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Dem wahren Potenzial auf der Spur - populäre Irrtümer um SAP HANA

Kategorie: Trends des Monats
iStock | © ThinkstockDie diesjährige CeBIT hat es wieder eindrucksvoll belegt: was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert – was automatisiert werden kann, wird automatisiert. Dank immer intelligenteren Geräten, die miteinander kommunizieren und eigene Entscheidungen treffen (Machine-to-machine-Kommunikation ist in Unternehmen in DACH der Aufsteiger des Jahres), Automobilen, die getrost als autonom fahrende Rechenzentren bezeichnet werden dürfen, oder 3-D Druckern, die heute bereits wahlweise Maschinenteile oder Nudeln hervorbringen, fällt es zusehends schwerer, die Grenzen zwischen physischer und virtueller Welt zu ziehen.

Der mit diesen Entwicklungen verbundene Anstieg der Datenmengen ist auch im Fokus von SAP: Die Firma, auf deren Software viele der globalen Wertschöpfungsketten heute aufbauen, hat bereits vor vier Jahren ihr Flaggschiff HANA als Lösung für die Verarbeitung des digitalen Datentsunamis ins Rennen geschickt. Doch noch stoße ich in Projekten auf Skepsis: Von „das braucht kein Mensch“ bis „alter Wein in neuen Schläuchen“ gehen die Aussagen. Dabei befinden wir uns mitten in einer Technologierevolution, die kein Unternehmen mehr ignorieren kann, ohne Wettbewerbsnachteile fürchten zu müssen. Es ist also höchste Zeit zu handeln  Ich möchte Ihnen aufzeigen warum und einige der größten Missverständnisse ausräumen.

„HANA ist nichts anderes als eine schnelle Datenbank.“
Eine sehr häufig zu hörende Aussage, allerdings nicht zutreffend. HANA ist viel mehr: Wir stehen vor einem radikalen Paradigmenwechsel, vergleichbar mit dem Übergang von der Lochkarte zur Online-Datenverarbeitung. Wir haben uns über Jahre hinweg an nächtliche Batch-Läufe gewöhnt und daran, dass die unvollständige Datenbasis unserer Auswertungen einige Tage alt ist. Das alles ist Vergangenheit. Keine Batchjobs, keine Data-Warehouses, kein OLAP im herkömmlichen Sinn mehr, sondern umfassende, aktuelle Datenbestände – sofort, in Echtzeit.

„Bei HANA geht es nur um Geschwindigkeit.“
Das ist zu kurz gedacht. Es geht vor allem darum, welchen Geschäftsnutzen Sie aus der Technologie ziehen können, indem Sie Ihr Geschäftsmodell grundlegend überdenken. Ich möchte Ihnen das an einem plastischen Beispiel verdeutlichen.

Stellen wir uns HANA als neues Superflugzeug vor. Wenn wir die Leistungsfähigkeit der Technologie übertragen, könnten Sie damit das Ladevolumen eines Containerschiffes in maximal zwei Minuten zu jedem Flughafen dieser Erde transportieren. Dieses Superflugzeug würde alle Wertschöpfungsnetzwerke, die auf den physischen Transport realer Güter angewiesen sind, komplett verändern. Von Zulieferern über Produzenten, Transporteuren bis hin zum Handel müssten sich alle auf die neuen Möglichkeiten einstellen. Standortentscheidungen würden neu bewertet, Transportwege geändert, Liefermengen neu berechnet, Absatzkanäle angepasst.

Auch das private Reise- und Konsumentenverhalten würde sich ändern. Shoppen in New York am Samstagvormittag, danach an den Strand nach Hawaii und abends in die Oper von Sidney: abgesehen vom Jetlag wäre das jetzt kein Problem mehr. Der Kunde „digitalisiert“ sich, und die Grenze zwischen realem Menschen und intelligenter Maschine verschwimmt weiter. Unternehmen müssen sich komplett umstellen, wenn Sie weiterhin Geschäfte machen wollen.

 „Eine technische Umstellung auf HANA liefert keinen Business Case.“
Diese oft als Argument gegen HANA angeführte Feststellung trifft in vielen mir bekannten Fällen zwar zu, aber sie führt am Kern des Problems vorbei: Es kommt darauf an, die Prozesse anzupassen.
Betrachten wir zur Erklärung einen Teil des Logistikprozesses im Beispiel oben. Dank neuem Superflugzeug können Sie die Strecke von Frankfurt nach New York mit 10.000 Containern in 30 Sekunden zurücklegen. Wenn Sie lediglich eine Kiste Wein versenden wollen, die Sie bisher mit Luftfracht in sieben Stunden transportieren konnten, wird Ihr Nutzenkalkül ein anderes sein, als wenn z. B. dringend benötigte Zulieferteile für Ihre Just-in-Time Automobilproduktion in den USA nun nicht länger mehrere Tage auf dem Wasser unterwegs sind. In vielen Fällen, die ich erlebe, wird versucht, alleine aus dem Versand der Kiste Wein einen Business Case für HANA zu konstruieren. Das wird nicht funktionieren.

„HANA betrifft mich nicht, denn ich habe (fast) keine SAP-Anwendungen im Einsatz,“
Diese These ist geradezu fatal. Wer seine Waren in kürzester Zeit in jeder beliebigen Konfiguration an jeden Ort dieser Erde anliefern kann, dominiert nicht nur durch Geschwindigkeit, sondern kann, wie oben angedeutet, ganz neue Geschäftsmodelle darauf aufbauen und den Wettbewerb abhängen. Natürlich ist SAP HANA kein Allheilmittel für alle unternehmerischen Herausforderungen. Allerdings sollten sich die Verantwortlichen mit der Technologie und den Auswirkungen auf ihr Geschäft unbedingt beschäftigen. Behalten Sie dabei auch Ihre Wettbewerber im Auge.

Was also ist zu tun?
Die oft zitierte „Digitalisierung der Wirtschaft“ steht für einen neuen Wettbewerb, der bereits in vollem Gange ist: den zwischen digitalen und traditionellen Wertschöpfungsketten. In allen Branchen, in denen dieser Prozess weiter fortgeschritten ist, haben die digitalen Geschäftsmodelle gewonnen und Studien belegen, dass Unternehmen, die in ihrem Digitalisierungsgrad weiter sind, erheblich bessere Geschäftszahlen aufweisen.

Zusammenfassend möchte ich Ihnen deshalb folgende Punkte mitgeben:
  • Analysieren Sie Ihr Geschäftsmodell – wie kann SAP HANA Ihr Geschäft verbessern oder verändern?
  • Denken Sie ganzheitlich und mit Fokus auf die Prozesse
  • Seien Sie kreativ und ein bisschen mutig. Es lohnt sich auf jeden Fall.
Stellen Sie sich der neuen digitalen Realität, HANA hilft Ihnen dabei. Ich freue mich wie immer auf lebhafte Diskussionen mit Ihnen.
 


Bildnachweis: iStock | © Thinkstock

Über den Autor

Detlev Sandel

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