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Wie neue Technologien Modernisierungsstrategien verändern

Kategorie: Trend-Wende
iStock |© ThinkstockJahrelang waren Standardisierung und Konsolidierung zwei Instrumente, um die IT-Landschaft in den Griff zu bekommen. Einerseits reduzieren sie die Komplexität, andererseits können mit ihrer Hilfe die Kosten gesenkt werden. Dementsprechend gaben im Application Landscape Report 2011, einer weltweit unter CIOs und Führungskräften durchgeführten Umfrage, 59 Prozent der Teilnehmer an, ihre Applikationslandschaft zu standardisieren und 44 Prozent zu konsolidieren. Drei Jahre später ist ihre Zahl deutlich gesunken: Jetzt sind es nur noch 20 (Standardisierung) beziehungsweise 28 Prozent (Konsolidierung). Woher kommt der plötzliche Umschwung?
 
Technologisch gesehen ist in den vergangenen drei Jahren viel passiert. Zum einen hat die Cloud in vielen Unternehmen Einzug gehalten und stellt nicht mehr nur Inhalte oder Infrastruktur zur Verfügung, sondern zunehmend auch Applikationen. Zum anderen ist die Anzahl der Smartphone-Benutzer in den letzten beiden Jahren rapide gestiegen. Deshalb müssen jetzt immer mehr Anwendungen für die Nutzung mit mobilen Endgeräten fit gemacht werden. All das muss außerdem schnell gehen, um dem hohen Wettbewerbsdruck gerecht zu werden.
 
Da die Hürde in die Cloud und auf das mobile Endgerät für viele Anwendungen aber zu hoch ist, wechseln viele CIOs jetzt die Strategie: Entweder sie lösen individuelle Alt-Anwendungen komplett ab und ersetzen sie mit modernen Applikation (das so genannte Rip & Replace). Oder sie lassen alles beim Alten und programmieren lediglich ein paar Erweiterungen, wie zum Beispiel ein mobiles Frontend oder eine cloudbasierte API. Dieser Ansatz ist mit wesentlich weniger Risiko und Aufwand behaftet und liefert schnell Ergebnisse, allerdings ändert er nichts am Kernproblem, nämlich daran, dass die Anwendung modernen Anforderungen im Kern nicht mehr genügt. Das Business-Problem wird kurzfristig damit gelöst, das IT-Problem aber umso größer und damit riskanter für das Business.
 
Es gibt noch eine weitere Strategie, die immer häufiger genutzt wird: Die Verlagerung von IT-Aufgaben in Offshore-Länder wie zum Beispiel das Application Management und die Entwicklung. Damit allein ist eine Anwendung zwar noch nicht moderner geworden, aber es senkt die Kosten, was ein wesentliches Problem komplexer IT-Landschaften ist. Mit den geringeren Kosten können dann auch aufwendige Standardisierungs- oder Entwicklungsvorhaben realisiert werden, die sich ansonsten vielleicht nicht gelohnt hätten. Oder die Einsparungen werden genutzt, um eine neue Lösung zu entwickeln oder zu kaufen, die alle modernen Funktionalitäten bietet, die das Unternehmen benötigt.
 
Die Modernisierung von IT-Landschaften, wie sie in der Vergangenheit betrieben wurde, scheint mit neuen Technologien wie Mobile, Cloud, Big Data und In-Memory an ihre Grenzen zu stoßen. Das heißt, dass wir in den nächsten Jahren viel Arbeit damit haben werden, die IT-Landschaft neu aufzubauen. Neben allen Nachteilen bringt das aber einige wesentliche Vorteile mit sich, allen voran mehr Business-Nutzen. Dieser Meinung sind jedenfalls die im Application Landscape befragten CIOs.
 
Wie geht es bei Ihnen? Müssen Sie jetzt auch viel häufiger als früher Anwendungen komplett neu aufbauen? Und wann denken Sie, kommt die Konsolidierungswelle für diese neuen Technologien? Bauen wir heute die Legacy-Systeme von morgen?



Bildnachweis: iStock |© Thinkstock

Über den Autor

Alfred Aue
Alfred Aue
Dr. Alfred Aue beschäftigt sich mit dem Lebenszyklus von Anwendungen und wie man ihn optimal gestaltet. Dabei interessiert ihn vor allem, wie man nicht nur die Kosten senkt, sondern vor allem den geschäftlichen Mehrwert erhöht. Bei Capgemini ist Alfred Aue Head of Sales der Application Lifecycle Service in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Seine Arbeit basiert auf langjähriger Erfahrung, unter anderem bei Siemens Nixdorf, debis Systemhaus und T-Systems.

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