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National Routing: Datenschutz als Wettbewerbsfaktor?

Kategorie: Trends am Horizont
iStock | © ThinkstockVor kurzem berichtete die Wirtschaftswoche über ein interessantes neues Projekt der deutschen Telekom: Sie will das „National Routing“ einführen und Datenverkehr, der von einem Absender aus Deutschland an einen Empfänger in Deutschland geht, künftig nicht mehr über Rechenzentren im Ausland routen, um Kunden vor Spionage zu schützen. Die Meldung ist nicht nur deshalb interessant, weil dieses Vorhaben zum einen schwer zu realisieren ist und zum anderen dadurch wahrscheinlich nicht gewährleistet wird, dass ausländische Geheimdienste keinen Zugriff mehr auf die Daten haben. Das wirklich interessante daran ist, dass sich die Deutsche Telekom von diesem Vorhaben offenbar einen großen Wettbewerbsvorteil verspricht, sonst würde sie den Aufwand scheuen, der damit verbunden ist.
 
IT-Sicherheit oder besser gesagt Informationssicherheit als Wettbewerbsvorteil? Die aktuelle Studie von Price Waterhouse Coopers belegt diese These auf internationaler und europäischer Ebene: für die „The Global State of Information Security Survey 2014“gaben beispielsweise 18,4 Prozent der Teilnehmer aus Europa an, dass aufgrund von Sicherheitsvorfällen das Image ihres Unternehmens gelitten habe und knapp 17,6 Prozent berichten vom Verlust von Kunden. Befragt wurden Sicherheitsexperten und Führungskräfte, insgesamt 9.600 weltweit.
 
Der Endkunde geht aber nicht nur bei Datendiebstahl auf die Barrikaden und wechselt den Anbieter. Insbesondere in Deutschland wird die Datensammelwut von Unternehmen zunehmend kritisch gesehen, wie der Sicherheitsreport 2013 vom Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag von T-Systems und in Kooperation mit dem Centrum für Strategie und höhere Führung belegt. Bei der Frage, ob Unternehmen Beiträge aus Internetforen nutzen dürfen, um Produkte zu verbessern, drehte sich die Stimmung im August 2013: 57 Prozent waren dagegen, wohingegen im Juni noch 51 Prozent zugestimmt hatten. Die Sammlung von Kundendaten zur Vereinfachung der Einkaufsprozesse wurde im August von 78 Prozent der Befragten abgelehnt, im Juni waren es noch 72 Prozent.
 
Demnach beinhaltet Datenschutz für Endkunden nicht mehr nur den Schutz ihrer Daten vor Diebstahl und Ausspähung, sondern auch den verantwortungsvollen Umgang mit ihnen. Den will die Deutsche Telekom durch das National Routing demonstrieren. Das ist aber mit Sicherheit nicht die einzige Möglichkeit zu zeigen, dass man sich Gedanken macht. Unternehmen könnten zum Beispiel einmal im Jahr einen Bericht herausgeben, wie viele Daten sie wo gesammelt haben und was sie mit ihnen gemacht haben, so ähnlich wie beispielsweise Google und andere Internetfirmen veröffentlichen, welche Informationen sie an Behörden herausgegeben haben. Sie können auch bekannt machen, welche Informationen vernichtet oder gar nicht erst erhoben wurden, da wären dann IT und Fachabteilung gefragt. Meiner Meinung nach ist der verantwortungsvolle Umgang mit Daten ein Bereich, mit dem Unternehmen Wettbewerbsvorteile erzielen können, insbesondere gegenüber ausländischer Konkurrenz. Aber ich finde, er wird bislang noch viel zu wenig genutzt. Was denken Sie?



Bildnachweis: iStock | © Thinkstock

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.

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