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Brauchen wir Turnaround-CIOs?

Kategorie: Trends des Monats
iStock | © ThinkstockViele Unternehmen scheinen mit der Digitalisierung überfordert. Erst Anfang des Sommers veröffentlichte das CIO-Magazin einen Beitrag über zwei Studien der Hackett Group und von McKinsey, die zu dem Schluss kamen, dass die Unzufriedenheit mit der IT wachse. Der Grund sei, dass das Business derzeit mehr verlange, als die IT leisten könne. In den USA etablieren sie bereits so genannte Turnaround-CIOs, um der Situation Herr zu werden. Sie konzentrieren sich ausschließlich darauf, die IT zu transformieren und wenn diese Aufgabe abgeschlossen ist, suchen sie sich eine neue Aufgabe bei einem anderen Unternehmen. Brauchen wir Turnaround-CIOs auch in Europa?
 
Um diese Frage zu beantworten, muss man zunächst beleuchten, warum Digitalisierungsvorhaben überhaupt scheitern. Sie sind häufig gleichzusetzen mit umfangreichen Transformationsprojekten, die eine stabile, flexible und agile IT-Landschaft voraussetzen, um erfolgreich zu sein. In vielen Unternehmen ist die IT aber hochkomplex und unflexibel. Das kann zu einer krisenhaften Situation führen, die sich beispielsweise darin äußert, dass die IT-Kosten dramatisch steigen, dass immer wieder Projekte scheitern, weil die IT nicht liefern kann, oder dass die IT zunehmend zum Risiko wird. In solchen Situationen entstehen häufig auch „IT-Selbsthilfe-Gruppen“, die im Rahmen der „Schatten-IT“ außerhalb des Einflussbereiches eines CIOs aktiv werden.

Solche Situationen kann der amtierende IT-Verantwortliche oft nicht lösen, auch wenn er nicht der Verursacher der Krise war. Denn ein guter CIO eignet sich nicht automatisch als Führungspersönlichkeit für eine Restrukturierung. Krisen sind Ausnahmesituationen, die besondere Anforderungen stellen. Wille und Motivation allein reichen nicht, um sie zu meistern, der CIO muss in der Lage sein, schnell die richtigen Schritte zur Stabilisierung der IT einzuleiten und dann die Neuausrichtung auf den Weg zu bringen.

Turnaround-CIOs sind hochspezialisierte Profis, die ihren Auftrag konsequent umsetzen. Sie konzentrieren sich ausschließlich darauf, das Problem zu lösen, und dafür beispielsweise die Kosten dramatisch zu senken, auszulagern oder die Abteilung zu reorganisieren. Da solche Situationen für diese Führungskräfte nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind, gehen sie ganz anders damit um, als Manager, die bereits seit vielen Jahren im Unternehmen sind. Das ist auch gut so, weil sie dadurch radikale Maßnahmen umsetzen können.

Man braucht also nicht unbedingt einen neuen CIO für die Digitalisierung, aber wenn die IT zum Risiko wird, ist ein Spezialist möglicherweise besser geeignet, den Turnaround zu schaffen. Und es kann – wie bei anderen Restrukturierungsprojekten auch – eine gute Idee sein, die Führungskraft auszuwechseln, um ein deutliches Signal zu setzen.



Bildnachweis: iStock | © Thinkstock

Über den Autor

Arnd Baur
Arnd Baur
Arnd Baur hat Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik studiert und interessiert sich vor allem für die IT-Trends, die die Rolle des CIOs verändern. Er ist seit insgesamt 20 Jahren als Berater und Interims-CIO tätig und leitet bei Capgemini das CIO Advisory Services Team innerhalb von ALS. Kürzlich hat er ein Buch zum Thema „IT-Turnaround“ veröffentlicht.

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