IT-Trends-Blog

IT-Trends-Blog

Opinions expressed on this blog reflect the writer’s views and not the position of the Capgemini Group

Woran es bei Innovationen mangelt

Kategorie: Trends am Horizont
iStock | © ThinkstockVorbei sind die Zeiten, in denen einmal im Jahr ein Softwareupdate und alle drei Jahre ein größeres Update durchgeführt wurde. Nicht nur Microsoft hat im vergangenen Jahr die Releasezyklen für seine Software verkürzt, auch die Mozilla Foundation entschied sich bereits vor mehr als zwei Jahren zu einem sechswöchigen Update ihres Browsers Firefox. Intel bringt alle 12 bis 18 Monate eine Neuerung auf den Markt, die entweder die CPU-Fläche verkleinert oder darauf aufbauend Mikroarchitektur verbessert, was zu höherer Energieeffizienz und Geschwindigkeit und neuen Hardware-Features führt. Das verwöhnt Kunden und Mitarbeiter und erhöht den Druck auf die Unternehmens-IT, ebenfalls schneller zu werden. Die Frage ist nur wie.
 
Viele Unternehmen versuchen mit agilen Entwicklungsmethoden die Zyklen zu verkürzen. Das ist ein lohnenswerter Ansatz, aber auch er kann nur funktionieren, wenn konstant in Innovation investiert wird. Und das ist nicht der Fall. Die Ergebnisse der IT-Trends-Studie über viele Jahre zeigen, dass die Ausgaben in Deutschland, Österreich und der Schweiz stark schwanken: Der höchste Anteil vom Gesamt-Budget wurde laut unserer Statistik im Jahr 2004 für IT-Innovationen ausgegeben, damals waren es 35 Prozent. Der Tiefpunkt war 2010, als sie auf knapp 15 Prozent zurückgeschraubt wurden. Derzeit stagnieren sie seit etwa drei Jahren bei rund 21 Prozent. Während der langjährigen Beobachtung der IT-Innovationsbudgets wurde uns klar, dass sie offenbar nicht direkt an Konjunkturzyklen gekoppelt sind, aber dass sie anscheinend auch nicht strategisch gehandhabt werden. Wenn es anderswo fehlt, wird gerne das Innovationsbudget gekürzt, um die IT als solche erst einmal am laufen zu halten. Das ist verständlich, aber eben alles andere als konstant oder strategisch.
 
Eine andere Studie von Capgemini Consulting mit dem Titel „Innovation Leadership Study – Managing innovation: An insider perspective“ liefert ähnliche Ergebnisse, beschäftigt sich aber mit Innovation im gesamten Unternehmen, nicht nur in der IT. Vor zwei Jahren hatten demnach lediglich 42 Prozent der 260 befragten Führungskräfte aus aller Welt eine Innovationsstrategie und lediglich 30 Prozent waren der Meinung, dass ihr Unternehmen adäquat organisiert sei, um innovativ zu sein. Weitere Probleme waren laut den Teilnehmern fehlende Rollen und Verantwortlichkeiten, die mangelnde Governance und eine Unternehmenskultur, die Neuerungen nicht genug fördere.
 


Ohne Strategie dauern viele Dinge aber länger. Weil man sich vorher nicht überlegt hat, was wichtig ist, und weil man häufiger wieder von vorn anfängt, da die Richtung fehlt. Natürlich war Innovation schon immer ein wichtiges Thema in der IT, aber jetzt, da immer mehr Prozesse digital werden, scheint sie eine andere Dimension zu bekommen. Da die IT die dominierende Schnittstelle zum Kunden wird, können veraltete Systeme immer weniger durch positive Erlebnisse über andere Kanäle kompensiert werden. Darüber hinaus spielt IT eine immer wichtigere Rolle in vielen anderen Bereichen wie der Logistik, Produktion (Industrie 4.0), Forschung und Entwicklung und so fort. Wäre es demnach nicht jetzt an der Zeit, die Sache strategisch anzugehen, genauso wie die Produktentwicklung und die Umsatzplanung?
 
Was sind Ihre Erfahrungen? Warum wird IT-Innovation in vielen Unternehmen immer noch opportunistisch behandelt? Welche Ansätze nutzen Sie, um das zu ändern? Ich freue mich auf eine interessante Diskussion!


 
Bildnachweis:
- Bild 1 – iStock | © Thinkstock
- Bild 2 – iStock | © Thinkstock

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem * gekennzeichnet.