IT-Trends-Blog

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Wo hohe Infrastrukturkosten die Wettbewerbsfähigkeit sichern

Kategorie: Trends des Monats
Viele CIOs von Handelsunternehmen dürfen sich in diesem Jahr glücklich schätzen. Im Gegensatz zu ihren Kollegen haben sie eine Sorge nicht und die heißt Geld. 50 Prozent von ihnen rechnen laut der IT-Trends-Studie 2014 mit mehr Budget, 2015 sind es sogar 64 Prozent. Damit ist ihre Situation, zumindest was höhere Investitionen angeht, vergleichsweise komfortabel. Dennoch gibt es nur wenig Puffer für unvorhergesehene Projekte. Und das bedeutet, dass das ganze Geld bereits verplant ist und sehr viel davon wird in Hardware und Netze fließen. Für Innovationen bleibt im Branchenvergleich nicht viel übrig. Ist das die richtige Strategie für die Zukunft?
 
Während andere Unternehmen im Infrastruktur-Management so viel wie möglich auslagern, um Kosten zu sparen, erbringen Retailer mit 68,2 Prozent Eigenleistungstiefe einen sehr hohen Anteil des Infrastruktur-Managements selbst. Finanzdienstleister wickeln zum Beispiel lediglich 43,5 Prozent inhouse ab, der Rest wird ausgelagert. Auch wenn Handelsunternehmen ihren Eigenanteil innerhalb der nächsten fünf Jahre wie von ihnen geplant auf 54,2 Prozent senken, haben sie im Branchenvergleich immer noch die höchste Eigenleistungstiefe. Dass sie sich das leisten können, lässt sich auf die starke Automatisierung des Infrastruktur-Managements zurückführen, die in Zukunft noch weiter steigen soll. Darüber hinaus setzt der Handel stark auf agile Methoden.
 
Traditionell betreiben Retailer ihre Infrastruktur also gerne selbst und sind bereit, dafür mehr als 32 Prozent des Gesamt-Budgets auszugeben. Diese Strategie macht in Zeiten hohen Konkurrenz- und Kostendrucks vielleicht nicht für die gesamte Branche Sinn, aber für den stationären Handel, der gerade an einem Wendepunkt steht. Im beratungsarmen Ver- und Gebrauchsgütersegment machen ihm reine Online-Unternehmen durch niedrigere Preise Umsatz und Gewinn streitig. Denn der Online-Handel investiert massiv in „Customer Experience“ und bietet seinen Kunden neben attraktiven Preisen umfassende Services rund um die Uhr, wie zum Beispiel Informationen über die Warenverfügbarkeit und Lieferzeit sowie Produktbewertungen und -empfehlungen anderer Käufer. Letzteres können Ladengeschäfte in der Regel nicht bieten. Viele CEOs zerbrechen sich deshalb seit Monaten den Kopf darüber, wie sie das Online- und das stationäre Geschäft so kombinieren können, dass sie ihre Stärken gegenüber reinen Online-Händlern ausspielen können. Und dafür sind drei Dinge besonders wichtig: eine klare Multichannel-Strategie, eine digitalisierte Verkaufsfläche und vor allem ein guter Informationsfluss.

Wavebreak Media | © Thinkstock
 
Um den Kunden nicht zu verlieren, wenn er im Laden via Smartphone Preise mit Online-Händlern vergleicht, will der stationäre Handel schneller auf Preissenkungen der Konkurrenz im Internet reagieren oder Einkaufsrabatte aufgrund des Abverkaufs großer Mengen zeitnah an seine Kunden weitergeben können. Darüber hinaus möchte er Kundenprofile erstellen und mobile Endgeräte als Kommunikationskanal im Ladengeschäft nutzen können. Dafür müssen zum einen die entsprechenden Funktechnologien wie zum Beispiel iBeacon implementiert werden und zum anderen große Datenmengen ausgewertet und in Echtzeit zur Verfügung stehen, um beispielsweise anzuzeigen, was andere Kunden kauften oder welche Bewertungen bestimmte Produkte erzielten.
 
Datenverarbeitung in Echtzeit oder nahe Echtzeit bedeutet in der Regel die Aufrüstung der vorhandenen Hardware, den Einsatz neuer Technologien wie In-Memory und ein Upgrade der Netze. All das kostet den stationären Handel viel Geld, ist aber dringend notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern oder – in Kombination mit seinem vorhandenen stationären Assets – sogar einen Vorsprung gegenüber dem reinen Online-Handel zu erzielen. Offenbar sehen Retailer diese Investitionen aber nicht als Innovationsausgaben, sondern als reine Infrastrukturkosten. Das ist interessant und kommt vielleicht daher, dass es den Händlern im Grunde genommen nicht darum geht, ihr Geschäftsmodell zu revolutionieren, sondern etablierte E-Commerce-Prozesse auf die Verkaufsfläche zu übertragen. Innovation entscheidet also nicht immer über den Geschäftserfolg. In manchen Fällen ist es ebenso wirkungsvoll, Etabliertes auf das eigene Geschäftsmodell zu übertragen.
 
 
 
Bildnachweis: Wavebreak Media | © Thinkstock

Über den Autor

Sebastian Löw
Sebastian Löw
In unterschiedlichen Rollen und Verantwortlichkeiten beschäftigt sich Sebastian Löw seit je her mit der Frage, wie Technologie-Trends Geschäftsmodelle beeinflussen und sich Kosten-Nutzen-Verhältnisse durch alternative Service-Modelle optimieren lassen. In den vergangenen zwei Jahren verantwortete Sebastian Löw bei Capgemini die Beziehung zu einem internationalen Handelsunternehmen.“

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