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Wie man EAM agil macht

Kategorie: Trends des Monats
iStock | © ThinkstockJe mehr agile Methoden im Unternehmen Einzug halten, desto größer wird die Diskrepanz zum klassischen Enterprise Architecture Management (EAM). Es entsteht ein Spannungsfeld zwischen Bewahren und Verändern. Verliert EAM in der agilen Welt seine Existenzberechtigung? Ist es nicht mehr wichtig, die Leitplanken für IT-Systeme zu definieren und die Plattformstrategie zu formulieren?

Doch, ist es. Damit EAM aber weiterhin einen Wertbeitrag leistet und kein Konflikt entsteht, muss es die eigene Organisation beim Wandel unterstützen und:

  • auf die Lösung konkreter Probleme ausgerichtet sein;
  • in der Lage sein, flexibel auf Veränderung zu reagieren;
  • reaktiv statt proaktiv betrieben werden;
  • auf Architekturdogmen verzichten und
  • temporäre, lokale Inkonsistenzen unterstützen.
Diese Eigenschaften kennzeichnen agiles EAM und helfen Ihrer IT-Organisation, schnell auf neue Anforderungen des Geschäfts reagieren zu können. Wenn Sie aus Ihrem klassischen EAM agiles EAM machen wollen, achten Sie darauf, dass die folgenden Grundsätze im Mittelpunkt stehen.

EAM muss wertschöpfend sein
EAM unterstützt und erleichtert das Erreichen von Unternehmenszielen mit Mitteln der IT. Wird EAM losgelöst von diesen Vorgaben betrieben, erzeugt es keinen Mehrwert. Die verschiedenen EAM-Frameworks definieren aber auch selbst Ziele und Ergebnistypen für die Architektur, die so genannten Artefakte. Darunter fällt zum Beispiel Architecture Compliance. Allerdings ist nicht jedes von den EAM-Frameworks definierte Artefakt für jedes Unternehmen sinnvoll. Setzen Sie sich mit ihren EA-Artefakten auseinander und legen Sie fest, welche Sie wirklich brauchen und verfolgen werden.

Geschäft ist wichtiger als Strategie
Das klassische EAM beschäftigt sich mit der zukünftigen Ausrichtung der IT-Landschaft, der so genannten Soll-Architektur. Agile Software-Entwicklungsprojekte richten sich aber an der Ist-Architektur aus. Deshalb kann klassisches EAM wenig zur Lösung aktueller Probleme beitragen, ihm fehlt die Fähigkeit zur flexiblen Anpassung. Umgekehrt ist es schwer, in agilen Projekten die EA-Strategie durchzusetzen, wenn die EA-Vorgaben nur die zweit- oder drittbeste Lösung zulassen. Deshalb sollten Sie in jedem Fall abwägen, was im speziellen Fall wichtiger ist: Die zukünftige Architektur oder die schnelle Realisierung Ihres Projektes.

Informationsumfang auf das Wesentliche reduzieren
In agilen Projekten benötigen die Entwickler meistens nur einen Überblick über Fachdomänen und Services. Weil Details häufig eine untergeordnete Rolle spielen, können diese auch individuell nach Bedarf abgestimmt werden. Auf diese Weise wird das EAM-Team entlastet.

Plattformstrategie berücksichtigen
Mit einer Plattformstrategie wird die Anwendungslandschaft homogener und die Ebenen Anwendungsarchitektur und Infrastruktur der Unternehmensarchitektur verlieren ihre Komplexität. Deshalb sollte die Plattformstrategie auch bei agilen Projekten berücksichtigt werden, selbst wenn es ihre Geschwindigkeit reduziert. Es geht also darum, einen Kompromiss zwischen der längerfristigen Entwicklung der IT-Landschaft und der schnellen Umsetzung des Projektes zu finden.

Information aktuell halten
Häufig sind viele Sichten im EAM veraltet, obwohl sie als aktuell ausgewiesen werden. Das liegt daran, dass Artefakte oft nicht gepflegt werden, weil es zu viele von ihnen gibt und der Pflegeaufwand zu hoch ist. Reduzieren Sie die Anzahl der Artefakte auf ein notwendiges Minimum, das dann einfacher auf dem aktuellen Stand gehalten werden kann. Darüber hinaus sollten Sie dafür sorgen, dass Änderungen des Service-Kataloges automatisch und in Echtzeit zur Produktivsetzung gepflegt werden.

Verantwortlichkeiten klären
Sie kennen die Rolle des Product Owners (PO) aus Scrum. Er entscheidet, welche Funktionalität vom Entwicklungsteam als nächstes umgesetzt wird. Wenn es eine Entscheidung im Bezug auf die Architektur trifft, die weitere Arbeiten nach sich zieht, sollte der PO informiert werden, damit er ihre Ausführung priorisieren und einplanen kann.
Falls sich die Entscheidung übergreifend auswirkt, kann sie weder vom PO noch vom Entwicklungsteam getroffen werden. In diesem Fall muss jemand die Verantwortung für die Gesamtarchitektur übernehmen, der beispielsweise auch die Plattformstrategie festlegt.

Fazit                                     
Wenn Sie nicht nur Ihre Entwicklung, sondern auch Ihre EA wie oben beschrieben agil gestalten, gewinnen Sie Flexibilität, um schnell auf neue Bedingungen zu reagieren. Gleichzeitig etablieren Sie wertschöpfendes EAM, das für die Zukunftsfähigkeit sorgt. Beides unter einen Hut zu bringen, ist aber nicht immer einfach. Welche Diskussionen führen Sie in diesem Zusammenhang? Und welche Argumente begegnen Ihnen immer wieder?



Bildnachweis: iStock | © Thinkstock

Über den Autor

Ramon Anger
Ramon Anger
Ramon Anger bewegt sich zwischen mehreren Stühlen: Sitzt er auf dem linken Stuhl, arbeitet er als technischer Architekt an Entwicklungsprojekten mit. Sitzt er rechts, schreibt er Artikel für Fachzeitschriften oder seinen Blog. Der Stuhl vor ihm steht für Konferenztourismus. Auf dem Platz in der Mitte treibt er für Capgemini die Themen Agilität und Lean voran. Still sitzt er selten, denn dafür gibt es zu viele spannende Themen und neue Ideen zu entdecken.

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