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Was Hochwasser mit Enterprise 2.0 zu tun hat: 5 Erfolgsfaktoren für das Wissen aus der Crowd

Kategorie: Trends des Monats
iStock | © ThinkstockKürzlich habe ich im Fernsehen mal wieder ein beeindruckendes Beispiel für die Verbreitung und Nutzung von Wissen gesehen: die aktuelle Werbung von Google. Sie dreht sich um die Nutzung von Social Media zur Verbreitung von Informationen während der Hochwasserkatastrophe in Juni 2013 in Halle. Das Geschwisterpaar Pfliegler hatte die Idee, etwas für ihre Heimatstadt zu tun und mit Google Maps eine digitale Karte erstellt, auf der alle Informationen rund um die Rettungs- und Reparaturaktivitäten festgehalten werden konnten. Daraus entwickelte sich ein Live-Ticker, der jederzeit für alle Interessierten aktuelle Informationen lieferte. Das waren dann bereits innerhalb weniger Tage immerhin zirka 400.000 Menschen und sorgte dafür, dass sie an den richtigen Orten zur richtigen Zeit helfen konnten. Die Helfer (die „Crowd“) hat durch die Vernetzung des Wissens Vieler und die geschaffene Transparenz umfassende Informationen erhalten, so dass die Arbeiten gut organisiert werden konnten und eine große Hilfe für die Rettungsorganisationen waren. Dies führte letztendlich auch zu einer neuen Form der Solidarität, die die Hallenser auf diese Art erfahren haben. Ähnlich ist es in Dresden gelaufen, wie Andreas Stiehler in seinem Beitrag „Social Collaboration - 5 Lehren für Chefs aus der Dresdner Flut“ darstellt.
 
So eine Wirkung wünsche ich mir für Unternehmen auch. Die Mitarbeiter teilen ihr Wissen über firmeninterne Plattformen und organisieren sich in einer Form, in der sich dieses Wissens schnell und einfach verbreitet. Während der Arbeit an Projekten stehen die wichtigsten Informationen jederzeit zur Verfügung, Experten helfen und bereits gelöste Probleme werden inklusive des gewählten Lösungsweges kommuniziert. Über das Projekt hinaus wird dieses Wissen den anderen Mitarbeitern des Unternehmens zugänglich gemacht. Enterprise 2.0 wird so ein unverzichtbares Element im Arbeitsalltag. Jeder einzelne Mitarbeiter trägt dazu bei, dass sich das Unternehmen schneller gut entwickelt – zumindest hat er nun auf einfache Weise die Möglichkeit dazu. Zu dieser Erkenntnis gelangen auch die Analysten von Pierre Audoin Consultants in ihrer Studie Social Collaboration in Deutschland, Frankreich und Großbritannien 2013: „‘Zusammenarbeit‘ wird immer mehr zum Produktivitätsmotor – insbesondere in Fachbereichen mit einem hohen Anteil an Wissensarbeit(ern) wie Marketing, Sales, IT, HR und F&E.“
 
Wie kann der CIO dieses Phänomen unterstützen? Was kann er tun? Bereits in einem früheren Blog-Beitrag haben wir hierzu einige Anregungen gegeben. Auf jeden Fall ist es wichtig, dass er selbst die Organisation und die Mitarbeiter mitnimmt und dabei bereit ist, Kontrolle abzugeben. Im Worst-Case prallen hier zwei Welten aufeinander: die Hüter des heiligen Grals in Form von aufbereitetem und strukturiertem Wissen und die Verfechter von Schwarm-Intelligenz, die soziale Medien nutzen und darauf vertrauen, dass die Vielzahl der Beteiligten die Qualität sicherstellt. Aus meiner Sicht gibt es dabei weder das ultimative Werkzeug und die ultimative Struktur zur Ablage von Informationen, noch kann und sollte die „Crowd“ jede Aufgabe lösen. Deshalb muss man meiner Meinung nach beide Welten zusammenführen, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Einen Aspekt, den auch mein Kollege Christoph Bauer im Digital Transformation Blog in seinem Beitrag „Einführung von Social Software: Ganz oder gar nicht“ in einer holistischen Betrachtung über Personen, Plattformen und Prozesse beleuchtet hat.
 
1. Erfolgsfaktor Mensch
Die Grundhaltung des Unternehmens muss ausdrücken, dass sich Information mehrt, wenn sie geteilt wird.  Jeder hat Informationen und kann so zu mehr Wissen beitragen, deshalb sollte ihre Verbreitung auch entsprechend gefördert werden, gemäß dem Motto: „Wissen ist Macht, aber Wissen teilen ist mächtiger.“ In der Regel braucht es eine Gruppe von Überzeugungstätern, die vorausgehen und andere Mitarbeiter ansprechen, motivieren und mitreißen. Und natürlich brauche ich auch jemanden, der immer wieder die Inhalte (re-)organisiert, um Redundanzen auszumerzen, widerstreitende Ansichten zu einer gemeinsamen Meinung vereint und einen lebendigen laufenden Qualitätssicherungsprozess am Leben erhält.
 
2. Erfolgsfaktor Rahmenbedingungen
Ihre Organisation beziehungsweise Ihr Unternehmen sollte bereit sein zu lernen. Es bringt nichts, Mitarbeiter zum Wissensaustausch zu zwingen oder ein Konzept nach dem anderen zu erstellen, ohne es auszuprobieren. Genauso sollte man meiner Meinung nach funktionierende Wege des Informationsaustauschs – zum Beispiel die E-Mail – nicht unterbrechen. Besser ist es, Enterprise 2.0 als zusätzlichen Kanal aufzumachen, Integrationsmöglichkeiten anzubieten und immer wieder auf Erfolge hinzuweisen, um damit schrittweise den Wandel in diese neue Welt voranzutreiben.
 
3. Erfolgsfaktor Business Case und Compliance
Informationsmanagement kostet Geld, unabhängig davon, wie ich es mache. Und nicht in allen Bereichen besteht die Möglichkeit oder auch nur der Wunsch, Information durch die Crowd aufbauen zu lassen. In diesen Fällen ist es sinnvoller, diese Informationen durch wenige Menschen pflegen zu lassen, als hier auf die breite Masse zu hoffen.
 
4. Erfolgsfaktor Werkzeug
Und zu guter Letzt brauche ich natürlich ein geeignetes Werkzeug. Capgemini beispielsweise hat sich entschieden, als Crowd-Sourcing-Plattform Yammer einzusetzen. Ein Cloud-basiertes, extern gehostetes Produkt, für dessen Nutzung entsprechende Regelungen festgeschrieben wurden.  Weltweit haben sich mittlerweile über 50.000 Kolleginnen und Kollegen auf Yammer registriert, davon etwa 2.000 in Deutschland. Einen anderen Weg geht die Continental AG. Sie hat mit ConNext den Weg einer intern gehosteten Plattform gewählt.
 
Das Thema Enterprise Collaboration hat laut den Ergebnissen der IT-Trends-Studie 2013 im diesem Jahr deutlich Bedeutung gewonnen und viele CIOs sind gerade dabei, entsprechende Plattformen aufzusetzen. Sie auch? Welche Erfahrungen haben Sie bislang gemacht? Ich freue mich auf den Dialog mit Ihnen.




Bildnachweis: iStock | © Thinkstock

Über den Autor

Marion Kremer
Marion Kremer
Dr. Marion Kremer interessiert sich vor allem für Trends in den Bereichen Software-Engineering und Architektur, die immer mehr von der Interaktion zwischen Individuen geprägt werden. Sie ist stets auf der Suche nach neuen Methoden und Werkzeugen, die zum einen einen hohen geschäftlichen Nutzen bringen und zum anderen die Zusammenarbeit zwischen IT- und Fachseite fördern. Bei Capgemini leitet Marion Kremer die interne Forschungs- und Entwicklungsabteilung für die Bereiche Software-Engineering und Architektur in Deutschland. Ihre Arbeit basiert auf langjähriger Erfahrung in verschiedenen Branchen.

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