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Einheit trotz Vielfalt: Hat der öffentliche Sektor in Sachen Architektur die Nase vorn?

Kategorie: Trends des Monats
TongRo Images | © ThinkstockDie öffentliche Verwaltung treibt derzeit die Digitalisierung voran. Mit dem am 1.8.2013 in Kraft getreten E-Government-Gesetz wurden die Weichen gestellt, damit Bürger und Unternehmen leichter elektronisch mit der Verwaltung kommunizieren können. Die Verpflichtung der Verwaltung zur Etablierung eines elektronischen Kanals, die Grundsätze der elektronischen Aktenführung oder auch die Erleichterung bei der Erbringung von elektronischen Nachweisen und der elektronischen Bezahlung in Verwaltungsverfahren nimmt die öffentliche Verwaltung ernst. Dementsprechend ist ihre Architektur inzwischen teilweise sogar besser aufgestellt, als die der Wirtschaft, wie die  Ergebnisse der IT-Trends-Studie 2014 bestätigen (Abbildung 1).
 
© Capgemini 2014

Abbildung 1. Der öffentliche Sektor hat den Hebel von Architektur erkannt und treibt die Modularisierung aktiver als die Wirtschaft (Quelle IT-Trends 2014, Capgemini)
 
Was sind die Gründe für den Vorsprung? Die Umsetzung von E-Government ist für die Anwendungslandschaft der öffentlichen Verwaltung eine große Herausforderung. Sie muss Portale mit entsprechenden Mechanismen zur Sicherheit und Authentifizierung (nPA, DE-Mail, …) implementieren, Prozesse vom Kunden her denken und die digitale Vernetzung mit anderen Organisationen weiter ausbauen. Abläufe sollen für den Kunden einfacher und z. B. redundante Dateneingaben vermieden werden. Um aber überhaupt Services über das Internet und mobile Endgeräte bereitstellen zu können, müssen interne Anwendungen geöffnet werden. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die Architektur einzelner Anwendungen in Schichten wie Präsentation, Logik und Datenbank aufgeteilt wird. Schnittstellen nach außen werden dabei über die Logik-Schicht angeboten.
Dazu hat die Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik in der Bundesverwaltung (KBSt) bereits 2005 im Rahmen der Initiative BundOnline ein Dokument zu Standards und Architekturen der E-Government-Anwendungen (SAGA) veröffentlicht. Als Ziel adressiert SAGA Wirtschaftlichkeit, Agilität, Offenheit, Sicherheit, Interoperabilität, Wiederverwendbarkeit und Skalierbarkeit. Das SAGA-Modul Technische Spezifikation (aktuell in der Version 5) enthält beispielsweise Vorgaben für Prozessmodelle, Datenmodelle, Applikationsarchitekturen, Präsentation-Schichten sowie Sicherheit und Kommunikation. SAGA ist seit November 2011 verbindlicher Standard für Bundesverwaltungen.
Aber es reicht nicht nur aus, einzelne Anwendungen zu öffnen. Es ist wichtig, die gesamte Anwendungslandschaft zu steuern. Beispielsweise muss bei der Implementierung von E-Government-Lösungen festgelegt werden, welche Anwendungen welche fachlichen Schnittstellen bereitzustellen haben. Die Bundesverwaltungen sind hier in Vorleistung gegangen. Seit 2008 erarbeitet eine Arbeitsgruppe der Bundesressorts  Planungsinstrumente, Modelle und Architekturmanagementprozesse für Bundesverwaltungen. So ist z. B. die Rahmenarchitektur IT-Steuerung Bund entstanden, die verbindliche Grundlagen für das Architekturmanagement in Bundesverwaltungen etabliert.
Die öffentliche Verwaltung geht das Thema Architektur also langfristig an und erarbeitet Vorgaben und Standards, um den Prozess zu steuern. Darüber hinaus steht die Verwaltungs-IT im Vergleich zur Wirtschaft zwar auch unter Zeitdruck, aber letztere opfert eine gute Architektur häufiger der Geschwindigkeit, um dem Wettbewerbsdruck standhalten zu können. Das bringt kurzfristig zwar Vorteile, rächt sich langfristig aber häufig.
Denn nicht nur der BITKOM spricht in seinem Leitfaden zu Enterprise Architecture auf Seite 11 davon, dass die IT-Architektur eine wichtige Determinante für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen und eine bedeutende Komponente für die Entwicklung des Geschäftsmodells sowie der -prozesse ist. Im Mittelpunkt des Architekturmanagements stehen Paradigmen wie Modularisierung und Kapselung mit dem Ziel zu entkoppeln und Komponenten damit wiederverwenden zu können. Sprich – wer vorher sauber aufsetzt, ist am Anfang zwar langsamer, später dafür aber flexibler und schneller. Der öffentliche Bereich hat die Umstellung auf E-Government genutzt, um anhand einheitlicher Vorgaben und Leitlinien seine IT-Architektur in vielen Bereichen auf die Anforderungen der Zukunft vorzubereiten. Die Wirtschaft ist offenbar weniger konsequent, sollte sich aber die öffentliche Verwaltung als Vorbild nehmen.
Wie schätzen Sie den Nutzen einer guten Architektur und der Modularisierung für die Zukunft ein? Glauben Sie, dass die private Wirtschaft vom öffentlichen Sektor lernen kann? Ich freue mich auf einen Dialog mit Ihnen.
 
 
Bildnachweis: TongRo Images | © Thinkstock
Grafik: © Thinkstock 2014

Über den Autor

Lars Santesson

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