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Warum Mobile Usability anders ist

Kategorie: Trends des Monats
iStock | © ThinkstockIst Ihnen das auch schon mal passiert? Sie surfen mit Ihrem Smartphone, der Empfang ist nicht gerade grandios, aber sie benötigen unbedingt eine bestimmte Information. Die angeforderte Webseite lädt zwar langsam, aber sie lädt und lässt sich auch noch so gerade eben lesen, wenn man einzelne Ausschnitte vergrößert und hin- und herscrollt. Die Navigation ist allerdings extrem schwierig, einen bestimmten Menüpunkt zu treffen grenzt schon an einen Sechser im Lotto. Dann finden Sie endlich, was Sie suchen, allerdings nur als PDF. Und ehe Sie abbrechen können, fängt Ihr Smartphone an 12 MB zu laden. Unter normalen Umständen kein Problem, aber jetzt ...
 
So oder so ähnlich geht es täglich wohl Millionen von Menschen, weil viele Webseiten nicht für mobile Endgeräte optimiert sind. Sowohl Jakob Nielsen als auch anderen UX-Experten nennen vor allem drei Aspekte, die man beim Design von solchen Seiten oder mobilen Anwendungen bedenken sollte:
 
1. Der Bildschirm ist klein – verwenden Sie ihn für Inhalte
 
Ein kleiner Bildschirm zeigt weniger. Wenn der Benutzer weniger sieht, muss er mehr erinnern. Deshalb muss auf mobilen Webseiten das Wichtige zuerst auftauchen und  Überflüssiges sollte verschwinden. Das derzeit populäre Flat Design zum Beispiel konzentriert sich auf Inhalte anstatt auf Chrome*, denn weniger Chrome auf dem Bildschirm gibt Information und Funktionalität mehr Raum. Apple, bekannt für den Skeumorphismus** seiner Apps, hat dieses Prinzip im neuen iOS7 bereits umgesetzt. Darüber hinaus sind Gesten, wie zum Beispiel das Wischen auf Touchscreens, eine gute Alternative für Buttons, um Aktionen wie das Navigieren zum nächsten Bildschirm oder die Archivierung von Nachrichten in der Gmail-App auszulösen. Weil man nicht komplett auf Buttons verzichten kann, sollte man sich vorab aber Gedanken über ihre Größe machen: Sie sollten nicht kleiner als 1 x 1 cm sein, sonst wird es zu schwierig, sie zu treffen. Es lohnt sich auf jeden Fall, solche Details auch mit echten Benutzern zu testen, denn jeder Mensch hat unterschiedlich ausgeprägte motorische Fähigkeiten und unterschiedlich große Fingerkuppen.
 
2. Eingaben sind schwierig – reduzieren Sie sie
 
Das Tippen auf einer virtuellen Tastatur ist eine größere Herausforderung als auf einer physischen. Die virtuelle Tastatur ist ungewohnt und die Tasten sind auf verschiedenen Endgeräten unterschiedlich weit voneinander entfernt. Deshalb muss sich der User bei jedem Gerät umstellen und das kostet Zeit. Ein User Experience Designer kann dem Anwender das Leben leichter machen, indem er die Notwendigkeit für Eingaben minimiert und Formulare vereinfacht. Dazu kann er zum Beispiel die Kamera des Smartphones, das GPS, Spracheingabe, den Touchscreen oder Funktionen für das automatische Auffüllen nutzen.
 
3. Bandbreite ist möglicherweise begrenzt – minimieren Sie die Ladezeit
 
Wenn sich eine Webseite oder App mangels Bandbreite nicht öffnen lässt, verlieren die Anwender schnell die Geduld und nutzen eine andere App oder Webseite, die schneller ist, weil sie sich auf die wichtigsten Inhalte beschränken, keine Splash-Screens und (kleine) Bilder nur dort verwenden, wo es sinnvoll ist.
 
Bandbreitenintensive Webseiten verursachen aber nicht nur Frust bei mobilen Surfern, sondern verursachen auch Kosten. Vor kurzem tippte ich in einer Inverstor Relations-App eines internationalen Unternehmens auf den Titel des Jahresberichts, der sofort heruntergeladen wurde. Wie eingangs beschrieben, gab es keine Möglichkeit, die Übertragung des 12 MB großen Dokumentes abzubrechen. Mit einer stationären Breitbandverbindung könnte das noch akzeptabel sein, im mobilen Internet wird so etwas zum Ärgernis.
 
Solche Beispiele zeigen, dass Benutzerfreundlichkeit von Webseiten für mobile Endgeräte auf ganz anderen Kriterien beruht als die Usability von Seiten für stationäre Geräte. Sowohl Designer als auch Auftraggeber sollten sich die Unterschiede bewusst machen und ihren mobilen Webauftritt gezielt im Hinblick auf diese Kriterien optimieren. Am besten Sie surfen gleich mal auf Ihre eigenen Webseiten und testen, wie gut Sie sich über das Display eines Smartphones navigieren lassen. Sind Sie zufrieden?
 
 
 
* Chrome – das sind graphische Elemente, die Benutzern Information über den Inhalt geben, oder bestimmte Aktionen auslösen wie zum Beispiel Buttons oder Icons.
 
** Skeumorphismus  ist eine Stilrichtung im Design, bei der Objekte auf dem Bildschirm dem Aussehen oder den Eigenschaften der materiellen Objekte angeglichen werden. Beispiele sind das Symbol für Nachrichten (Briefumschlag) oder die Gestaltung eines digitalen Kalenders als Buch mit Ledereinband.



Bildnachweis: iStock | © Thinkstock

Über den Autor

Michal Adamski
Michal Adamski
Michał Adamski interessiert sich vor allem für mobile Anwendungen und ihre Prototypen, die er als Mitarbeiter des Nearshore Center für das Mobile Solutions Team von Capgemini analysiert. Dabei geht es ihm in erster Linie um die Qualität der Benutzeroberfläche und Trends im Bezug auf die Kommunikation zwischen Mensch und System. Um sein Wissen weiter auszubauen, macht der Diplom-Informatiker derzeit zusätzlich ein Aufbaustudium für User Experience Design.

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