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Automatisierung: Sägt der CIO am eigenen Stuhl?

Kategorie: Trends am Horizont
Fuse | © ThinkstockEine immer wichtiger werdende Aufgabe der IT ist die Automatisierung von Prozessen, sowohl der eigenen Service-Prozesse, als auch der Geschäftsprozesse. Dabei geht Automatisierung heute weit über Routine-Aufgaben hinaus und umfasst auch Entscheidungen. Rationalisiert sich der CIO damit auf die Dauer selbst weg?
 
Big Data liefert inzwischen nicht mehr nur die Basis für Management-Entscheidungen, sondern auch für automatisierte Entscheidungen. Eine unserer eigenen Studien fand heraus, dass Big Data sogar häufiger genutzt wird, um Entscheidungen zu automatisieren (58 Prozent der Fälle) als dem Management eine Grundlage für eine Entscheidung zu liefern (29 Prozent der Fälle). Die Studie ist übrigens schon 2 Jahre alt und mittlerweile werden noch mehr Dinge automatisch anhand von Algorithmen entschieden, ob es sich um die Vergabe von Krediten, die Festlegung von Produktionsvolumina, den Einkauf oder die Routenauswahl in der Logistik handelt. Industrie 4.0 verleiht der Sache zusätzlich Schwung. Das gleiche gilt für IT-Service-Prozesse, denn hier geht es nicht nur um Kostensenkungen, sondern auch um Geschwindigkeit, weil es automatisch schneller geht.
 
Schneller ist aber nicht in jedem Fall besser. Denn in Code überführte Entscheidungskriterien sind relativ unflexibel und das kann in einem volatilen Umfeld zu Problemen führen. Unter konstanten Bedingungen und angesichts der Tatsache, dass intelligente Entscheidungssysteme auch lernen können, nehmen sie dem Menschen vieles ab. Aber in Krisenzeiten und sich schnell drehenden Märkten ist das anders. Demnach bleibt bei aller Automatisierung doch noch etwas für den CIO zu tun, aber was?
 
Mit der zunehmenden Komplexität der Prozesse inklusive automatisierten Entscheidungen muss es erstens Menschen geben, die diese Systeme verstehen und nachvollziehen können, warum was wie entschieden wurde. Zweitens muss es Menschen geben, die die richtigen Fragen stellen, um die Algorithmen festzulegen. Dabei geht es nicht nur darum, alle erdenklichen Szenarien vorauszuahnen, sondern auch Wechselwirkungen und Zusammenhänge zu erkennen. Der Börsenkrach am 19. Oktober 1987, dem Schwarzen Montag, soll durch automatisierten Börsenhandel mitverursacht worden sein. Die relativ einfachen „Wenn-dann“-Algorithmen hatten wohl dafür gesorgt, dass immer mehr Aktienpakete automatisch abgestoßen wurden, nachdem die Kurse zu fallen begonnen hatten, was letztlich auch bei den übrigen Anlegern zu panikartigen Verkäufen geführt habe. Anschließend wurden die Algorithmen überdacht, weiterentwickelt und Sicherheitsmechanismen eingebaut, um bestimmte Entscheidungen dem Menschen zu überlassen. Drittens ist es also er, der Ausnahmesituationen erkennen kann, um möglicherweise anderes als üblich zu reagieren.
 
Aufgrund dieser Faktoren wird sich der CIO also aller Wahrscheinlichkeit nach nicht selbst wegrationalisieren, aber sein Aufgabengebiet (und das seiner Management-Kollegen) wird sich verändern. Weg vom Tagesgeschäft hin zur richtigen Interpretation von Metadaten und übergeordneten Fragestellungen. Es geht also eher um den Ausbau des eigenen Repertoires, oder wie sehen Sie die Sache?
 

 
Bildnachweis: Fuse | © Thinkstock

Über den Autor

Thomas Heimann
Thomas Heimann
Thomas Heimann leitet die Erhebung der jährlichen IT-Trends und interessiert sich vor allem für neue Technologien und die Möglichkeiten und Veränderungen, die sie mit sich bringen. Ein Beispiel dafür ist das Thema SOA, zu dem er ein Expertenteam bei Capgemini aufbaute und mehrere Jahre lang Workshops leitete sowie Vorträge hielt, unter anderem für die Computerwoche. Der Diplom-Informatiker berät derzeit Regierungsorganisationen und Behörden in Fragen der IT.
Ich glaube nicht, dass das automatisierte Entscheidungen etwas mit dem CIO zu tun haben. Auswertungen bzw. Analysen aus Big Data Umgebungen werden zu Geschäftszwecken herangezogen. Ob automatiserte Entscheiungen oder nicht, da spielt der CIO nicht mehr mit. Die Rolle des CIO ist meiner Meinung nach dahingehend gefährdet als die IT immer mehr mit dem Business zusammenwächst. In der Automobilindustrie kann man das sehr schön sehen - da ist IT Bestandteil des Produktes - also wird in den F&E Abteilungen sehr viel IT KnowHow aufgebaut. Dort haben die CIOs in der Regel wenig bis gar keinen Einfluss mehr. Un wenn die Aufgaben der CIOs nur noch in den klassischen Themen wie Finance, HR oder IT Infrastruktur liegen, so kann man dieses sehr leicht outsourcen. Im Prinzip braucht man keine gesonderte IT , man stelle sich vor, man hätte Organisationen wor IT ein Baustein in einer Prozessdomain wäre, also nicht mehr als sog. Dienstleister gesehen wird. Heute baut man in den IT Abteilungen Business KnowHow auf, um auf Augenhöhe mit den Fachbereichen diskutieren zu können. Das ist Resourcenverschwendung, die man sich vor allen Dingen vor dem Hintergrund der Demografie gar nicht mehr leisten kann. Wenn wie gesagt, wenn die IT mit den Prozess / Business Bereichen verschmilzt, braucht es keinen CIO mehr. Allerdings würde dann endlich die Diskussion und die Rechtfertigung ob der IT Kosten und den Wertbeitrag ein Ende haben. Auch schöne Aussichten......

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