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Sind Cloud-Anbieter der neue Maßstab für die IT-Einheit?

Kategorie: Trend-Wende
iStock | © ThinkstockVielleicht ist Ihnen das in den letzten Monaten auch schon mal passiert: Die Fachseite vergleicht die interne IT-Einheit entweder im Bezug auf Kosten oder Geschwindigkeit mit einem Cloud-Anbieter. Das kann ziemlich frustrierend sein, vor allem wenn man mit Altanwendungen kämpft, die ohnehin schon unflexibel und teuer sind. Aber an diesen jetzt immer häufiger zu hörenden Vergleichen ist durchaus etwas dran: Fachabteilungen sind unzufrieden, weil sie selbst unter hohem Druck stehen. Diesem Druck müssen sich CIOs stellen, wenn
sie bestehen wollen.

Äpfel werden mit Birnen verglichen
Der Vergleich mit der Geschwindigkeit von Cloud-Anbietern hinkt natürlich häufig: Erstens werden Cloud-Systeme meistens ohne Daten, Rollen, Integration etc. bereitgestellt. Das alles einzurichten kostet Zeit. Deshalb sollte man das Argument aber nicht einfach vom Tisch wischen, denn auch in dieser Hinsicht holen Cloud-Anbieter auf. Zweitens handelt es sich bei den Cloud-Systemen in der Regel um neue moderne IT. Wenn man die Möglichkeit hätte, alle Anwendungen inklusive Infrastruktur neu aufzubauen, wäre die eigene IT auch in vielerlei Hinsicht schneller und flexibler. Drittens hinkt der Vergleich etwas, weil die wenigsten IT-Einheiten die Möglichkeit haben, so zu skalieren wie Cloud-Anbieter.

Darüber hinaus zahlen die Fachanwender für die schnell bereit gestellten Cloud-Anwendungen einen Preis und der ist der hohe Standardisierungsgrad. Viele CIOs machen sich seit Jahren für Standardisierung stark, konnten ihr Anliegen aber oft nicht durchsetzen. Dementsprechend muss die Fachabteilung beim Vergleich miteinbeziehen, dass diverse Sonderwünsche wesentlich mehr Geld kosten würden als das Paket von der Stange.

Es geht nicht mehr um Business-IT-Alignment
Aller Nicht-Vergleichbarkeit zum Trotz entsteht eine Art Konkurrenzkampf zwischen Cloud-Anbietern und interner IT, nicht in jedem Bereich, aber bei den Commodities. Viele Fachabteilungen denken nicht über die Integration der Anwendungen, Datensilos, Datenschutz und Projekte wie Big Data nach, die möglicherweise nicht mehr realisiert werden können, wenn Informationen über viele verschiedene Systeme verteilt werden. Deshalb müssen CIOs jetzt umdenken und sich der Diskussion stellen.

Es geht nicht mehr darum, sich am Business auszurichten, sondern darum, dem Business vorauszudenken und proaktiv Lösungen anzubieten. Als jemand, der die Strategie kennt, sind Sie Cloud-Anbietern damit einige Schritte voraus. Darüber hinaus müssen Sie Ihre Infrastruktur modernisieren, um flexibler zu werden und automatisieren, um schneller und besser zu werden. Viele CIOs in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben in den letzten Monaten auch sehr stark daran gearbeitet, eigene Clouds zu etablieren. In diese Richtung sollte es weiter gehen. Und wo es sicher und angebracht erscheint, können Sie auch selbst externe Leistungen zukaufen, um die Daten unter Kontrolle zu haben und zu integrieren.

Es geht im Moment also darum, nicht zum Erfüllungsgehilfen degradiert zu werden, der rein an Kosten und Geschwindigkeit gemessen wird. Sicher ist das ein wichtiger Teil, aber man sollte sich nicht darauf reduzieren lassen. Um gar nicht erst in diese Situation zu geraten, haben einige Branchen ihre Rechenzentren bereits stark automatisiert, die Landschaft erneuert und alles abseits der Kernkompetenz ausgelagert. So entgehen sie der Kosten- und Geschwindigkeitsdiskussion und haben mehr Zeit und Ressourcen dafür, um Partner der Business-Seite zu sein.

Wie sehen Sie die Situation? Hatten Sie auch schon so ein Gespräch?



Bildnachweis: iStock | © Thinkstock

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.

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