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Hat die Cloud in Europa eine Zukunft?

Kategorie: Trend-Wende
iStock | © ThinkstockSocial Business und Collaboration sind für viele Unternehmen wichtig, aber seit der NSA-Affäre schrecken viele CIOs in Deutschland, Österreich und der Schweiz davor zurück, ihre Daten in die Hände US-amerikanischer oder britischer Anbieter von IT-Services zu geben. Datenschutz und Datensicherheit werden hier, aber auch im restlichen Kontinentaleuropa, sehr ernst genommen. Über diese Diskussion schütteln viele Führungskräfte in den USA, Großbritannien und Irland den Kopf. Da es solche Bedenken in diesem Ländern kaum gibt, wächst der Markt für Cloud-Dienste dort deutlich stärker und mit ihm steigt der Reifegrad der Lösungen. Ist das der Anfang vom Ende für öffentliche Clouds in Kontinentaleuropa, es sei denn, die Politik sorgt dafür, dass Daten vor dem Zugriff ausländischer Geheimdienste geschützt werden?
 
Dass die Politik in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielt, ist unumstritten. Aber da solche Prozesse erfahrungsgemäß lange dauern, haben wir uns gefragt, ob man auch ohne ihr Zutun „abhörsichere“ Cloud-Anwendungen aufbauen könnte. Um die Dateneinsicht von US-Behörden zu verhindern, müsste dabei auf Software US-amerikanischer Anbieter verzichtet werden. Denn sie unterliegen dem Patriot Act und sind zur Herausgabe von Informationen verpflichtet. Dementsprechend müsste die Plattform, aber auch die Applikationen von europäischen Anbietern kommen. Darüber hinaus dürften die Server nicht in einem Rechenzentrum eines amerikanischen oder britischen Anbieters stehen. Drittens sollte den Kunden die Möglichkeit gegeben werden, ihren Datenverkehr über einen europäischen Anbieter abzuwickeln.   
 
Nach der Definition dieser Kriterien haben wir uns auf die Suche nach Softwareanbietern für E-Mail und Kalender, Dokumentenmanagement, Videokonferenzen und VoIP gemacht und in der Open Source Community drei Anbieter aus Deutschland, den Niederlanden und Frankreich gefunden, deren Produkte den Anforderungen an Unternehmensanwendungen gerecht werden. Darüber hinaus sind sie bereits bei namhaften Organisationen im Einsatz, wie beispielsweise Daimler, Sixt, Boeing, dem Land Baden-Württemberg, Unicef und dem niederländische Institut für Forensik, was ihre Praxistauglichkeit beweist. Sie wurden von uns in einer  Collaboration Suite unter dem Namen Clair vereint, die in unserem eigenen Rechenzentrum in den Niederlanden gehostet wird. Das wiederum ist insgesamt an 11 Carrier abgeschlossen, darunter auch europäische wie beispielsweise Orange Business Services.
 
Um solche „abhörsicheren“ und zugleich Bundesdatenschutzgesetz-konforme Angebote zu ermöglichen, müssen Anbieter natürlich umdenken und Zeit investieren. Denn es ist viel Arbeit, abseits der ausgetretenen Pfade die richtigen Softwareanbieter zu finden und den Support aufzubauen. Aber es lohnt sich, denn auf diese Weise hat die Cloud in Europa eine Zukunft und damit Unternehmen und Behörden Zugang zu Flexibilität, Skalierbarkeit, Ortsunabhängigkeit, hoher Innovationsgeschwindigkeit und kurzen Bereitstellungszeiten zu eröffnen, ohne eine eigene Cloud aufbauen zu müssen.
 
Ich denke, wenn es mehr solcher Lösungen gäbe, würde die öffentliche Cloud auch hierzulande häufiger genutzt. Was denken Sie?



Bildnachweis: iStock | © Thinkstock

Über den Autor

Norbert Jachmann
Norbert Jachmann
Als Spezialist für Lieferkonzepte von IT-Infrastruktur-Leistungen beschäftigt sich Norbert Jachmann viel mit den Anforderungen, die die Einbindung von Dienstleistern mit global verteilten Lieferkapazitäten und Multisourcing-Strategien an IT-Mitarbeiter im Unternehmen stellen. Daneben verfolgt er die aktuellen Entwicklungen im Cloud Computing und zum Thema „Bring your own device”. Ursprünglich studierte Norbert Jachmann konstruktiven Ingenieurbau und arbeitete zwei Jahrzehnte bei Hochtief. Dort entdeckte er sein Faible für Informationstechnologie und entwickelte und vertrieb CAD-Software. Heute verantwortet Norbert Jachmann bei den Capgemini Infrastructure Services das Demand Management für Zentral-Europa.

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