen. Das richtige, passende tempo finden........ Mehr gerne bei einem persönlichen termin. Freue mich auf austausch und kontakt. Rolf Boetzel systemischer coach und berater im coaching-pool MÜNCHEN
Ein sehr interessanter Bericht! Vielen dank!. Der Fortschritt der Bereich Kommunikation ist da aber noch lange nicht groß. Wenn jedes zehnte Unternehmen in Deutschland noch das Internet als analog oder über ISDN nutzt, dann ist das noch nicht so weit: Das trifft Mittelständler mit bis zu neun Beschäftigten stärker (11 Prozent), als Unternehmen mit zehn und mehr Beschäftigten (6 Prozent) Quelle: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/produktion-technologie/unternehmens-it-firmen-mit-langsamen-anschluessen/ Wie Lange kann die Übergangsphase noch dauern?

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