IT-Trends-Blog

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Drei Szenarien für die Nutzung von Anbieter-Clouds in der öffentlichen Verwaltung

Kategorie: Trends des Monats
Das durchschnittliche Alter von Beschäftigen im Öffentlichen Dienst ist höher als das in der Wirtschaft, wie vor kurzem eine Untersuchung der Robert Bosch Stiftung zeigte. In naher Zukunft werden demnach relativ viele Beamte und Angestellte in den Ruhestand gehen und Altersbezüge erhalten. Dementsprechend schrumpft zwar das Personal, aber nicht in gleichem Maße die Aufgaben, so dass in Zukunft weniger Mitarbeiter genauso viel leisten müssen wie jetzt. Das ist ein Problem, zu dessen Lösung die IT viel beitragen kann, indem sie hilft, den Arbeitsaufwand zu senken und elektronische Verwaltungslösungen und eGovernment-Konzepte besser auszuschöpfen. Darüber hinaus können viele Vorgänge stärker automatisiert werden, Leistungen von externen Anbietern zugekauft und Cloud-Services von Dritten bezogen werden. Mit letzterem tut sich der öffentliche Bereich derzeit aber noch schwer, obwohl die Hürden für die Nutzung von Anbieter-Clouds vielleicht gar nicht so hoch sind, wie gedacht.

Wavebreak Media | © Thinkstock
 
Denn nicht jede Cloud-Lösung muss zwingend komplett in die eigene IT-Landschaft integriert werden. Aus IT-Sicht sind drei verschiedene Szenarien denkbar:
  1. Die zugekauften Cloud Services werden überhaupt nicht in die eigene IT-Landschaft integriert. Dieser Ansatz macht Sinn, wenn die entsprechenden Prozesse nicht in vorhandene Anwendungen eingebunden werden müssen, der Service über eine eigene Benutzeroberfläche verfügt und nur wenige Mitarbeiter mit der Lösung arbeiten.
     
  2. Die zugekauften Cloud Services werden nur auf der Daten- beziehungsweise Informationsebene integriert. Diese Vorgehensweise eignet sich gut für Prozesse, die außerhalb der eigenen Organisaiton ablaufen können, deren Ergebnisse aber in den eigenen System weiterverarbeitet werden sollen wie beispielsweise Social Media-Analyse
     
  3. Die zugekauften Cloud Services werden auf Basis der Benutzungsoberfläche in die eigenen Anwendungen integriert. In diesem Fall müssen sie den Anforderungen an Design und Benutzerfreundlichkeit genügen und gegebenenfalls modifiziert werden. Ein Beispiel für so einen Service wäre eine Blogging-Lösung für ein Portal.
Wenn man potenzielle Cloud-Anwendungen auf diese Art klassifiziert hat, lässt sich leichter ableiten, welcher Aufwand und welche Vorteile aus der Nutzung von externen Services entstehen würden. Für die Umsetzung müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • datenschutzrechtliche und sicherheitstechnische Aspekte sind geklärt
  • der Nachweis ist erbracht, dass die Mitarbeiter des Auftragsnehmers das Datengeheimnis einhalten
  • Ansprechpartner für den Datenschutz beim Auftragnehmer und Auftraggeber sind benannt
  • die Dauer der Verarbeitung und die Löschung der Daten sind definiert
  • vertragliche Aspekte wie Mengengerüste, SLAs, der Ort der Datenspeicherung, die Archivierung, die Energieeffizienz des Cloud-Services und die Abrechnung sind geklärt
  • das langfristige Ziel, das mit der Cloud-Lösung verfolgt wird, sollte klar definiert sein

Anschließend muss  sich der CIO auf dieser Basis über folgende IT-technische Aspekte Gedanken machen und Leitlinien dazu aufstellen:

  • Benutzerfreundlichkeit (Single Sign-on, Design Guide anwendbar, Barrierefreiheit, etc.)
  • Verträglichkeit der Datenmodelle von inhaltlich zusammenhängenden Funktionsbereichen innerhalb der eigenen Organisation mit dem Cloud-Anbieter und angeschlossenen Geschäftspartnern
  • Integrierbarkeit der Cloud Services in die eigenen Anwendungen
  • Schnittstellen des Cloud-Anbieters für (Daten-) Backups außerhalb der Cloud
  • Migration von Daten in die Cloud und am Ende des Vertrages aus der Cloud
  • Skalierungsmöglichkeiten der Cloud Services
  • Einsatzszenarien zum Beispiel als Public-, Hybrid-, Private-Cloud
  • Auswirkung der Einführung und Nutzung der Cloud Services auf die IT-Landschaft
  • Ablaufmöglichkeiten für Tests der Cloud im Kontext der eigenen Anwendungslandschaft
  • Redundanzvermeidung, das heißt Rückbau von eigenen Funktionalitäten, die zukünftig aus der Cloud kommen

Sind alle diese Punkte abgearbeitet und der passende Anbieter gefunden, sollte der Nutzung von externen Clouds eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Haben Sie bereits entsprechende Leitlinien für den Einsatz von Anbieter-Cloud-Lösungen aufgestellt?
 
 

Bildnachweis: Wavebreak Media | © Thinkstock

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.

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