IT-Trends-Blog

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Sollten wir nicht alle mehr Spaß bei der Arbeit haben?

Kategorie: Trends am Horizont
Wavebreak Media | © ThinkstockWar das wieder zäh. Ich musste mit meinem Sohn 15 Minuten lang Vokabeln lernen. Dabei ist es egal, ob wir Englisch oder Latein machen, beides fällt ihm schwer. Nicht, dass er es nicht könnte, aber es macht ihm einfach keinen Spaß. Wenn ich ihn an den Rechner setze und er eine Software hat zum Lernen, ist sein Verhalten ist gleich ganz anders. Es gibt Lückentexte, es gibt die Zuordnung der Vokabeln zur jeweiligen Übersetzung, es gibt Multiple-Choice-Antworten. Das füllt er gerne aus. Er bekommt ja auch sofort Feedback und – sollte er etwas nicht wissen – einen Lösungshinweis. Steht die Software als Online-Variante zur Verfügung, kann er sich sogar direkt mit seinen Mitschülern oder anderen Nutzern vergleichen. Diese spiel- und wettbewerbsorientierte Form des Lernens macht ihm Spaß und seine Bereitschaft, etwas zu tun, steigt.
 
Im Berufsleben ergeht es uns doch ähnlich: Es gibt spannende Tätigkeiten, von denen wir nicht ablassen können und dabei vergeht die Zeit wie im Flug. Zu stupiden und langweiligen Aufgaben hingegen können wir uns kaum aufraffen und tun wir es endlich doch, dauern sie ewig. Die Kosten für solche Produktivitätseinbußen schätzt Gallup im Engagement Index 2012 allein für Deutschland auf 112 bis 138 Milliarden Euro pro Jahr. Das Ziel sollten also spannende Aufgaben mit hohem emotionalem Engagement sein, denn motivierte Mitarbeiter zeigen laut Gallup mehr Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft, übernehmen mehr Verantwortung und sind weniger krank.
 
Auch der CIO kann mit Hilfe seiner Software dazu beitragen, den Spaß an der Arbeit zu erhöhen. Das Zauberwort in diesem Kontext heißt Gamification. Gamification arbeitet mit den Mechanismen Belohnung, Status, Erfolg, Selbstdarstellung und Wettbewerb. Mit diesen Mitteln werden Emotionen geweckt, das Erleben wird intensiver und führt dazu, dass man sich länger mit einem Thema beschäftigt. Im Arbeitsumfeld führt das zu mehr Effizienz und höherer Arbeitsgeschwindigkeit. Das zeigt auch das Ergebnis der Enterprise Gamification Studie von Capgemini Consulting. Die Personen, die mit Gamification-Mechanismen ausgebildet wurden, hatten einen um 11 Prozent höheren Wissensstand, ein um 14 Prozent höheres Qualifikationslevel und befassten sich länger mit einem Thema (plus 9 Prozent). Das stützt die „Fun Theory“: „Fun is the easiest way to change people’s behaviour“.
 
Gamification lässt sich in der Arbeitswelt in verschiedenen Bereichen einsetzen, beispielsweise:
  • in der Aus- und Weiterbildung
  • für die Entwicklung von Innovationen
  • für die Mitarbeitermotivation und -bindung
  • für die Erhöhung der Kundenbindung
Vor allem die Kundenbindung erscheint mir neben der Mitarbeitermotivation ein sehr wichtiger Aspekt zu sein. Da zunehmend mehr Services und Leistungen über das Internet oder mobile Endgeräte bereitgestellt werden, spielt es eine große Rolle, wie einfach und spaßbringend eine Anwendung umgesetzt wird. Ist sie kompliziert und langweilig, springt der Kunde ab. Diese Erkenntnis hat SAP bereits dazu bewogen, Gamification in seine Software-Entwicklung zu integrieren. Jim Hagemann Snabe erklärte im Jahr 2011, dass uns vor allem unsere Kinder Hilfestellung in diesem Kontext geben: If I look at how my kids are consuming software, if it’s not desirable immediately, they throw it away. Can you imagine what happens to your IT landscape when these people come into business? I don’t know how you want to keep your IT strategy going so we’d better make our software delightful as well.”
 
Als CIO kann man mit Gamification die Prozesseffizienz verbessern, indem man Mechaniken in Anwendungen integriert, die diesen Prinzipien gerecht werden:
  • spieltypische Elemente wie eine Statusangabe, eine Rangliste, Stoppuhren etc.
  • Bewertung und Anerkennung einer vollbrachten Leistung
  • Echtzeit-Feedback, damit der Mitarbeiter weiß, wo er steht
  • klare Regeln, um das Engagement zu erhöhen
  • interessante und unterhaltsame Software-Umgebung
Insbesondere bei Veränderungen im Unternehmen kann Gamification dazu beitragen, den Prozess zu beschleunigen und das Mitarbeiter-Engagement zu erhöhen.
 
Haben Sie bereits Erfahrungen mit Gamification gemacht? Ist „Spaß bei der Arbeit“ in Ihrem Unternehmen überhaupt erwünscht? Oder werden solche Mechanismen eher belächelt? Würden Sie sich für so ein Projekt einsetzen oder haben Sie vielleicht schon eins gemacht? Ich freue mich auf die Diskussion mit Ihnen.



Bildnachweis: Wavebreak Media | © Thinkstock

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.

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